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CHRONIKEN |
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Festschrift zum 825. Jubiläum |
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Hohenfelde - Geschichte und Gegenwart
Anlässlich des 825jährigen Jubiläums der Gemeinde wurde von der Historikerin Steffi Pfeffer eine Festschrift ausgearbeitet, welche einen Auszug der Chroniken von Hohenfelde und Ivendorf beinhaltet. Diese Festschrift stellen wir Ihnen hier vor. Die Chroniken von Wilhelm Radder und Lucie Weeber, sowie die Zusammenfassung und Weiterführung von Martin Dostal finden Sie in Zukunft hier verlinkt. Das zur Festschrift gehörende Bildmaterial wird noch digitalisiert und in Kürze in die Seite eingebunden.
Name und erstes Vorkommen Das Dorf Hohenfelde wurde 1177 das erste Mal urkundlich erwähnt. In einer Urkunde zählt Bischof Berno alle Orte auf, die dem Kloster Doberan vom Landesfürsten geschenkt wurden, darunter auch Putecha, wie die frühere Bezeichnung von Hohenfelde hieß. Da es sich hier um den Gründungsbesitz des Doberaner Klosters handelte, ist Hohenfelde demnach fast genauso alt wie das Kloster Doberan und gehört somit zu den ältesten Gemeinden in Mecklenburg überhaupt. Die meisten Dörfer können nur auf eine 600 bzw. 700jährige Entwicklung seit der Ersterwähnung zurückblicken.
Natürlich gab es das Dorf Hohenfelde auch schon lange vor seiner ersten Schriftlichen Erwähnung. Das beweisen archäologische Funde aus dem Mesolithikum, der mittleren Steinzeit, etwa 8000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Es handelt sich um Feuerstein-Geräte, die bereits erstaunlich präzise bearbeitet sind, etwa Messer oder Pfeilspitzen. Jeder, der schon einmal versucht hat, einen Feuerstein zu bearbeiten, weiß, wie schwer es ist, gezielt Teile von einem Feuerstein abzuschlagen und ihn in eine ganz bestimmte für die Arbeit geeignete Form zu bringen.
In der Jungsteinzeit (Neolithikum), etwa 5000 -2000 v. u. Z. beherrschten die Menschen bekanntlich schon die Kunst des Ackerbaus. Aus der Zeit danach finden wir dann Gegenstände der Bodenbearbeitung, wie z.B. Sicheln aber auch wieder Messer und die Reibekugel mit Reibemulde, mit deren Hilfe man Getreide zu Mehl zermahlen hat.
In der Bronzezeit, etwa 1700 v. u. Z. nahm die Gegend um Hohenfelde einen großen Aufschwung. Hier soll sich ein bedeutender Tempelort befunden haben. Im 19. Jahrhundert sollen noch Reste von insgesamt 7 Hügelgräbern in der Feldflur zu erkennen gewesen. Sie haben an der Straße von Hohenfelde nach Retschow gelegen. Ein gewaltiges Hügelgrab soll weiterhin am Ortseingang von Hohenfelde, in der Nähe des Quellholzes gewesen sein. Als man ihn wegen des Straßenbaus beseitigen musste, wurden bronzene Funde gemacht, Teile eines Armreifens, Teile eines Schwertes.
Vom ausgehenden 6.Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert u. Z. war die Gegend um Hohenfelde von Slawen (oder den Wenden, wie sie auch genannt wurden) und davor wahrscheinlich schon von Germanen bewohnt. Darauf deutet zum Beispiel auch heute noch der Grundriss des Dorfkerns hin. Die Siedlung ist hufeisenförmig angelegt, die Gehöfte um den Dorfplatz mit Teich herum gruppiert. Man nennt dies auch »Rundling«. Der Sinn einer solchen Dorfanlage ist, dass das Vieh, welches im Freien auf dem Dorfplatz lagerte, besser geschützt war. Wenn Viehdiebe sich dem Platz näherten, konnten sie von vielen Einwohnern zugleich gesehen werden.
Die Germanen und auch die Slawen waren vor allem Viehzüchter, der Ackerbau hatte für sie nicht den gleichen Stellenwert. Später, als der Ackerbau bestimmend wurde, war die Rundlingsform nicht mehr so gut geeignet, weil die Erntefahrzeuge nur eine einzige Zufahrt zum Dorf hatten. Da war das sogenannte „Straßendorf“ besser. Die Gehöfte und Scheunen konnten von zwei Seiten aus angefahren werden, ohne dass sich die Gespanne ins Gehege kamen. Die Slawen siedelten mit Vorliebe auf leichten, sandigen Böden, denn ihr Ackergerät, der „wendische Haken“, war aus Holz und wurde mit schweren, lehmigen Böden nicht fertig. Alte Schriften überliefern uns eine Abbildung des »mecklenburgischen Hakens« wie er auch in Hohenfelde gebräuchlich war. Auch später, als die deutschen Siedler aus Niedersachsen und Westfalen kamen und den eisernen Pflug mitbrachten, benutzte man in Hohenfelde und anderswo noch lange bis Mitte des 19. Jahrhunderts den hölzernen Haken. Erst der Klee- und Zuckerrübenanbau, der es erforderlich machte, den Boden nicht nur aufzureißen, sondern ganze Schollen umzuwenden, ließ schließlich den wendischen Haken in den Hintergrund treten. Benutzt wurde der Haken aber noch im 20. Jahrhundert z. B. für die Kartoffelernte, so berichtet der Büdner Karl Friedrich Sass aus Neu Hohenfelde. Im Denkmalhof Retschow kann man dieses Ackergerät noch anschauen.
Hohenfelde im frühen Mittelalter
Die slawische Besiedlung im Gebiet um Doberan dauerte also vom 6.-12.Jahrhundert. Auch der alte Name für Hohenfelde »Putecha« oder »Putekowe«, wie es ab 1192 hieß, ist slawischer Herkunft und soll »Ort des Potech« bedeuten, wobei »tech« soviel --'" »Trost« oder »Freude« bedeutet. Doch im 12. Jahrhundert endete im Wesentlichen die Vorherrschaft der Slawen in Mecklenburg. Der deutsche Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) erhielt vom Papst den Auftrag, das Land im Norden zwischen Elbe und Oder zu christianisieren und zu einigen. Barbarossa wiederum beauftragte den Sachsenkönig Heinrich den Löwen 1154, die Ostkolonisation voranzutreiben. Sieben Jahrhunderte später ging das nationalsozialistische Deutschland noch einmal nach diesem Prinzip vor und wollte die Kolonisation auf Polen und Russland ausweiten. Erst aus dieser Dekade stammt die „Operation Barbarossa“. Sie ist also nicht mit der Ostkolonisation durch Friedrich I zu verwechseln. (Anm. d. IR.)
Heinrich der Löwe besiegte 1160 nach mehreren Feldzügen den Slawenfürsten Niklot. Zugleich war bereits 1155 der Zisterziensermönch Berno ins Land geholt worden, um die Gründung christlicher Klöster vorzubereiten. Das Kloster in Althof und später in Doberan waren die ersten christlichen Klöster in Mecklenburg überhaupt. Die Wiege der mecklenburgischen Kirchen ist Althof. Hier steht heute noch das älteste profane Ziegelmauerwerk Mecklenburgs. Man sieht, dass militärische Landnahme und Christianisierung Hand in Hand gingen. Doch wurde die slawische Urbevölkerung keineswegs vertrieben oder gar vernichtet. Sie lebte vielmehr mit den nun ins Land strömenden deutschen Siedlern aus Sachsen und Westfalen zusammen und übernahmen deren kulturelle Leistungen. So auch in Putekowe, also Hohenfelde. Die deutschen Bauern hatten vorzügliche Kenntnisse in der Metallbearbeitung, brachten die Dreifelderwirtschaft, den eisernen Pflug sowie das mit Nägeln befestigte Hufeisen, den Dreschflegel, die Windmühle mit und auch das niederdeutsche Hallenhaus, wie es danach überall in Mecklenburg und auch in Hohenfelde Verbreitung fand. Noch heute besitzen Hohenfelde und Ivendorf einige dieser Bauernhäuser, wenn auch im Verlaufe der Jahrhunderte manchmal etwas abgewandelt.
So war die Christianisierung zwar mit Eroberung, aber auch mit einem kulturellen Aufschwung verbunden. Putekowe erhielt seinen deutschen Namen Hohenfelde und ist mit diesem erstmals 1312 erwähnt. (Hohenfelde wurde es genannt, weil das Dorf sich auf einem Hügelrücken befindet.) Zwei Jahre später, 1315, wird Hohenfelde jedoch noch die Gerichtsbarkeit nach slawischem Recht zugesprochen. Das ist ein Anzeichen dafür, dass es in Hohenfelde noch eine starke wendische Bevölkerung oder zumindest eine Mischbevölkerung aus slawischen und deutschen Bauern gegeben. Wer deutsches Recht haben wollte, musste mehr Abgaben zahlen. Das war möglicherweise der Grund, warum die Hohenfelder Bauern noch am slawischen Recht festgehalten haben.
Fast zu gleicher Zeit wie Hohenfelde wird auch das Dorf Domastiz erwähnt, das spätere Ivendorf. das in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Auch diese Siedlung wird dem Kloster Doberan geschenkt und zwar von Fürst Heinrich Borwin, dem Nachfolger von Fürst Pribislaw, der 1178 starb. Domastiz, also Ivendorf, wird in der Schenkungsurkunde von 1192 benannt. Ivendorf ist aber schon 1307 mit deutschem Recht versehen worden. In diesem Schriftstück taucht dann auch der deutsche Name für Domastiz, nämlich Hybendorp (Ivendorf) auf. Der Name Ivendorf geht wahrscheinlich auf das Wort für »Eibe« zurück oder auch auf den Personennamen »Iven«, dies ist nicht ganz eindeutig. Eine weitere Urkunde des Doberaner Abtes benennt dann die Abgaben, die das 17 Hufen umfassende Dorf Ivendorf an das Kloster zu leisten hat, und zwar pro Hufe 1 Scheffel Korn und zwei Top Flachs. Meist musste auch noch das sogenannte »Rauchhuhn« abgegeben werden, d.h. pro »Rauch« (also pro Haushalt) ein Huhn.
Wie Ivendorf so zahlte auch Hohenfelde seit 1177 Abgaben an das Kloster Doberan, dem es ja seit der Schenkung von Pribislaw gehörte. Doch die Zisterzienser, die das Kloster führten, waren für ihre bauemfreundliche Haltung bekannt. Zudem erledigten die Mönche viele landwirtschaftliche Arbeiten selbst, so dass von den Bauern nicht so viele Hand- und Spanndienste zu leisten waren, wie auf den Gütern der Adelsritter. Auch waren die Bauern auf den kirchlichen Gütern nicht der persönlichen Willkür einzelner Gutsherren ausgeliefert. Dies unterstreicht übrigens auch das geflügelte Wort aus dem Mittelalter, dass »unter dem Krummstab (Abtsstab oder Bischofsstab) gut wohnen« sei. Diese bevorzugte Stellung - so meinen die Historiker- soll den unter kirchlichem Regiment stehenden Bauern auch im 17.und 18. Jahrhundert erhalten geblieben sein, als der Kirchenbesitz durch die Reformation ja bereits in den Besitz des Herzogs übergegangen war.
Das Schicksal der Margarethe Gensicke
Die Lage der Bauern war also im 13-und 14.Jh. durchaus erträglich, und auch das Kloster selbst entwickelte sich zu einem blühenden Gemeinwesen. Doch Anfang des 13. Jahrhunderts kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Doberaner Kloster und dem Mutterkloster Amelungsborn in Sachsen (heute Niedersachsen), in die auch das Dorf Hohenfelde hineingezogen wurde. Es ging dabei um das Paternitäts- bzw. Visitationsrecht, d.h. das Kontrollrecht der Geistlichen indem zugewiesenen Gebiet. Die Geistlichen in Doberan behaupteten, dass Einheimische, also mecklenburgische Gläubige bei der Aufnahme als Mönche oder Konversen (Klosteranwärter) benachteiligt würden gegenüber den Bewerbern aus Niedersachsen, also Amelungsborn. Der damalige Herrscher, Herzog Albrecht II. , ein geachteter Mann, wollte in diesem Streit schlichten. Doch das scheint einigen Herzog Albrecht Geistlichen - warum auch immer - nicht recht gewesen zu sein. Sie versuchten, Herzog Albrecht II. zu vergiften. Doch es starb stattdessen ein Diener Albrechts. Daraufhin versuchten es drei sächsische Mönche mit Schadenszauber, eine Art Voodoo, wie man heute sagen würde. Die Mönche suchten Margarete Gensicke aus Hohenfelde auf, die für Hexenkünste bekannt war. Diese fertigte auf Anweisung der Mönche ein menschenähnliches Wachspüppchen (Idol). Anstelle von Adern und Nerven wurden der Puppe Fäden aus Wolle und Leinen wie Dochte eingezogen. Die Dochte sollten entzündet werden. In dem Maße, wie das Feuer die Figur zum Schmelzen bringt, sollte die betreffende Person, also Herzog Albrecht geschwächt werden. Wenn das Feuer schließlich das Herz erreicht habe, sollte die Person sterben.
Doch Herzog Albrecht muss von dem Vorhaben unterrichtet worden sein. Er erschien höchstpersönlich am 20. Juli 1336 in Hohenfelde und ließ Margarethe Gensicke abführen. Sie musste ein Geständnis ablegen und die drei Hintermänner benennen. Margarethe Gensicke wurde in Kröpelin vor ein Gericht gestellt, dem Herzog Albrecht vorstand, und wurde dort am 20. Juli 1336 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die drei sächsischen Mönche jedoch konnten mit Hilfe des Doberaner Abtes flüchten und wurden mit Geld, Unterkunft und Pferden unterstützt. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die damalige Zeit, dass die Frau geopfert wurde, aber die Hintermänner auf die Hilfe der weltlichen und geistlichen Herren rechnen konnten.
Hohenfelde im 14. und 15. Jahrhundert
Im 14. und 15. Jahrhundert kam es in Mecklenburg noch einmal zu einer bedeuten landwirtschaftlichen Konjunktur, die mit dem Aufschwung des Ostseehandels späthansischer Zeit zusammenhing. Besonders die küstennahen Gebiete, also auch die Dörfer des Klosters Doberan profitierten vom Handel mit Getreide, das in alle Länder Europas geliefert wurde, und auch vom Handel mit anderen landwirtschaftlichen Produkten. Dies wird auch die Lage der Bauern verbessert haben. Jedoch zeichneten sich im Feudalsystem in Mecklenburg gleichzeitig auch Veränderungen ab, die für die Bauern letztendlich die Leibeigenschaft und Verlust alter Rechte bedeutete. Früher war der Bauer auf seiner Hufe persönlich frei. Er musste zwar an seinen Grundherren - Landesfürst, Ritter oder die Kirche - eine Reihe von Abgaben entrichten und Dienste leisten, aber er war erbberechtigter Besitzer seines Hofes. Dies sollte sich jedoch später ändern. Insbesondere die Ritter strebten danach, ihr Territorium abzurunden und kauften vom Landesherrn einzelne Dörfer dazu.
Das Verhängnisvolle war, dass die Ritter dabei gleichzeitig auch die Gerichtsbarkeit miterwarben und damit die Polizeigewalt. In einem über Jahrhunderte lang währenden Prozess wurden nun einzelne Adlige zu Besitzern etwa der Hälfte des mecklenburgischen Territoriums, auf denen sie nahezu unumschränkte Herrschaft ausübten und die Abgaben und Dienstleistungen ständig steigern konnten. Die Dörfer, die der Kirche gehörten oder dem Landesfürsten, hatten es in der Regel zwar besser, aber was Hand- und Spanndienste anging, zog der Herzog schließlich fast mit den Rittern gleich. Dies sollte in den kommenden Jahrhunderten zu einer drückenden Belastung für die Bauern werden.
Die lutherische Reformation - Hohenfelde gelangt in den Besitz des mecklenburgischen Herzogs
Die Reformation war bekanntlich eine der bedeutendsten Umwälzungen in der frühen Neuzeit und wirkte sich auch auf Hohenfelde, das ja Kirchenbesitz war, entscheidend aus. Die Verbreitung der Lehren von Martin Luther (1483-1546) bedeutete für viele Klöster Mecklenburgs das Ende. Denn Luther stellte die in der Gesellschaft alles überragende Rolle der katholischen Kirche, insbesondere aber ihren ausgedehnten Reichtum und damit auch deren Landbesitz in Frage. Das hatte auch den wirtschaftlichen Niedergang des Doberaner Klosters zur Folge. Das Kloster war zwar nicht arm, aber es fanden sich immer weniger Mönche zum Eintritt ins Kloster bereit. Schließlich wurde das Kloster 1552 säkularisiert, also aufgelöst.
Der mecklenburgische Herzog wurde der Rechtsnachfolger der kirchlichen Ländereien und war von nun an also auch der Besitzer von Hohenfelde. Hohenfelde gehörte damit zum Domanium. Die Bauern des Ortes mussten nun an den Herzog von Mecklenburg die Abgaben entrichten. Interessanterweise brauchte Hohenfelde nicht die Große Bede zu zahlen (Bede = Steuer), eine Art Grundsteuer, die der Herzog sonst von fast allen Dörfern verlangte, und auch nicht die Stolbede, eine Art Haushaltssteuer. Dieses ist wahrscheinlich noch ein Privileg aus der Slawenzeit, das die Bauern von Putekowe dem Grundherren abgetrotzt hatten. Wenn so eine Begünstigung erst einmal Gewohnheitsrecht geworden war, konnte die Steuer auch später nicht mehr abverlangt werden. Im 18./19. Jahrhundert allerdings, als die feudalen Abgaben und Dienste sich zum Glück - überlebt hatten, und in Pachten umgewandelt wurden - davon wird später noch die Rede sein - dürfte dieses Privileg aus der Slawenzeit überflüssig geworden sein.
Weiterhin mussten die Bauern von Hohenfelde im 16. Jahrhundert Hand- und Spanndienste leisten. Dies waren verschiedenste Arbeiten auf den Gutem des Großherzogs, z.B. dem Kammerhof in Bad Doberan. Es musste jeder Bauer Gespanne halten, um Fuhren mit landwirtschaftlichen Produkten für den Herzog zu erledigen. Die Dienste lagen nun drastisch höher als früher. Musste der Bauer früher - im 14. Jahrhundert – nur einen halben Tag pro Woche zu Hofe, waren es jetzt bereits 3-4 Tage in der Woche und zur Erntezeit sogar noch mehr. Der Bauer hatte kaum noch Zeit, seinen eigenen Acker zu bewirtschaften. Trotzdem war die Lage der Bauern im Domanium, also auf dem herzoglichen Besitz, immer noch zum Teil wesentlich besser als auf den Gütern der adligen Ritterschaft. Denn seine Dienste für den Herzog waren vertraglich geregelt, und der Herzog verfolgte eine relativ maßvolle Bauernpolitik.
Die Ritter nutzten oft ihre quasi Alleinherrschaft aus, um völlig willkürlich die Dienste zu erhöhen, die Pausen zu kürzen oder drastische Zwangsmaßnahmen gegen Bauern durchzuführen. Berüchtigt war besonders die Prügelstrafe mit der sogenannten »russischen Knute«, die auf einigen Rittergütern angewendet wurde. Dagegen erscheint die Behandlung der Bauern durch den Herzog - wie sie aus den Akten ersichtlich ist, vergleichsweise milde. Natürlich muss man verstehen, dass die Ritter manchmal auch aus ökonomischen Zwängen heraus handelten, und viele Adlige ihre Bauern durchaus auch gütig behandelten. Aber auf Besitztümern, wo ein einzelner Ritter naturgemäß nur sich selbst verantwortlich war, kam es eben viel öfter zu Übergriffen auf die Bauern.
Hohenfelde im und nach dem Dreißigjährigen Krieg
Von 1618 bis 1648 dauerte der Dreißigjährige Krieg, der Mecklenburg besonders schwer heimsuchte. Rivalisierende Truppen aus dem In- und Ausland zogen marodierend durch das Land und hinterließen sozusagen verbrannte Erde. Auch in Hohenfelde verringerte sich in dieser Zeit die Zahl der Höfe um etwa ein Drittel. Damit war Hohenfelde noch in einer relativ günstigen Lage. Von anderen Dörfern blieb noch viel weniger übrig. In ganz Mecklenburg soll die Zahl der Einwohner um 80 % (!!) zurückgegangen sein. Wahrscheinlich war es für Hohenfelde günstig, dass es damals nicht an einer der großen Straßen lag (die Chaussee Doberan – Schwaan gab es damals ja noch nicht). Dörfer an großen Verkehrswegen wurden besonders schwer verwüstet. Bauern aus Hohenfelde mussten, wie alle anderen, regelmäßig Kontributionen (Kriegssteuer, Aufwandszahlungen für die Unterbringung der Heere) zahlen. Infolge des Krieges herrschte auf dem Lande große Not.
Ein Bauer aus Ivendorf klagt 1632, sein Korn und das seiner Nachbarn sei »von den Engländern und Franzosen weggenommen und aufgefressen« worden. Die Felder hatten zum großen Teil nicht bestellt werden können, viele lagen völlig wüst und mussten neu kultiviert werden. Der Landesherr und die Ritter zogen nun herrenlos gewordene Höfe ein und legten sie zu Gutshöfen zusammen. Dies schien unmittelbar nach dem Krieg auch sinnvoll zu sein. Aber später verselbständigte sich das Bauernlegen. Insbesondere die Ritter vergrößerten in den kommenden Jahren auf Kosten der Bauern ihre Ländereien. Der Landesfürst war zu schwach, um die Bauern Mecklenburgs vor dem Bauernlegen zu schützen Der Dreißigjährige Krieg hatte für die Bauern eine weitere Katastrophe zur Folge, nämlich die Leibeigenschaft. Um die wenigen verbliebenen Arbeitskräfte an die großen Güter zu binden, wurde 1654 die »Hof- und Gesindeordnung« erlassen, die den Bauern an die Scholle band. »Bei schwerer Leibes- und Lebensstrafe« wurde es den Bauern verboten, ohne Genehmigung des Gutsherren sein Dorf und seinen Hof zu verlassen. Der Bauer war jetzt leibeigen, das heißt, seine ganze Familie gehörte samt Gutsinventar zum Eigentum des Gutsherren. Die Menschen konnten nach Belieben des Gutsherren von ihren Höfen umgesetzt, verpfändet und mitverkauft Werden.
Das Landesarchiv Schwerin bewahrt eine Akte aus dem Jahre 1760 auf, in der »Widersetzlichkeit der Hohenfelder Bauern gegen Hand- und Spanndienste« verhandelt wurde. Die Hohenfelder Bauern, die alle namentlich aufgeführt sind, wurden beklagt, bei der Leistung der Frondienste in Althof widerspenstig gewesen zu sein und sich »tätlich widersetzt« zu haben. Doch der Amtsvoigt ließ es dabei bewenden, die Schuldigen eindringlich auf die » Herzogliche Dienst-Ordnung« hinzuweisen. Im Wiederholungsfalle drohte er Strafen an. Der Anführer Hans Runge, so wurde verfügt, sollte jedoch »in den Ganten geschlossen werden«." Währenddessen ging das Bauernlegen, d.h. die Zusammenlegung bäuerlicher Höfe notfalls durch Vertreibung der Bauern, weiter und erreichte im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Für die Adligen war das Wirtschaften auf großen Flächen effektiver, sie konnten in der Bodenbearbeitung und vor allem in der Viehzucht auch Erfolge verzeichnen, wie der Historiker Professor Ernst Münch hervorgehoben hat. Für die Bauern allerdings war die Leibeigenschaft eine große Belastung und nahm ihnen im Laufe der Zeit den Antrieb zu freier, eigenverantwortlicher Tätigkeit.
Deshalb suchte der Herzog Christian Ludwig II. bereits um 1750 nach neuen Wegen auch im Interesse seiner Bauern. Durch die sogenannten »Regulierungen«, die um diese Zeit begannen, sollten die Frondienste der Bauern abgelöst und die moderne Schlag- oder Koppelwirtschaft eingeführt werden. Gleichzeitig setzten Herzog Christian Ludwig und später sein Nachfolger Friedrich Franz I. in frei gewordenen Stellen Büdner als Erbpächter an, die damit wieder zu freien Besitzern ihres Hofes wurden. So schreibt der Chronist von Hohenfelde, Wilhelm Radder (1905-1975) über den Ortsteil Neuhohenfelde: »Neuhohenfelde ist eine der Büdnereisiedlungen, die im Zusammenhang mit der Agrarreform Friedrich Franz I. angelegt wurden. Friedrich Franz regierte von 1786-1837. Es ist anzunehmen, dass Neuhohenfelde um 1820 herum aufgebaut worden ist, genaues ist nicht zu ermitteln. Der Vikar Voss schreibt in seinen Aufzeichnungen, dass die ersten Siedler zweifelhafte Elemente gewesen sein sollen. Die Wohnverhältnisse sind früher in Hohenfelde sehr schlecht gewesen. In einem Wohnhaus mit dazugehörigem Katen einer Büdnerei haben bis zu 5 Familien gewohnt. «Weiterhin nennt Chronist Wilhelm Radder alle Besitzer der 8 Büdnereien von Neuhohenfelde, soweit sie ihm bekannt gewesen sind.
Weiterhin schreibt Wilhelm Radder: Die Wasserversorgung war in Hohenfelde sehr schlecht, Brunnen gab es bei den meisten Büdnern nicht, nur die Büdnerei Nr. 3 hatte einen Brunnen. Das ganze Trinkwasser für Neuhohenfelde musste hier hergeholt werden. Als Gegenleistung musste jeder Haushalt pro Jahr einen halben Tag Kartoffeln sammeln. Wasser für das Vieh wurde vom Katzensoll geholt, einem Teich in der Nähe des alten Forsthofes. Im 18. Jahrhundert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Mecklenburg noch von mehreren Feldzügen erschüttert, die für die Bevölkerung des Amtes Doberan zahlreiche Lasten und Opfer mit sich brachten, so der Nordische Krieg (1700-1721) und der Siebenjährige Krieg (1756-63) und schließlich die Napoleonischen Kriege. Mecklenburg war Kriegsschauplatz und Durchzugsgebiet für die verschiedensten europäischen Mächte, die um die Vorherrschaft im Ostseeraum kämpften. Die Bevölkerung soll nach diesen Jahren sehr verarmt gewesen sein. Manche Höfe gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. Auch Hohenfelde musste Kriegstribute zahlen und für die Verpflegung der ausländischen Soldatenheere mit aufkommen.
Der Befreiungskampf gegen Napoleon - Die Schlacht bei Retschow
Gegen die Napoleonische Besetzung (1806—1813) erhob sich auch in Mecklenburg 1813 der Widerstand. Herzog Friedrich Franz I. rief am 25. März 1813 zu den Waffen. Viele Freiwillige meldeten sich und reihten sich zum Teil in die deutschen Truppen oder auch in die Lützowschen Freikorps ein. Nach einem Waffenstillstand, der vom 4.-11. August 1813 dauerte, wandten sich die französischen Truppen verstärkt dem Norden zu und besetzten Schwerin. (Bei Gadebusch fiel übrigens am 26. August der Dichter Theodor Körner, der dem Lützowschen Freikorps angehörte). Die Franzosen drangen am 27. August auch in Richtung Schwaan und Rostock vor. In der Ortschaft Konow bei Hastorf kam der Vormarsch zum Stehen. Hier standen sich deutsch/schwedische und französisch/dänische Divisionen gegenüber. Völlig überraschend zogen sich die Franzosen nun in Richtung Ivendorf zurück. Warum die Franzosen umgekehrt sind, darüber waren sich die zeitgenössischen Chronisten nicht einig. Vielleicht war es eine Kriegslist der Franzosen oder die Soldaten Napoleons waren durch die Niederlage ihres Kaisers bei Großbeeren entmutigt man weiß es nicht genau.
Jedenfalls zogen die französischen Soldaten in Richtung Fulgenkoppel ab. Dort sollen sie von einer Abteilung ehemaliger Soldaten des gefallenen Ferdinand von Schill attackiert worden sein (Militärhistoriker bestreiten diese Episode allerdings). Das Scharmützel soll sich - so der Rostocker Chronist und Archivar Ludwig Krause - »bei dem Kreuzwege, wo der von Hansdorf nach Ivendorf führende Weg die Straße durchschneidet«, zugetragen haben. Die Schillschen Soldaten sollen angeblich aber durch heftiges französisches Artillerie-Feuer mit Verlust an Mannschaft und Pferden zum Aufgeben gezwungen worden sein. Nun zogen die Franzosen weiter in Richtung Retschow ab, »hart verfolgt« von den deutsch/schwedischen Soldaten unter General Vegesack, wie es in der Quelle heißt. Die Franzosen haben sich dann auf einer Anhöhe zwischen Hohenfelde und Retschow, dem sogenannten Kronenberg (Höhe 68 Meter) festgesetzt. Dort wurden sie schließlich von der deutsch/schwedischen Division besiegt. Dabei wurden drei deutsche Jäger getötet. Ihnen zu Ehren wurde im Ivendorfer Forst ein Schild an einem Baum angebracht, das die Aufschrift trägt: »Im Kampfe für des Vaterlandes Freiheit fielen hier am 28. August 1813 drei brave mecklenburgische Jäger Baerens, Huth, Tackelt«. Die Tafel wurde später umgesetzt und befindet sich heute auf dem Dorfplatz von Retschow. Aber auch die anderen an dem Gefecht bei Retschow beteiligten Nationen hatten Menschenleben zu beklagen.
Auf einer Anhöhe am Forsthof sollen 7 schwedische Soldaten begraben sein. Ein Franzose ist auf dem Friedhof von Retschow begraben. Der Chronist schreibt: »Die Franzosen nahmen ihre übrigen Toten und Verwundeten mit, darunter einen General, der am Krohnsberg fiel. An der Stelle, wo das Ivendorfer Jagdhaus stand, sind noch später viele Waffen und Kanonenkugeln gefunden worden, von denen einige im Doberaner Heimatmuseum aufbewahrt sind. Die Befreiungskriege endeten bekanntlich mit dem Sieg der Verbündeten gegen Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig am 17.10.1813. Dem »Sieger von Leipzig«, Marschall Blücher wurde in Mecklenburg ein triumphaler Empfang bereitet.
Hohenfelde im 19. Jahrhundert
Nach Beendigung der Befreiungskriege setzte Friedrich Franz I. 1820 die offizielle Abschaffung der Leibeigenschaft gegen den Widerstand der Ritter durch. Ab 1850 begann im Domanium, also auch in Hohenfelde, die systematische Vererbpachtung der Höfe, das heißt die Bauern wurden damit freie Unternehmer auf ihrem Hof und konnten diesen auch verkaufen oder vererben. Allerdings musste trotzdem bei Verkäufen der Großherzog zustimmen, denn er blieb nach wie vor der Obereigentümer. Aber der Bauer konnte nun für seinen eigenen Gewinn arbeiten und war damit viel mehr zur Arbeit motiviert als zur Zeit der Leibeigenschaft.
Hinzu kam, dass mit der Gründung der Mecklenburgischen Landwirtschaftlichen Fakultät und dem Wirken von Agrarwissenschaftlern wie Heinrich von Thünen (1783-1850) und Hans von Schlitz (1763-1831) naturwissenschaftliche Erkenntnisse in der Bodenbearbeitung Einzug hielten. Die Wirkungen von Kali-Dünger und anderen mineralischen Düngemitteln wurden erkannt und neue leistungsfähige Pflanzensorten entwickelt. Auch in der Viehzucht wurden Fortschritte gemacht. Die bereits im Jahrhundert davor begonnene Einführung der holsteinischen Koppelwirtschaft war für den Boden besser als die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft. Dies alles trug dazu bei, dass die Erträge ab 1850 verdreifacht (!) wurden.
Das Torfmoor
Hohenfelde wurde 1815, nach den Befreiungskriegen zusätzlich mit der Torfgewinnung begonnen (für Heizzwecke), und zwar auf den Ländereien des Büdners Adolf Jürss. Der Ortschronist Wilhelm Radder schreibt dazu: »Durch die jahrzehntelange Entnahme des Torfes entstand das Große Torfmoor, das heute cirka 5 ha umfasst. Das auftretende Grundwasser wurde mit einer sogenannten Hebepumpe in den großen Graben abgepumpt. 1873 konnte man des Grundwassers nicht mehr Herr werden, und das Moor überschwemmte von nun an das gesamte Terrain. Nun konnte nur noch einige Jahre am Rande Torf gewonnen werden. Im Jahre 1886 wurde noch Torf verkauft, laut Zeitungsinserat kostete 1 Ballen Torf damals 1 Mark und 27 Schillinge. Das heutige Wohnhaus des Büdners Jürss am Torfmoor wurde 1829 erbaut, und wurde zuerst vom Revierförster der Ivendorfer Forst bewohnt. Der Wald ging damals bis an das Torfmoor heran. Das Ackerstück südlich des Torfmoores (reichte) bis nach Neu Hohenfelde heran und wird heute noch die Heide genannt.
Hier war im 19. Jahrhundert nur Busch und Heide. 1908 wurde dieses Land von den Neu-Hohenfelder Bauern urbar gemacht und gepachtet, 1 Rute kostete 22 Schilling Pacht. Dieses Land gehörte zur Hufe Nr. 15. Im 19. Jahrhundert konnte das Amt Doberan und damit sicher auch Hohenfelde wieder einmal von der Nähe zur Küste profitieren. Mit der Gründung des ersten deutschen Seebades 1793 in Heiligendamm durch Friedrich Franz I. und dem Zustrom von Badegästen war natürlich auch ein guter Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte gegeben. Die Wirtschaft blühte also im 19-Jahrhun-dert auf, wenn es auch trotzdem entwicklungsbedingte Probleme gab. Mit der Abschaffung der Leibeigenschaft entfiel natürlich auch die Sorgfaltspflicht des Landesherren und die Obhut für seine »Untertanen«. Alte patriarchalische Bindungen zerfielen und der Bauer war auf sich allein gestellt. Von diesen Problemen zeugt u.a. der Roman »Kein Hüsung« von Fritz Reuter. Die günstige Entwicklung der Landwirtschaft kann aber trotzdem nicht übersehen werden.
Mit Recht wird in der Dissertationsschrift von Hans Bamewitz » Das Amt Doberan« von 1926 vermerkt, dass Doberan wohl zu den reichsten und blühendsten mecklenburgischen Dominialämtem gehörte. Auch für die Bauern von Hohenfelde war Doberan das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum. Zeitgenössische Darstellungen zeigen die Alltagsfreuden der Bevölkerung. Tanz, Kamp-Illumination, Pfingstmarkt, Pferderennen usw. Im 19. Jahrhundert wurde die Fotografie erfunden. Dadurch haben wir nun auch zum ersten Mal Abbilder der Einwohner und ihres täglichen Lebens. Im folgenden wollen wir mit Hilfe einer Aufstellung von Wilhelm Radder, die wir aktualisiert haben, wichtige Höfe Hohenfeldes nachzeichnen und mit zeitgenössischen Aufnahmen, die uns die Bewohner des Dorfes zur Verfügung gestellt haben, veranschaulichen.
Hufe I Von Doberan kommend das erste Gehöft links der Chaussee. Besitzer ist seit langem Familie Jürss.
Hufe II Von Doberan her das erste Gehöft rechts der Chaussee, lag früher neben der Stelle XIV. Besitz war lange Zeit Ziegeleischeune Familie Hamann. Jetzt besitzt es Familie Splettstößer.
Hufe III Jetzt von Doberan her das zweite Gehöft an der Chaussee links (früher innerhalb des Dorfringes gelegen und zwar am Dorfeingang). Besitzer seit langem Familie Riebe.
Hufe IV Jetzt von Doberan her das zweite Gehöft rechts an der Chaussee, neu aufgebaut von Andreas Westendorf mit der Ziegelei und der Scheune. Der Hof mit dem Pferdestall und der Scheune lag vorher im Dorfeingang zwischen II und III. Die Ziegelei ist abgerissen, die Viehställe wurden von der LPG umgebaut, ein Erweiterungsbau entstand als Kindergarten und Gemeindebüro. Die Scheune wurde von Westendorf zur Lagerung von Feldfrüchten genutzt und steht noch heute. Sie wurde gerade erst renoviert und wird zum Gemeindezentrum ausgebaut.
Hufe V Jetzt von Doberan her das dritte Gehöft an der Chaussee links, lag früher zwischen den Hofstellen Nr. VI und VII. Besitzer war lange Zeit die Familie Schönfeldt. An der jetzigen Stelle erbaut 1826. Scheune und Viehhaus sind noch so vorhanden wie sie erbaut wurden, das Wohnhaus hatte früher Rohr- und Strohdach. Im Wohnhaus lebt heute Familie Nöske/Rath. Die restaurierte Scheune ist Sitz der Firmen Schimmine und Golombek.
Hufe VI Dieses schöne reetgedeckte Bauemhaus war früher eine Pentzin-Stelle, vom letzten erbenlosen Glied der Familie an ein Mitglied der Familie Kruth vom Hof XIV verkauft. Heute ist der Besitzer Benno Kruth. Er lebt dort mit seiner Frau Inge Kruth, die Inhaberin des Friseurgeschäftes in Hohenfelde ist, mit seinen Kindern und deren Familien.
Hufe VII Das Wohnhaus steht heute nicht mehr. Es ist 1943 durch Blitzschlag abgebrannt. Durch Heirat ging die Hufe einst von der Familie Schlutow in den Besitz der Familie Behns. Zuletzt wohnte dort Familie Schröder.
Hufe VIII Liegt an alter Stelle, durch Heirat aus der Familie Oemig in den Besitz der Familie Ross übergegangen, den Oemigs gehörte auch die Schmiede im Dorf. Heute gehört das Grundstück der Familie Katzorreck.
Hufe IX Wohnhaus von Gisela und Hans Katzorreck, früher Gaststätte mit Schmiede. Liegt an alter Stelle, ursprünglich eine Stelle der Familie Mahn, dann oftmaliger Besitzwechsel, zweimal ein Prüter, dann Schmidt, zuletzt Ehlers. Das Haus steht noch, ist aber völlig umgebaut. Um das Haus herum sind neue Eigenheime entstanden. Das Haus von Ehlers erwarb Horst Bluhm.
HufeX Liegt an alter Stelle. Ursprünglich gehörte das Haus der Familie Schaaren, dann war längere Zeit Familie Reincke der Eigentümer, später mehrmals Besitzerwechsel, dann schließlich im Besitz der Familie Langhoff.
Hufe XV Liegt an alter Stelle, früher im Besitz der Familie Oemig, durch Verschwägerung in den Besitz der Familie Jürss von Hufe I gekommen. Das Wohnhaus ist im Jahre 1800 erbaut und laut Hofbrief vom 13. September 1862 mit 675 Taler versichert gewesen..
Hufe XVI Liegt an ursprünglicher Stelle, gehörte seit alters her der Familie Hamann. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel (Lau, Loheit, Langschwager) von den Erbtöchtern Langschwager an den Pächter Ross aus Lambrechtshagen verkauft, der die Stelle parzellierte (aufteilte). Die Reststelle kaufte Familie Reincke von Hufe X als Büdnerei. Später zog hier Familie Hexel ein.
Auch die Gehöfte von Neu-Hohenfelde, das, wie Radder schrieb, erst nach 1815 entstanden ist, führt er auf:
Büdnerei Nr. 1 Erbauer unbekannt, dann Schoof, Rust,1960 durch Blitzschlag abgebrannt, dann wiederaufgebaut. Jetzt im Besitz der Familie Volp.
Büdnerei Nr. 2 Erbauer ross, dann Garbe, Frahm, jetzt Hakendahl, Sitz Malerbetrieb Dally
Büdnerei Nr. 3 Aufgebaut von Bülow, dann Jahn, Trost, Hamann, jetzt Weeber
Büdnerei Nr.4 Aufgebaut von Wittenburg (?), danach Reincke, jetzt Familie Neumann.
Büdnerei Nr.5 Erbauer unbekannt, dann Radder, Hameister, Rand, Rachow, zuletzt Schlutow. Die Gebäude sind vor einigen Jahren abgebrochen.
Büdnerei Nr.6 Erbauer unbekannt, dann Ohde, Rust, später Kruth, jetzt Schulz.
Büdnerei Nr.7 Erbauer unbekannt, dann Peters, dann Sass. 1932 abgebrannt, (noch im selben Jahr wieder aufgebaut - d.R.). Jetzt ist es im Besitz des Sohnes. Einen Teil des Hauses hat er verpachtet an den Bildhauer und Journalisten Günter Brock.
Büdnerei Nr. 8 Erbauer unbekannt, dann Schaaren, Schumacher, Siems, Schuldt, jetzt Schaaren.
Der Hohenfelder Wilhelm Radder gibt uns darüber hinaus auch einen guten Einblick die Situation des Ortes, so wie er sie selbst erlebt hat und was er aus Erzählungen anderer über die Vergangenheit des Ortes erfahren hat. So beschreibt er die wichtigsten Institutionen, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten von Hohenfelde. Diese wollen wir hier zitieren und mit den neuesten Daten ergänzen, denn sie geben eine gute Beschreibung vom dörflichen Leben, insbesondere wie es sich aus der Sicht des 20. Jahrhunderts dargestellt hat.
Die Schule
Die Schule liegt außerhalb des Dorfringes. Zur Zeit des Lehrers Lembke war die Schulscheune das Schulhaus, die Scheune wurde erst vor wenigen Jahren abgerissen. Das jetzige Schulhaus wurde 1881 erbaut. Von 1888-1929 war die Schule Küsterschule der Althöfer Gemeinde. Lange Zeit war nämlich der Unterricht der Schulkinder auf den Dörfern durch die Geistlichkeit wahrgenommen worden (d.R.) Zur Schulgemeinde gehörten damals Hohenfelde, Neuhohenfelde, Ivendorf und Althof.
Das fertige Schulhaus kostete lt. Abschlussprotokoll vom 15. November 1884 M 12.375, 65. Nach Aufzeichnungen in einem alten Kassenbuch hat der erste Lehrer Zinck geheißen, er war bis 1843 in Hohenfelde Lehrer. Die Zahl der Schüler hat mit den Jahren immer mehr abgenommen. Die höchste Schülerzahl war 1850 zu verzeichnen, es waren 138 Schüler, davon in Hohenfelde 69, in Neuhohenfelde 29, in Ivendorf 17 und in Althof 23. Dann nahm die Schülerzahl immer mehr ab. 1887 waren nur noch 76 Schüler insgesamt. Diese Anzahl hielt sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mit elektrischem Licht wurde die Schule 1922 ausgestattet. Bis 1945 wurden in der Dorfschule 8 Klassen gemeinsam unterrichtet. Schüler jeden Alters saßen in jeweils einer Klasse. Es gab zwei Schulräume. Nach 1945 wurde dann geteilt in zwei Klassen (Unterstufe und Oberstufe). Ab 1950 gingen in Hohenfelde nur noch Schüler bis zur 6. bzw. 4. Klasse zur Schule. Die älteren Schüler besuchten bereits die Schulen in Bad Doberan. Ab 1969 fand der Unterricht nur noch in Bad Doberan statt. Das Schulgebäude wurde zu Wohnzwecken umgebaut.
Die Stellmacherei
Die Hausiere! Nr. l lag früher cirka 50 m näher am Dorf heran, dort wohnte der Häusler Schaaren. Derselbe baute 1883 die Häuslerei an der Chaussee. Schaaren verkaufte später die Häuslerei an den Schäfer Stade, der eine Stellmacherei einrichtete und alles seinem Sohn Christian Stade zur Verfügung stellte. 1903 pachtete der Stellmachermeister Hermann Beyer das Grundstück. Die früher kleine Werkstatt wurde von den Beyers immer mehr ausgebaut, nachdem sie das Grundstück gekauft hatten. 1930 wurde auch eine Sägerei mit Gatter dazugebaut, hierauf wurde auch nach 1945 das ganze Bauholz für die Siedler geschnitten. 1960 wurde dann von Werner Beyer (Sohn von Hermann Beyer, der den Betrieb 1948 von seinem Vater übernommen hatte - d.Red.) und noch drei weiteren Handwerksmeistern der Umgegend die PGH Karosseriebau gegründet, es wurde eine große Werkhalle gebaut.
Zu der Zeit, als W. Radder die Chronik schrieb, also etwa 1970, waren in diesem Karosserie-Betrieb 20 Personen beschäftigt. Heute stehen der Betrieb und die Halle nicht mehr. Jedoch existiert noch ein Zweigbetrieb der ehemaligen PGH in Parkentin, der vom Bruder Hermann Beyers gegründet worden war.
Die Schmiede
Es ist nicht festzustellen, wann die Schmiede im Dorf gebaut wurde, da sie aber innerhalb des Dorfringes liegt, ist anzunehmen, dass sie schon seit langem im Dorf vorhanden war. Das Schmiedegrund besteht aus einer kleinen Büdnerei, der Schmiede und einer Gastwirtschaft. Als Haupterwerb galt die Schmiede. Von Frau Riebe erfuhr ich, dass ganz früher ein Schmied Völker die Schmiede gehabt hat, dann ging sie in den Besitz der Oemigs von Hufe 8 über. Durch Einheirat des Schmidt Ross aus Reddelich übernahm derselbe dann die Schmiede und verkaufte sie 1915 an Wascher (nicht 1910, wie Wilhelm Radder schreibt - d. Red.)
Die Waschers haben die Schmiede bis heute in Besitz. Nachdem das neue Kulturhaus gebaut war, gab Wascher 1959 die Gastwirtschaft auf. 1960 traten die Waschers in die LPG ein und somit wurde die Schmiede dann nur noch sehr wenig benutzt, da auch Pferde nach und nach durch Traktoren ersetzt wurden.
Der Räucherkaten
Zur Hufe Nr., 7 gehörig lag hinter dem Dorfteich, am Schulweg, der Räucherkaten. Hier wurde Fleisch und Wurst für das ganze Dorf geräuchert. Das Räuchern kostete pro Schwein l Taler. Der Räucherkaten hatte keinen Schornstein. In der Küche wurde auf einem offenen Herd geheizt. Der Rauch wurde durch einen Rauchfang auf den Boden geleitet und verteilte sich oben unter dem Dach, wo das Räuchergut frei aufgehängt war.
In dem Katen wohnte lange Zeit Peter Hameister. Er machte lange Zeit auch die Hausschlachtungen im Dorf, wobei er es immer einzurichten verstand, dass er auch für sich ein Stück Fleisch abschnitt, das er dann unter seiner Jacke verschwinden ließ. Die Bauern wussten das, sie ärgerten sich zwar darüber, sagten aber nichts .Sie grübelten aber auf Rache und sie fanden einen Weg. Sie wussten, dass Peter für sein Leben gern Karten spielte, und so luden sie ihn nach dem Schlachten zu einem Spielchen ein, dann richteten sie es so ein, dass Peter möglichst nahe am Ofen zu sitzen kam, vorher hatten sie das Ofenloch noch einmal richtig voll Buchenholz gesteckt. Und nun wurde gespielt, absichtlich ließen sie Peter gewinnen, denn sie wussten, wenn Peter am gewinnen war, ging er nicht nach Haus. Wie sie nun cirka eine Stunde gespielt hatten, war inzwischen der Ofen auf Hochglut gekommen, und Peter musste schwitzen, mitsamt dem fetten Fleisch unter seiner Jacke, bis er es nicht mehr aushielt und davonrannte. Die Bauern grinsten dann hinter ihm her.
Die Chaussee
Die Chaussee von Doberan nach Schwaan, die durch Hohenfelde und Ivendorf führt, wurde 1882 erbaut, vorher war nur ein Landweg vorhanden, der wegen seines schlechten Zustandes vor allem in den Herbst- und Wintermonaten in der ganzen Gegend bekannt war. Der erste Straßenwärter war der in Hohenfelde wohnende Häusler Johannsen, er war lange Jahre als Straßenwärter tätig, ich selber (Wilhelm Radder - d.R.) kann mich ganz gut erinnern, wie er uns Jungs immer an den Kirschbäumen vertrieb, die an der Chaussee standen, er redete zwar nicht viel, aber sein bloßes Erscheinen jagte uns schon einen Schrecken ein. Er war ein großer stattlicher Mann mit einem Backenbart und trug eine prächtige Uniform.
W. Radder und seine Tochter Lucie Weeber, die nach dem Tode Wilhelm Radders im Jahre 1975 die Chronik weiterführte, überliefern auch die Namen aller Dorfschulzen und Bürgermeister von Hohenfelde seit 1813
Trotz der relativ guten Wirtschaftslage im Domanium oder vielleicht gerade deswegen nutzten in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Mecklenburger die Möglichkeit, nach Amerika auszuwandern. Die verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen ließen nämlich die Bevölkerungszahlen ansteigen. Andererseits gerieten manche Landarbeiter in Not, weil nach Man darf nicht vergessen, dass nicht jeder Bauer die Möglichkeit hatte, einen eigenen Hof zu bekommen, auch wenn die herzogliche Regierung sich bemühte, Land zur Aufsiedelung bereitzustellen. In der Zeit zwischen 1850 und 1900 entstanden zum Beispiel auch der Ortsteil Hohenfelde-Ausbau und das Gehöft des Bauern Rieck (später im Besitz der Familie Kruth) in Neu-Hohenfelde. Die neuen Büdnereien bekamen die Bauern aber nicht geschenkt, sie mussten eine Ablösesumme bezahlen, die nicht jeder aufbringen konnte. Auch hatten die Familien meist mehrere Kinder, von denen nicht jeder Hofbesitzer werden konnte.
Deswegen zog es viele Mecklenburger in die Neue Welt, nach Amerika, weil sie hofften, dort bessere Lebensmöglichkeiten zu finden. Aus Hohenfelde gingen in den Jahren 1856 und 57 über 40 Bauern in die Vereinigten Staaten. Sie machten die Schiffspassage nach New York meist sogar gemeinsam aber nach der Ankunft zerstreuten sich ihre Wege. Aus Ivendorf wanderte 1867 Christiane Starck mit ihrer Familie aus. Sie und ihr Mann Joachim Schuever aus Glashagen erhielten keine Hochzeitserlaubnis, obwohl sie schon zwei Kinder hatten. Sie reisten nach New York. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Ein Bruder des Bauern Karl Westendorf ging später in den dreißiger Jahren nach Kanada, weil er im politischen Klima des nationalsozialistischen Staates nicht leben wollte. Die Familie von Karl Westendorf hatte über Jahrzehnte den Kontakt mit ihm gehalten, bis er um 1995 starb.
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