Das Gesicht des Dorfes in Büchern und Broschüren unserer Region.
Hohenfelde – Geschichte und Gegenwart
Anlässlich des 825jährigen Jubiläums der Gemeinde wurde von der Historikerin Steffi Pfeffer eine Festschrift ausgearbeitet, welche einen Auszug der Chroniken von Hohenfelde und Ivendorf beinhaltet. Diese Festschrift stellen wir Ihnen hier vor. Die Chroniken von Wilhelm Radder und Lucie Weeber, sowie die Zusammenfassung und Weiterführung von Martin Dostal finden Sie in Zukunft hier verlinkt. Das zur Festschrift gehörende Bildmaterial wird noch digitalisiert und in die Seite eingebunden.
Name und erstes Vorkommen
Das Dorf Hohenfelde wurde 1177 das erste Mal urkundlich erwähnt. In einer Urkunde zählt Bischof Berno alle Orte auf, die dem Kloster Doberan vom Landesfürsten geschenkt wurden, darunter auch Putecha, wie die frühere Bezeichnung von Hohenfelde hieß. Da es sich hier um den Gründungsbesitz des Doberaner Klosters handelte, ist Hohenfelde demnach fast genauso alt wie das Kloster Doberan und gehört somit zu den ältesten Gemeinden in Mecklenburg überhaupt. Die meisten Dörfer können nur auf eine 600 bzw. 700jährige Entwicklung seit der Ersterwähnung zurückblicken.
Natürlich gab es das Dorf Hohenfelde auch schon lange vor seiner ersten Schriftlichen Erwähnung. Das beweisen archäologische Funde aus dem Mesolithikum, der mittleren Steinzeit, etwa 8000 Jahre vor unserer Zeitrechnung. Es handelt sich um Feuerstein-Geräte, die bereits erstaunlich präzise bearbeitet sind, etwa Messer oder Pfeilspitzen. Jeder, der schon einmal versucht hat, einen Feuerstein zu bearbeiten, weiß, wie schwer es ist, gezielt Teile von einem Feuerstein abzuschlagen und ihn in eine ganz bestimmte für die Arbeit geeignete Form zu bringen.
In der Jungsteinzeit (Neolithikum), etwa 5000 -2000 v. u. Z. beherrschten die Menschen bekanntlich schon die Kunst des Ackerbaus. Aus der Zeit danach finden wir dann Gegenstände der Bodenbearbeitung, wie z.B. Sicheln aber auch wieder Messer und die Reibekugel mit Reibemulde, mit deren Hilfe man Getreide zu Mehl zermahlen hat.
In der Bronzezeit, etwa 1700 v. u. Z. nahm die Gegend um Hohenfelde einen großen Aufschwung. Hier soll sich ein bedeutender Tempelort befunden haben. Im 19. Jahrhundert sollen noch Reste von insgesamt 7 Hügelgräbern in der Feldflur zu erkennen gewesen. Sie haben an der Straße von Hohenfelde nach Retschow gelegen. Ein gewaltiges Hügelgrab soll weiterhin am Ortseingang von Hohenfelde, in der Nähe des Quellholzes gewesen sein. Als man ihn wegen des Straßenbaus beseitigen musste, wurden bronzene Funde gemacht, Teile eines Armreifens, Teile eines Schwertes.
Vom ausgehenden 6.Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert u. Z. war die Gegend um Hohenfelde von Slawen (oder den Wenden, wie sie auch genannt wurden) und davor wahrscheinlich schon von Germanen bewohnt. Darauf deutet zum Beispiel auch heute noch der Grundriss des Dorfkerns hin. Die Siedlung ist hufeisenförmig angelegt, die Gehöfte um den Dorfplatz mit Teich herum gruppiert. Man nennt dies auch »Rundling«. Der Sinn einer solchen Dorfanlage ist, dass das Vieh, welches im Freien auf dem Dorfplatz lagerte, besser geschützt war. Wenn Viehdiebe sich dem Platz näherten, konnten sie von vielen Einwohnern zugleich gesehen werden.
Die Germanen und auch die Slawen waren vor allem Viehzüchter, der Ackerbau hatte für sie nicht den gleichen Stellenwert. Später, als der Ackerbau bestimmend wurde, war die Rundlingsform nicht mehr so gut geeignet, weil die Erntefahrzeuge nur eine einzige Zufahrt zum Dorf hatten. Da war das sogenannte „Straßendorf“ besser. Die Gehöfte und Scheunen konnten von zwei Seiten aus angefahren werden, ohne dass sich die Gespanne ins Gehege kamen. Die Slawen siedelten mit Vorliebe auf leichten, sandigen Böden, denn ihr Ackergerät, der „wendische Haken“, war aus Holz und wurde mit schweren, lehmigen Böden nicht fertig.
Alte Schriften überliefern uns eine Abbildung des »mecklenburgischen Hakens« wie er auch in Hohenfelde gebräuchlich war. Auch später, als die deutschen Siedler aus Niedersachsen und Westfalen kamen und den eisernen Pflug mitbrachten, benutzte man in Hohenfelde und anderswo noch lange bis Mitte des 19. Jahrhunderts den hölzernen Haken. Erst der Klee- und Zuckerrübenanbau, der es erforderlich machte, den Boden nicht nur aufzureißen, sondern ganze Schollen umzuwenden, ließ schließlich den wendischen Haken in den Hintergrund treten. Benutzt wurde der Haken aber noch im 20. Jahrhundert z. B. für die Kartoffelernte, so berichtet der Büdner Karl Friedrich Sass aus Neu Hohenfelde. Im Denkmalhof Retschow kann man dieses Ackergerät noch anschauen.
Hohenfelde im frühen Mittelalter
Die slawische Besiedlung im Gebiet um Doberan dauerte also vom 6.-12.Jahrhundert. Auch der alte Name für Hohenfelde »Putecha« oder »Putekowe«, wie es ab 1192 hieß, ist slawischer Herkunft und soll »Ort des Potech« bedeuten, wobei »tech« soviel –’” »Trost« oder »Freude« bedeutet. Doch im 12. Jahrhundert endete im Wesentlichen die Vorherrschaft der Slawen in Mecklenburg. Der deutsche Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) erhielt vom Papst den Auftrag, das Land im Norden zwischen Elbe und Oder zu christianisieren und zu einigen. Barbarossa wiederum beauftragte den Sachsenkönig Heinrich den Löwen 1154, die Ostkolonisation voranzutreiben. Sieben Jahrhunderte später ging das nationalsozialistische Deutschland noch einmal nach diesem Prinzip vor und wollte die Kolonisation auf Polen und Russland ausweiten. Erst aus dieser Dekade stammt die „Operation Barbarossa“. Sie ist also nicht mit der Ostkolonisation durch Friedrich I zu verwechseln. (Anm. d. IR.)
Heinrich der Löwe besiegte 1160 nach mehreren Feldzügen den Slawenfürsten Niklot. Zugleich war bereits 1155 der Zisterziensermönch Berno ins Land geholt worden, um die Gründung christlicher Klöster vorzubereiten. Das Kloster in Althof und später in Doberan waren die ersten christlichen Klöster in Mecklenburg überhaupt.
Die Wiege der mecklenburgischen Kirchen ist Althof. Hier steht heute noch das älteste profane Ziegelmauerwerk Mecklenburgs. Man sieht, dass militärische Landnahme und Christianisierung Hand in Hand gingen. Doch wurde die slawische Urbevölkerung keineswegs vertrieben oder gar vernichtet. Sie lebte vielmehr mit den nun ins Land strömenden deutschen Siedlern aus Sachsen und Westfalen zusammen und übernahmen deren kulturelle Leistungen. So auch in Putekowe, also Hohenfelde.
Die deutschen Bauern hatten vorzügliche Kenntnisse in der Metallbearbeitung, brachten die Dreifelderwirtschaft, den eisernen Pflug sowie das mit Nägeln befestigte Hufeisen, den Dreschflegel, die Windmühle mit und auch das niederdeutsche Hallenhaus, wie es danach überall in Mecklenburg und auch in Hohenfelde Verbreitung fand. Noch heute besitzen Hohenfelde und Ivendorf einige dieser Bauernhäuser, wenn auch im Verlaufe der Jahrhunderte manchmal etwas abgewandelt.
So war die Christianisierung zwar mit Eroberung, aber auch mit einem kulturellen Aufschwung verbunden. Putekowe erhielt seinen deutschen Namen Hohenfelde und ist mit diesem erstmals 1312 erwähnt. (Hohenfelde wurde es genannt, weil das Dorf sich auf einem Hügelrücken befindet.) Zwei Jahre später, 1315, wird Hohenfelde jedoch noch die Gerichtsbarkeit nach slawischem Recht zugesprochen. Das ist ein Anzeichen dafür, dass es in Hohenfelde noch eine starke wendische Bevölkerung oder zumindest eine Mischbevölkerung aus slawischen und deutschen Bauern gegeben. Wer deutsches Recht haben wollte, musste mehr Abgaben zahlen. Das war möglicherweise der Grund, warum die Hohenfelder Bauern noch am slawischen Recht festgehalten haben.
Fast zu gleicher Zeit wie Hohenfelde wird auch das Dorf Domastiz erwähnt, das spätere Ivendorf. das in unmittelbarer Nachbarschaft liegt. Auch diese Siedlung wird dem Kloster Doberan geschenkt und zwar von Fürst Heinrich Borwin, dem Nachfolger von Fürst Pribislaw, der 1178 starb. Domastiz, also Ivendorf, wird in der Schenkungsurkunde von 1192 benannt. Ivendorf ist aber schon 1307 mit deutschem Recht versehen worden. In diesem Schriftstück taucht dann auch der deutsche Name für Domastiz, nämlich Hybendorp (Ivendorf) auf. Der Name Ivendorf geht wahrscheinlich auf das Wort für »Eibe« zurück oder auch auf den Personennamen »Iven«, dies ist nicht ganz eindeutig. Eine weitere Urkunde des Doberaner Abtes benennt dann die Abgaben, die das 17 Hufen umfassende Dorf Ivendorf an das Kloster zu leisten hat, und zwar pro Hufe 1 Scheffel Korn und zwei Top Flachs. Meist musste auch noch das sogenannte »Rauchhuhn« abgegeben werden, d.h. pro »Rauch« (also pro Haushalt) ein Huhn.
Wie Ivendorf so zahlte auch Hohenfelde seit 1177 Abgaben an das Kloster Doberan, dem es ja seit der Schenkung von Pribislaw gehörte. Doch die Zisterzienser, die das Kloster führten, waren für ihre bauemfreundliche Haltung bekannt. Zudem erledigten die Mönche viele landwirtschaftliche Arbeiten selbst, so dass von den Bauern nicht so viele Hand- und Spanndienste zu leisten waren, wie auf den Gütern der Adelsritter. Auch waren die Bauern auf den kirchlichen Gütern nicht der persönlichen Willkür einzelner Gutsherren ausgeliefert. Dies unterstreicht übrigens auch das geflügelte Wort aus dem Mittelalter, dass »unter dem Krummstab (Abtsstab oder Bischofsstab) gut wohnen« sei. Diese bevorzugte Stellung – so meinen die Historiker- soll den unter kirchlichem Regiment stehenden Bauern auch im 17.und 18. Jahrhundert erhalten geblieben sein, als der Kirchenbesitz durch die Reformation ja bereits in den Besitz des Herzogs übergegangen war.
Das Schicksal der Margarethe Gensicke
Die Lage der Bauern war also im 13-und 14.Jh. durchaus erträglich, und auch das Kloster selbst entwickelte sich zu einem blühenden Gemeinwesen. Doch Anfang des 13. Jahrhunderts kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Doberaner Kloster und dem Mutterkloster Amelungsborn in Sachsen (heute Niedersachsen), in die auch das Dorf Hohenfelde hineingezogen wurde. Es ging dabei um das Paternitäts- bzw. Visitationsrecht, d.h. das Kontrollrecht der Geistlichen indem zugewiesenen Gebiet. Die Geistlichen in Doberan behaupteten, dass Einheimische, also mecklenburgische Gläubige bei der Aufnahme als Mönche oder Konversen (Klosteranwärter) benachteiligt würden gegenüber den Bewerbern aus Niedersachsen, also Amelungsborn.
Der damalige Herrscher, Herzog Albrecht II. , ein geachteter Mann, wollte in diesem Streit schlichten. Doch das scheint einigen Herzog Albrecht Geistlichen – warum auch immer – nicht recht gewesen zu sein. Sie versuchten, Herzog Albrecht II. zu vergiften. Doch es starb stattdessen ein Diener Albrechts. Daraufhin versuchten es drei sächsische Mönche mit Schadenszauber, eine Art Voodoo, wie man heute sagen würde. Die Mönche suchten Margarete Gensicke aus Hohenfelde auf, die für Hexenkünste bekannt war. Diese fertigte auf Anweisung der Mönche ein menschenähnliches Wachspüppchen (Idol). Anstelle von Adern und Nerven wurden der Puppe Fäden aus Wolle und Leinen wie Dochte eingezogen. Die Dochte sollten entzündet werden. In dem Maße, wie das Feuer die Figur zum Schmelzen bringt, sollte die betreffende Person, also Herzog Albrecht geschwächt werden. Wenn das Feuer schließlich das Herz erreicht habe, sollte die Person sterben.
Doch Herzog Albrecht muss von dem Vorhaben unterrichtet worden sein. Er erschien höchstpersönlich am 20. Juli 1336 in Hohenfelde und ließ Margarethe Gensicke abführen. Sie musste ein Geständnis ablegen und die drei Hintermänner benennen. Margarethe Gensicke wurde in Kröpelin vor ein Gericht gestellt, dem Herzog Albrecht vorstand, und wurde dort am 20. Juli 1336 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die drei sächsischen Mönche jedoch konnten mit Hilfe des Doberaner Abtes flüchten und wurden mit Geld, Unterkunft und Pferden unterstützt. Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die damalige Zeit, dass die Frau geopfert wurde, aber die Hintermänner auf die Hilfe der weltlichen und geistlichen Herren rechnen konnten.
Hohenfelde im 14. und 15. Jahrhundert
Im 14. und 15. Jahrhundert kam es in Mecklenburg noch einmal zu einer bedeuten andwirtschaftlichen Konjunktur, die mit dem Aufschwung des Ostseehandels späthansischer Zeit zusammenhing. Besonders die küstennahen Gebiete, also auch die Dörfer des Klosters Doberan profitierten vom Handel mit Getreide, das in alle Länder Europas geliefert wurde, und auch vom Handel mit anderen landwirtschaftlichen Produkten. Dies wird auch die Lage der Bauern verbessert haben.
Jedoch zeichneten sich im Feudalsystem in Mecklenburg gleichzeitig auch Veränderungen ab, die für die Bauern letztendlich die Leibeigenschaft und Verlust alter Rechte bedeutete. Früher war der Bauer auf seiner Hufe persönlich frei. Er musste zwar an seinen Grundherren – Landesfürst, Ritter oder die Kirche – eine Reihe von Abgaben entrichten und Dienste leisten, aber er war erbberechtigter Besitzer seines Hofes. Dies sollte sich jedoch später ändern. Insbesondere die Ritter strebten danach, ihr Territorium abzurunden und kauften vom Landesherrn einzelne Dörfer dazu.
Das Verhängnisvolle war, dass die Ritter dabei gleichzeitig auch die Gerichtsbarkeit miterwarben und damit die Polizeigewalt. In einem über Jahrhunderte lang währenden Prozess wurden nun einzelne Adlige zu Besitzern etwa der Hälfte des mecklenburgischen Territoriums, auf denen sie nahezu unumschränkte Herrschaft ausübten und die Abgaben und Dienstleistungen ständig steigern konnten. Die Dörfer, die der Kirche gehörten oder dem Landesfürsten, hatten es in der Regel zwar besser, aber was Hand- und Spanndienste anging, zog der Herzog schließlich fast mit den Rittern gleich. Dies sollte in den kommenden Jahrhunderten zu einer drückenden Belastung für die Bauern werden.
Die lutherische Reformation – Hohenfelde gelangt in den Besitz des mecklenburgischen Herzogs
Die Reformation war bekanntlich eine der bedeutendsten Umwälzungen in der frühen Neuzeit und wirkte sich auch auf Hohenfelde, das ja Kirchenbesitz war, entscheidend aus. Die Verbreitung der Lehren von Martin Luther (1483-1546) bedeutete für viele Klöster Mecklenburgs das Ende. Denn Luther stellte die in der Gesellschaft alles überragende Rolle der katholischen Kirche, insbesondere aber ihren ausgedehnten Reichtum und damit auch deren Landbesitz in Frage.
Das hatte auch den wirtschaftlichen Niedergang des Doberaner Klosters zur Folge. Das Kloster war zwar nicht arm, aber es fanden sich immer weniger Mönche zum Eintritt ins Kloster bereit. Schließlich wurde das Kloster 1552 säkularisiert, also aufgelöst.
Der mecklenburgische Herzog wurde der Rechtsnachfolger der kirchlichen Ländereien und war von nun an also auch der Besitzer von Hohenfelde. Hohenfelde gehörte damit zum Domanium. Die Bauern des Ortes mussten nun an den Herzog von Mecklenburg die Abgaben entrichten. Interessanterweise brauchte Hohenfelde nicht die Große Bede zu zahlen (Bede = Steuer), eine Art Grundsteuer, die der Herzog sonst von fast allen Dörfern verlangte, und auch nicht die Stolbede, eine Art Haushaltssteuer. Dieses ist wahrscheinlich noch ein Privileg aus der Slawenzeit, das die Bauern von Putekowe dem Grundherren abgetrotzt hatten. Wenn so eine Begünstigung erst einmal Gewohnheitsrecht geworden war, konnte die Steuer auch später nicht mehr abverlangt werden. Im 18./19. Jahrhundert allerdings, als die feudalen Abgaben und Dienste sich zum Glück – überlebt hatten, und in Pachten umgewandelt wurden – davon wird später noch die Rede sein – dürfte dieses Privileg aus der Slawenzeit überflüssig geworden sein.
Weiterhin mussten die Bauern von Hohenfelde im 16. Jahrhundert Hand- und Spanndienste leisten. Dies waren verschiedenste Arbeiten auf den Gutem des Großherzogs, z.B. dem Kammerhof in Bad Doberan. Es musste jeder Bauer Gespanne halten, um Fuhren mit landwirtschaftlichen Produkten für den Herzog zu erledigen. Die Dienste lagen nun drastisch höher als früher. Musste der Bauer früher – im 14. Jahrhundert – nur einen halben Tag pro Woche zu Hofe, waren es jetzt bereits 3-4 Tage in der Woche und zur Erntezeit sogar noch mehr. Der Bauer hatte kaum noch Zeit, seinen eigenen Acker zu bewirtschaften. Trotzdem war die Lage der Bauern im Domanium, also auf dem herzoglichen Besitz, immer noch zum Teil wesentlich besser als auf den Gütern der adligen Ritterschaft. Denn seine Dienste für den Herzog waren vertraglich geregelt, und der Herzog verfolgte eine relativ maßvolle Bauernpolitik.
Die Ritter nutzten oft ihre quasi Alleinherrschaft aus, um völlig willkürlich die Dienste zu erhöhen, die Pausen zu kürzen oder drastische Zwangsmaßnahmen gegen Bauern durchzuführen. Berüchtigt war besonders die Prügelstrafe mit der sogenannten »russischen Knute«, die auf einigen Rittergütern angewendet wurde.
Dagegen erscheint die Behandlung der Bauern durch den Herzog – wie sie aus den Akten ersichtlich ist, vergleichsweise milde. Natürlich muss man verstehen, dass die Ritter manchmal auch aus ökonomischen Zwängen heraus handelten, und viele Adlige ihre Bauern durchaus auch gütig behandelten. Aber auf Besitztümern, wo ein einzelner Ritter naturgemäß nur sich selbst verantwortlich war, kam es eben viel öfter zu Übergriffen auf die Bauern.
Hohenfelde im und nach dem Dreißigjährigen Krieg
Von 1618 bis 1648 dauerte der Dreißigjährige Krieg, der Mecklenburg besonders schwer heimsuchte. Rivalisierende Truppen aus dem In- und Ausland zogen marodierend durch das Land und hinterließen sozusagen verbrannte Erde. Auch in Hohenfelde verringerte sich in dieser Zeit die Zahl der Höfe um etwa ein Drittel.Damit war Hohenfelde noch in einer relativ günstigen Lage. Von anderen Dörfern blieb noch viel weniger übrig. In ganz Mecklenburg soll die Zahl der Einwohner um 80 % (!!) zurückgegangen sein.
Wahrscheinlich war es für Hohenfelde günstig, dass es damals nicht an einer der großen Straßen lag (die Chaussee Doberan – Schwaan gab es damals ja noch nicht). Dörfer an großen Verkehrswegen wurden besonders schwer verwüstet. Bauern aus Hohenfelde mussten, wie alle anderen, regelmäßig Kontributionen (Kriegssteuer, Aufwandszahlungen für die Unterbringung der Heere) zahlen. Infolge des Krieges herrschte auf dem Lande große Not.
Ein Bauer aus Ivendorf klagt 1632, sein Korn und das seiner Nachbarn sei »von den Engländern und Franzosen weggenommen und aufgefressen« worden.Die Felder hatten zum großen Teil nicht bestellt werden können, viele lagen völlig wüst und mussten neu kultiviert werden. Der Landesherr und die Ritter zogen nun herrenlos gewordene Höfe ein und legten sie zu Gutshöfen zusammen. Dies schien unmittelbar nach dem Krieg auch sinnvoll zu sein. Aber später verselbständigte sich das Bauernlegen. Insbesondere die Ritter vergrößerten in den kommenden Jahren auf Kosten der Bauern ihre Ländereien. Der Landesfürst war zu schwach, um die Bauern Mecklenburgs vor dem auernlegen zu schützen Der Dreißigjährige Krieg hatte für die Bauern eine weitere Katastrophe zur Folge, nämlich die Leibeigenschaft.
Um die wenigen verbliebenen Arbeitskräfte an die großen Güter zu binden, wurde 1654 die »Hof- und Gesindeordnung« erlassen, die den Bauern an die Scholle band. »Bei schwerer Leibes- und Lebensstrafe« wurde es den Bauern verboten, ohne Genehmigung des Gutsherren sein Dorf und seinen Hof zu verlassen. Der Bauer war jetzt leibeigen, das heißt, seine ganze Familie gehörte samt Gutsinventar zum Eigentum des Gutsherren. Die Menschen konnten nach Belieben des Gutsherren von ihren Höfen umgesetzt, verpfändet und mitverkauft werden.
Das Landesarchiv Schwerin bewahrt eine Akte aus dem Jahre 1760 auf, in der »Widersetzlichkeit der Hohenfelder Bauern gegen Hand- und Spanndienste« verhandelt wurde. Die Hohenfelder Bauern, die alle namentlich aufgeführt sind, wurden beklagt, bei der Leistung der Frondienste in Althof widerspenstig gewesen zu sein und sich »tätlich widersetzt« zu haben. Doch der Amtsvoigt ließ es dabei bewenden, die Schuldigen eindringlich auf die » Herzogliche Dienst-Ordnung« hinzuweisen. Im Wiederholungsfalle drohte er Strafen an. Der Anführer Hans Runge, so wurde verfügt, sollte jedoch »in den Ganten geschlossen werden«.” Währenddessen ging das Bauernlegen, d.h. die Zusammenlegung bäuerlicher Höfe notfalls durch Vertreibung der Bauern, weiter und erreichte im 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt.
Für die Adligen war das Wirtschaften auf großen Flächen effektiver, sie konnten in der Bodenbearbeitung und vor allem in der Viehzucht auch Erfolge verzeichnen, wie der Historiker Professor Ernst Münch hervorgehoben hat. Für die Bauern allerdings war die Leibeigenschaft eine große Belastung und nahm ihnen im Laufe der Zeit den Antrieb zu freier, eigenverantwortlicher Tätigkeit.
Deshalb suchte der Herzog Christian Ludwig II. bereits um 1750 nach neuen Wegen auch im Interesse seiner Bauern. Durch die sogenannten »Regulierungen«, die um diese Zeit begannen, sollten die Frondienste der Bauern abgelöst und die moderne Schlag- oder Koppelwirtschaft eingeführt werden. Gleichzeitig setzten Herzog Christian Ludwig und später sein Nachfolger Friedrich Franz I. in frei gewordenen Stellen Büdner als Erbpächter an, die damit wieder zu freien Besitzern ihres Hofes wurden. So schreibt der Chronist von Hohenfelde, Wilhelm Radder (1905-1975) über den Ortsteil Neuhohenfelde: »Neuhohenfelde ist eine der Büdnereisiedlungen, die im Zusammenhang mit der Agrarreform Friedrich Franz I. angelegt wurden. Friedrich Franz regierte von 1786-1837. Es ist anzunehmen, dass Neuhohenfelde um 1820 herum aufgebaut worden ist, genaues ist nicht zu ermitteln. Der Vikar Voss schreibt in seinen Aufzeichnungen, dass die ersten Siedler zweifelhafte Elemente gewesen sein sollen. Die Wohnverhältnisse sind früher in Hohenfelde sehr schlecht gewesen. In einem Wohnhaus mit dazugehörigem Katen einer Büdnerei haben bis zu 5 Familien gewohnt. «Weiterhin nennt Chronist Wilhelm Radder alle Besitzer der 8 Büdnereien von Neuhohenfelde, soweit sie ihm bekannt gewesen sind.
Weiterhin schreibt Wilhelm Radder: Die Wasserversorgung war in Hohenfelde sehr schlecht, Brunnen gab es bei den meisten Büdnern nicht, nur die Büdnerei Nr. 3 hatte einen Brunnen. Das ganze Trinkwasser für Neuhohenfelde musste hier hergeholt werden. Als Gegenleistung musste jeder Haushalt pro Jahr einen halben Tag Kartoffeln sammeln. Wasser für das Vieh wurde vom Katzensoll geholt, einem Teich in der Nähe des alten Forsthofes. Im 18. Jahrhundert und zu Beginn des
19. Jahrhunderts wurde Mecklenburg noch von mehreren Feldzügen erschüttert, die für die Bevölkerung des Amtes Doberan zahlreiche Lasten und Opfer mit sich brachten, so der Nordische Krieg (1700-1721) und der Siebenjährige Krieg (1756-63) und schließlich die Napoleonischen Kriege. Mecklenburg war Kriegsschauplatz und Durchzugsgebiet für die verschiedensten europäischen Mächte, die um die Vorherrschaft im Ostseeraum kämpften. Die Bevölkerung soll nach diesen Jahren sehr verarmt gewesen sein. Manche Höfe gerieten in finanzielle Schwierigkeiten. Auch Hohenfelde musste Kriegstribute zahlen und für die Verpflegung der ausländischen Soldatenheere mit aufkommen.
Der Befreiungskampf gegen Napoleon – Die Schlacht bei Retschow
Gegen die Napoleonische Besetzung (1806—1813) erhob sich auch in Mecklenburg 1813 der Widerstand. Herzog Friedrich Franz I. rief am 25. März 1813 zu den Waffen. Viele Freiwillige meldeten sich und reihten sich zum Teil in die deutschen Truppen oder auch in die Lützowschen Freikorps ein. Nach einem Waffenstillstand, der vom 4.-11. August 1813 dauerte, wandten sich die französischen Truppen verstärkt dem Norden zu und besetzten Schwerin. (Bei Gadebusch fiel übrigens am 26. August der Dichter Theodor Körner, der dem Lützowschen Freikorps angehörte). Die Franzosen drangen am 27. August auch in Richtung Schwaan und Rostock vor. In der Ortschaft Konow bei Hastorf kam der Vormarsch zum Stehen. Hier standen sich deutsch/schwedische und französisch/dänische Divisionen gegenüber. Völlig überraschend zogen sich die Franzosen nun in Richtung Ivendorf zurück. Warum die Franzosen umgekehrt sind, darüber waren sich die zeitgenössischen Chronisten nicht einig. Vielleicht war es eine Kriegslist der Franzosen oder die Soldaten Napoleons waren durch die Niederlage ihres Kaisers bei Großbeeren entmutigt man weiß es nicht genau.
Jedenfalls zogen die französischen Soldaten in Richtung Fulgenkoppel ab. Dort sollen sie von einer Abteilung ehemaliger Soldaten des gefallenen Ferdinand von Schill attackiert worden sein (Militärhistoriker bestreiten diese Episode allerdings). Das Scharmützel soll sich – so der Rostocker Chronist und Archivar Ludwig Krause – »bei dem Kreuzwege, wo der von Hansdorf nach Ivendorf führende Weg die Straße durchschneidet«, zugetragen haben. Die Schillschen Soldaten sollen angeblich aber durch heftiges französisches Artillerie-Feuer mit Verlust an Mannschaft und Pferden zum Aufgeben gezwungen worden sein.
Nun zogen die Franzosen weiter in Richtung Retschow ab, »hart verfolgt« von den deutsch/schwedischen Soldaten unter General Vegesack, wie es in der
Quelle heißt. Die Franzosen haben sich dann auf einer Anhöhe zwischen Hohenfelde und Retschow, dem sogenannten Kronenberg (Höhe 68 Meter) festgesetzt. Dort wurden sie schließlich von der deutsch/schwedischen Division besiegt. Dabei wurden drei deutsche Jäger getötet. Ihnen zu Ehren wurde im Ivendorfer Forst ein Schild an einem Baum angebracht, das die Aufschrift trägt: »Im Kampfe für des Vaterlandes Freiheit fielen hier am 28. August 1813 drei brave mecklenburgische Jäger Baerens, Huth, Tackelt«. Die Tafel wurde später umgesetzt und befindet sich heute auf dem Dorfplatz von Retschow. Aber auch die anderen an dem Gefecht bei Retschow beteiligten Nationen hatten Menschenleben zu beklagen.
Auf einer Anhöhe am Forsthof sollen 7 schwedische Soldaten begraben sein. Ein Franzose ist auf dem Friedhof von Retschow begraben. Der Chronist schreibt: »Die Franzosen nahmen ihre übrigen Toten und Verwundeten mit, darunter einen General, der am Krohnsberg fiel. An der Stelle, wo das Ivendorfer Jagdhaus stand, sind noch später viele Waffen und Kanonenkugeln gefunden worden, von denen einige im Doberaner Heimatmuseum aufbewahrt sind. Die Befreiungskriege endeten bekanntlich mit dem Sieg der Verbündeten gegen Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig am 17.10.1813. Dem »Sieger von Leipzig«, Marschall Blücher wurde in Mecklenburg ein triumphaler Empfang bereitet.
Hohenfelde im 19. Jahrhundert
Nach Beendigung der Befreiungskriege setzte Friedrich Franz I. 1820 die offizielle Abschaffung der Leibeigenschaft gegen den Widerstand der Ritter durch. Ab 1850 begann im Domanium, also auch in Hohenfelde, die systematische Vererbpachtung der Höfe, das heißt die Bauern wurden damit freie Unternehmer auf ihrem Hof und konnten diesen auch verkaufen oder vererben. Allerdings musste trotzdem bei Verkäufen der Großherzog zustimmen, denn er blieb nach wie vor der Obereigentümer. Aber der Bauer konnte nun für seinen eigenen Gewinn arbeiten und war damit viel mehr zur Arbeit motiviert als zur Zeit der Leibeigenschaft.
Hinzu kam, dass mit der Gründung der Mecklenburgischen Landwirtschaftlichen Fakultät und dem Wirken von Agrarwissenschaftlern wie Heinrich von Thünen (1783-1850) und Hans von Schlitz (1763-1831) naturwissenschaftliche Erkenntnisse in der Bodenbearbeitung Einzug hielten. Die Wirkungen von Kali-Dünger und anderen mineralischen Düngemitteln wurden erkannt und neue leistungsfähige Pflanzensorten entwickelt. Auch in der Viehzucht wurden Fortschritte gemacht. Die bereits im Jahrhundert davor begonnene Einführung der holsteinischen Koppelwirtschaft war für den Boden besser als die mittelalterliche Dreifelderwirtschaft. Dies alles trug dazu bei, dass die Erträge ab 1850 verdreifacht (!) wurden.
Das Torfmoor
Hohenfelde wurde 1815, nach den Befreiungskriegen zusätzlich mit der Torfgewinnung begonnen (für Heizzwecke), und zwar auf den Ländereien des Büdners Adolf Jürss. Der Ortschronist Wilhelm Radder schreibt dazu: »Durch die jahrzehntelange Entnahme des Torfes entstand das Große Torfmoor, das heute cirka 5 ha umfasst. Das auftretende Grundwasser wurde mit einer sogenannten Hebepumpe in den großen Graben abgepumpt. 1873 konnte man des Grundwassers nicht mehr Herr werden, und das Moor überschwemmte von nun an das gesamte Terrain. Nun konnte nur noch einige Jahre am Rande Torf gewonnen werden. Im Jahre 1886 wurde noch Torf verkauft, laut Zeitungsinserat kostete 1 Ballen Torf damals 1 Mark und 27 Schillinge. Das heutige Wohnhaus des Büdners Jürss am Torfmoor wurde 1829 erbaut, und wurde zuerst vom Revierförster der Ivendorfer Forst bewohnt. Der Wald ging damals bis an das Torfmoor heran.
Das Ackerstück südlich des Torfmoores (reichte) bis nach Neu Hohenfelde heran und wird heute noch die Heide genannt. Hier war im 19. Jahrhundert nur Busch und Heide. 1908 wurde dieses Land von den Neu-Hohenfelder Bauern urbar gemacht und gepachtet, 1 Rute kostete 22 Schilling Pacht. Dieses Land gehörte zur Hufe Nr. 15. Im 19. Jahrhundert konnte das Amt Doberan und damit sicher auch Hohenfelde wieder einmal von der Nähe zur Küste profitieren. Mit der Gründung des ersten deutschen Seebades 1793 in Heiligendamm durch Friedrich Franz I. und dem Zustrom von Badegästen war natürlich auch ein guter Absatzmarkt für landwirtschaftliche Produkte gegeben. Die Wirtschaft blühte also im 19-Jahrhun-dert auf, wenn es auch trotzdem entwicklungsbedingte Probleme gab. Mit der Abschaffung der Leibeigenschaft entfiel natürlich auch die Sorgfaltspflicht des Landesherren und die Obhut für seine »Untertanen«. Alte patriarchalische Bindungen zerfielen und der Bauer war auf sich allein gestellt. Von diesen Problemen zeugt u.a. der Roman »Kein Hüsung« von Fritz Reuter. Die günstige Entwicklung der Landwirtschaft kann aber trotzdem nicht übersehen werden.
Mit Recht wird in der Dissertationsschrift von Hans Bamewitz » Das Amt Doberan« von 1926 vermerkt, dass Doberan wohl zu den reichsten und blühendsten mecklenburgischen Dominialämtem gehörte.Auch für die Bauern von Hohenfelde war Doberan das kulturelle und gesellschaftliche Zentrum. Zeitgenössische Darstellungen zeigen die Alltagsfreuden der Bevölkerung. Tanz, Kamp-Illumination, Pfingstmarkt, Pferderennen usw. Im 19. Jahrhundert wurde die Fotografie erfunden.
Dadurch haben wir nun auch zum ersten Mal Abbilder der Einwohner und ihres täglichen Lebens. Im folgenden wollen wir mit Hilfe einer Aufstellung von Wilhelm Radder, die wir aktualisiert haben, wichtige Höfe Hohenfeldes nachzeichnen und mit zeitgenössischen Aufnahmen, die uns die Bewohner des Dorfes zur Verfügung gestellt haben, veranschaulichen.
Hufe I
Von Doberan kommend das erste Gehöft links der Chaussee. Besitzer ist seit langem Familie Jürss.
Hufe II
Von Doberan her das erste Gehöft rechts der Chaussee, lag früher neben der Stelle XIV. Besitz war lange Zeit Ziegeleischeune Familie Hamann. Jetzt besitzt es Familie Splettstößer.
Hufe III
Jetzt von Doberan her das zweite Gehöft an der Chaussee links (früher innerhalb des Dorfringes gelegen und zwar am Dorfeingang). Besitzer seit langem Familie Riebe.
Hufe IV
Jetzt von Doberan her das zweite Gehöft rechts an der Chaussee, neu aufgebaut von Andreas Westendorf mit der Ziegelei und der Scheune. Der Hof mit dem Pferdestall und der Scheune lag vorher im Dorfeingang zwischen II und III. Die Ziegelei ist abgerissen, die Viehställe wurden von der LPG umgebaut, ein Erweiterungsbau entstand als Kindergarten und Gemeindebüro. Die Scheune wurde von Westendorf zur Lagerung von Feldfrüchten genutzt und steht noch heute. Sie wurde gerade erst renoviert und wird zum Gemeindezentrum ausgebaut.
Hufe V
Jetzt von Doberan her das dritte Gehöft an der Chaussee links, lag früher zwischen den Hofstellen Nr. VI und VII. Besitzer war lange Zeit die Familie Schönfeldt. An der jetzigen Stelle erbaut 1826. Scheune und Viehhaus sind noch so vorhanden wie sie erbaut wurden, das Wohnhaus hatte früher Rohr- und Strohdach. Im Wohnhaus lebt heute Familie Nöske/Rath. Die restaurierte Scheune ist Sitz der Firmen Schimming und Golombek.
Hufe VI
Dieses schöne reetgedeckte Bauemhaus war früher eine Pentzin-Stelle, vom letzten erbenlosen Glied der Familie an ein Mitglied der Familie Kruth vom Hof XIV verkauft. Heute ist der Besitzer Benno Kruth. Er lebt dort mit seiner Frau Inge Kruth, die Inhaberin des Friseurgeschäftes in Hohenfelde ist, mit seinen Kindern und deren Familien.
Hufe VII
Das Wohnhaus steht heute nicht mehr. Es ist 1943 durch Blitzschlag abgebrannt. Durch Heirat ging die Hufe einst von der Familie Schlutow in den Besitz der Familie Behns. Zuletzt wohnte dort Familie Schröder.
Hufe VIII
Liegt an alter Stelle, durch Heirat aus der Familie Oemig in den Besitz der Familie Ross übergegangen, den Oemigs gehörte auch die Schmiede im Dorf. Heute gehört das Grundstück der Familie Katzorreck.
Hufe IX
Wohnhaus von Gisela und Hans Katzorreck, früher Gaststätte mit Schmiede. Liegt an alter Stelle, ursprünglich eine Stelle der Familie Mahn, dann oftmaliger Besitzwechsel, zweimal ein Prüter, dann Schmidt, zuletzt Ehlers. Das Haus steht noch, ist aber völlig umgebaut. Um das Haus herum sind neue Eigenheime entstanden. Das Haus von Ehlers erwarb Horst Bluhm.
HufeX
Liegt an alter Stelle. Ursprünglich gehörte das Haus der Familie Schaaren, dann war längere Zeit Familie Reincke der Eigentümer, später mehrmals Besitzerwechsel, dann schließlich im Besitz der Familie Langhoff.
Hufe XV
Liegt an alter Stelle, früher im Besitz der Familie Oemig, durch Verschwägerung in den Besitz der Familie Jürss von Hufe I gekommen. Das Wohnhaus ist im Jahre 1800 erbaut und laut Hofbrief vom 13. September 1862 mit 675 Taler versichert gewesen..
Hufe XVI
Liegt an ursprünglicher Stelle, gehörte seit alters her der Familie Hamann. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel (Lau, Loheit, Langschwager) von den Erbtöchtern Langschwager an den Pächter Ross aus Lambrechtshagen verkauft, der die Stelle parzellierte (aufteilte). Die Reststelle kaufte Familie Reincke von Hufe X als Büdnerei. Später zog hier Familie Hexel ein.
Auch die Gehöfte von Neu-Hohenfelde, das, wie Radder schrieb, erst nach 1815 entstanden ist, führt er auf:
Büdnerei Nr. 1
Erbauer unbekannt, dann Schoof, Rust,1960 durch Blitzschlag abgebrannt, dann wiederaufgebaut. Jetzt im Besitz der Familie Volp.
Büdnerei Nr. 2
Erbauer ross, dann Garbe, Frahm, jetzt Hakendahl, Sitz Malerbetrieb Dally
Büdnerei Nr. 3
Aufgebaut von Bülow, dann Jahn, Trost, Hamann, jetzt Weeber
Büdnerei Nr.4
Aufgebaut von Wittenburg (?), danach Reincke, jetzt Familie Neumann.
Büdnerei Nr.5
Erbauer unbekannt, dann Radder, Hameister, Rand, Rachow, zuletzt Schlutow. Die Gebäude sind vor einigen Jahren abgebrochen.
Büdnerei Nr.6
Erbauer unbekannt, dann Ohde, Rust, später Kruth, jetzt Schulz.
Büdnerei Nr.7
Erbauer unbekannt, dann Peters, dann Sass. 1932 abgebrannt, (noch im selben Jahr wieder aufgebaut – d.R.). Jetzt ist es im Besitz des Sohnes. Einen Teil des Hauses hat er verpachtet an den Bildhauer und Journalisten Günter Brock.
Büdnerei Nr. 8
Erbauer unbekannt, dann Schaaren, Schumacher, Siems, Schuldt, jetzt Schaaren.
Der Hohenfelder Wilhelm Radder gibt uns darüber hinaus auch einen guten Einblick die Situation des Ortes, so wie er sie selbst erlebt hat und was er aus Erzählungen anderer über die Vergangenheit des Ortes erfahren hat. So beschreibt er die wichtigsten Institutionen, Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten von Hohenfelde. Diese wollen wir hier zitieren und mit den neuesten Daten ergänzen, denn sie geben eine gute Beschreibung vom dörflichen Leben, insbesondere wie es sich aus der Sicht des 20. Jahrhunderts dargestellt hat.
Die Schule
Die Schule liegt außerhalb des Dorfringes. Zur Zeit des Lehrers Lembke war die Schulscheune das Schulhaus, die Scheune wurde erst vor wenigen Jahren abgerissen.
Das jetzige Schulhaus wurde 1881 erbaut. Von 1888-1929 war die Schule Küsterschule der Althöfer Gemeinde. Lange Zeit war nämlich der Unterricht der Schulkinder auf den Dörfern durch die Geistlichkeit wahrgenommen worden (d.R.) Zur Schulgemeinde gehörten damals Hohenfelde, Neuhohenfelde, Ivendorf und Althof.
Das fertige Schulhaus kostete lt. Abschlussprotokoll vom 15. November 1884 M 12.375, 65. Nach Aufzeichnungen in einem alten Kassenbuch hat der erste Lehrer Zinck geheißen, er war bis 1843 in Hohenfelde Lehrer. Die Zahl der Schüler hat mit den Jahren immer mehr abgenommen. Die höchste Schülerzahl war 1850 zu verzeichnen, es waren 138 Schüler, davon in Hohenfelde 69, in Neuhohenfelde 29, in Ivendorf 17 und in Althof 23. Dann nahm die Schülerzahl immer mehr ab. 1887 waren nur noch 76 Schüler insgesamt. Diese Anzahl hielt sich bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts.
Mit elektrischem Licht wurde die Schule 1922 ausgestattet. Bis 1945 wurden in der Dorfschule 8 Klassen gemeinsam unterrichtet. Schüler jeden Alters saßen in jeweils einer Klasse. Es gab zwei Schulräume. Nach 1945 wurde dann geteilt in zwei Klassen (Unterstufe und Oberstufe). Ab 1950 gingen in Hohenfelde nur noch Schüler bis zur 6. bzw. 4. Klasse zur Schule. Die älteren Schüler besuchten bereits die Schulen in Bad Doberan. Ab 1969 fand der Unterricht nur noch in Bad Doberan statt. Das Schulgebäude wurde zu Wohnzwecken umgebaut.
Die Stellmacherei
Die Hausiere! Nr. l lag früher cirka 50 m näher am Dorf heran, dort wohnte der Häusler Schaaren. Derselbe baute 1883 die Häuslerei an der Chaussee.
Schaaren verkaufte später die Häuslerei an den Schäfer Stade, der eine Stellmacherei einrichtete und alles seinem Sohn Christian Stade zur Verfügung stellte.
1903 pachtete der Stellmachermeister Hermann Beyer das Grundstück. Die früher kleine Werkstatt wurde von den Beyers immer mehr ausgebaut, nachdem sie das Grundstück gekauft hatten. 1930 wurde auch eine Sägerei mit Gatter dazugebaut, hierauf wurde auch nach 1945 das ganze Bauholz für die Siedler geschnitten.
1960 wurde dann von Werner Beyer (Sohn von Hermann Beyer, der den Betrieb 1948 von seinem Vater übernommen hatte – d.Red.) und noch drei weiteren Handwerksmeistern der Umgegend die PGH Karosseriebau gegründet, es wurde eine große Werkhalle gebaut.
Zu der Zeit, als W. Radder die Chronik schrieb, also etwa 1970, waren in diesem Karosserie-Betrieb 20 Personen beschäftigt. Heute stehen der Betrieb und die Halle nicht mehr. Jedoch existiert noch ein Zweigbetrieb der ehemaligen PGH in Parkentin, der vom Bruder Hermann Beyers gegründet worden war.
Die Schmiede
Es ist nicht festzustellen, wann die Schmiede im Dorf gebaut wurde, da sie aber innerhalb des Dorfringes liegt, ist anzunehmen, dass sie schon seit langem im Dorf vorhanden war. Das Schmiedegrund besteht aus einer kleinen Büdnerei, der Schmiede und einer Gastwirtschaft. Als Haupterwerb galt die Schmiede.
Von Frau Riebe erfuhr ich, dass ganz früher ein Schmied Völker die Schmiede gehabt hat, dann ging sie in den Besitz der Oemigs von Hufe 8 über.
Durch Einheirat des Schmidt Ross aus Reddelich übernahm derselbe dann die Schmiede und verkaufte sie 1915 an Wascher (nicht 1910, wie Wilhelm Radder schreibt – d. Red.)
Die Waschers haben die Schmiede bis heute in Besitz. Nachdem das neue Kulturhaus gebaut war, gab Wascher 1959 die Gastwirtschaft auf.
1960 traten die Waschers in die LPG ein und somit wurde die Schmiede dann nur noch sehr wenig benutzt, da auch Pferde nach und nach durch Traktoren ersetzt wurden.
Der Räucherkaten
Zur Hufe Nr., 7 gehörig lag hinter dem Dorfteich, am Schulweg, der Räucherkaten. Hier wurde Fleisch und Wurst für das ganze Dorf geräuchert.
Das Räuchern kostete pro Schwein l Taler. Der Räucherkaten hatte keinen Schornstein. In der Küche wurde auf einem offenen Herd geheizt.
Der Rauch wurde durch einen Rauchfang auf den Boden geleitet und verteilte sich oben unter dem Dach, wo das Räuchergut frei aufgehängt war.
In dem Katen wohnte lange Zeit Peter Hameister. Er machte lange Zeit auch die Hausschlachtungen im Dorf, wobei er es immer einzurichten verstand, dass er auch für sich ein Stück Fleisch abschnitt, das er dann unter seiner Jacke verschwinden ließ. Die Bauern wussten das, sie ärgerten sich zwar darüber, sagten aber nichts .Sie grübelten aber auf Rache und sie fanden einen Weg. Sie wussten, dass Peter für sein Leben gern Karten spielte, und so luden sie ihn nach dem Schlachten zu einem Spielchen ein, dann richteten sie es so ein, dass Peter möglichst nahe am Ofen zu sitzen kam, vorher hatten sie das Ofenloch noch einmal richtig voll Buchenholz gesteckt. Und nun wurde gespielt, absichtlich ließen sie Peter gewinnen, denn sie wussten, wenn Peter am gewinnen war, ging er nicht nach Haus. Wie sie nun cirka eine Stunde gespielt hatten, war inzwischen der Ofen auf Hochglut gekommen, und Peter musste schwitzen, mitsamt dem fetten Fleisch unter seiner Jacke, bis er es nicht mehr aushielt und davonrannte. Die Bauern grinsten dann hinter ihm her.
Die Chaussee
Die Chaussee von Doberan nach Schwaan, die durch Hohenfelde und Ivendorf führt, wurde 1882 erbaut, vorher war nur ein Landweg vorhanden, der wegen seines schlechten Zustandes vor allem in den Herbst- und Wintermonaten in der ganzen Gegend bekannt war. Der erste Straßenwärter war der in Hohenfelde wohnende Häusler Johannsen, er war lange Jahre als Straßenwärter tätig, ich selber (Wilhelm Radder – d.R.) kann mich ganz gut erinnern, wie er uns Jungs immer an den Kirschbäumen vertrieb, die an der Chaussee standen, er redete zwar nicht viel, aber sein bloßes Erscheinen jagte uns schon einen Schrecken ein.
Er war ein großer stattlicher Mann mit einem Backenbart und trug eine prächtige Uniform.
W. Radder und seine Tochter Lucie Weeber, die nach dem Tode Wilhelm Radders im Jahre 1975 die Chronik weiterführte, überliefern auch die Namen aller Dorfschulzen und Bürgermeister von Hohenfelde seit 1813
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1813-1830 |
Westendorf |
Hufe 4 |
1950-1951 |
H. Eichhorn |
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1830-1846 |
unbekannt |
1951-? |
Käthe Hagen |
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1847-1855 |
Schlutow |
Nr. 15 |
1952-? |
Paul Kuhl |
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1856-1879 |
Johann Kruth |
Nr. 14 |
1953-1954 |
Ewald Maahs |
|
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1880-1885 |
Schönfeld |
Nr. 5 |
1954-1955 |
Günther Spiller |
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1886-1887 |
Pannwitt |
Nr. 13 |
1955-1963 |
Hugo Hildebrand |
|
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1888-1894 |
Prüter |
Nr. 9 |
1963-1974 |
Franz Zielinski |
|
|
1895-1911 |
Reincke |
Nr. 10 |
1974-1979 |
Kurt Kruse |
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1912-1923 |
H. Schmidt |
Nr. 9 |
1979-1990 |
Herbert Preuß |
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1924-1931 |
M. Schönfeldt |
Nr. 5 |
1990-1994 |
Sabine Neumann |
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1932-1945 |
H. Ross |
Nr. 8 |
1994-1999 |
Franz Jatsch |
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1945-1948 |
W. Langhoff |
Nr. 10 |
seit 1999 |
Karlheinz Siewert |
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1948-1950 |
Fr. Reincke |
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Trotz der relativ guten Wirtschaftslage im Domanium oder vielleicht gerade deswegen nutzten in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Mecklenburger die Möglichkeit, nach Amerika auszuwandern. Die verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen ließen nämlich die Bevölkerungszahlen ansteigen.
Andererseits gerieten manche Landarbeiter in Not, weil nach Man darf nicht vergessen, dass nicht jeder Bauer die Möglichkeit hatte, einen eigenen Hof zu bekommen, auch wenn die herzogliche Regierung sich bemühte, Land zur Aufsiedelung bereitzustellen. In der Zeit zwischen 1850 und 1900 entstanden zum Beispiel auch der Ortsteil Hohenfelde-Ausbau und das Gehöft des Bauern Rieck (später im Besitz der Familie Kruth) in Neu-Hohenfelde. Die neuen Büdnereien bekamen die Bauern aber nicht geschenkt, sie mussten eine Ablösesumme bezahlen, die nicht jeder aufbringen konnte. Auch hatten die Familien meist mehrere Kinder, von denen nicht jeder Hofbesitzer werden konnte.
Deswegen zog es viele Mecklenburger in die Neue Welt, nach Amerika, weil sie hofften, dort bessere Lebensmöglichkeiten zu finden.
Aus Hohenfelde gingen in den Jahren 1856 und 57 über 40 Bauern in die Vereinigten Staaten. Sie machten die Schiffspassage nach New York meist sogar gemeinsam aber nach der Ankunft zerstreuten sich ihre Wege. Aus Ivendorf wanderte 1867 Christiane Starck mit ihrer Familie aus. Sie und ihr Mann Joachim Schuever aus Glashagen erhielten keine Hochzeitserlaubnis, obwohl sie schon zwei Kinder hatten. Sie reisten nach New York. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.
Ein Bruder des Bauern Karl Westendorf ging später in den dreißiger Jahren nach Kanada, weil er im politischen Klima des nationalsozialistischen Staates nicht leben wollte. Die Familie von Karl Westendorf hatte über Jahrzehnte den Kontakt mit ihm gehalten, bis er um 1995 starb.
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Radder |
Joachim |
29,0 |
m Hohenfelde |
Schneider |
led |
New York |
1857 |
|
Radder |
Johann |
22,0 |
m Hohenfelde |
Knecht |
led |
New York |
1857 |
|
Mirialzeck |
Ludwig |
33,0 |
m Hohenfelde |
Tagelöhner |
verh 3 |
New York |
1862 |
|
Mirialzeck |
Sophie |
36,0 |
w Hohenfelde |
verh |
New York |
1862 |
|
|
Mirialzeck |
Fritz |
11,0 |
m Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Mirialzeck |
Christian |
8,0 |
m Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Mirialzeck |
Heinrich |
6,0 |
m Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Kruth |
Carl |
35,0 |
m Hohenfelde |
Arbeitsmann |
verh 3 |
New York |
1862 |
|
Kruth |
Henriette |
35,0 |
w Hohenfelde |
verh |
New York |
1862 |
|
|
Kruth |
Marie |
7,0 |
w Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Kruth |
Sophie |
4,0 |
w Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Kruth |
Anna |
1,0 |
w Hohenfelde |
Kind |
New York |
1862 |
|
|
Bruhn |
Peter |
m Hohenfelde |
Arbeitsmann |
New York |
1854 |
||
|
Bruhn |
Peter |
24,0 |
m Hohenfelde |
Sohn |
New York |
1854 |
|
|
Wittenburg |
Heinr. |
m Neu Hohenfelde |
Tischler |
verh |
New York |
1854 |
|
|
Wittenburg |
w Neu Hohenfelde |
verh |
New York |
1854 |
|||
|
Frahm |
Helene |
w Neu Hohenfelde |
led |
New York |
1854 |
||
|
WIedow |
Joch. |
m Neu Hohenfelde |
led |
New York |
1854 |
||
|
Frahm |
Sophie |
w Neu Hohenfelde |
led |
New York |
1854 |
||
|
Oeming |
Joch. |
m Neu Hohenfelde |
Arbeitsmann |
verh 1 |
New York |
1854 |
|
|
Oeming |
w Neu Hohenfelde |
verh |
New York |
1854 |
|||
|
Oemihg |
Heinrich |
2,0 |
m Neu Hohenfelde |
Kind |
New York |
1854 |
|
|
Schaareh |
Joachim |
25,0 |
m Hohenfelde |
Knecht |
led |
New York |
1865 |
Liste von Bauern aus Hohenfelde, die nach Amerika auswanderten (Quelle: l.M.A.R. Rostock)
Mit dem Ende der Leibeigenschaft kam es, dass einige Ritter ihre Tagelöhner aus dem Gut hinauswarfen und diese dann ohne Arbeit und Wohnung dastanden. Nachdem die Bindung an die Scholle durch die Abschaffung der Leibeigenschaft nicht mehr bestand, erließ der Landesherr eine Verordnung zur Erlaubnis der Ausreise in andere Staaten.
Trachten und Mode in Hohenfelde
In Hohenfelde – so ist es überliefert – trug man Jahrhunderte lang die sogenannte Biestower Tracht (siehe Abbildung). Sie soll sehr beliebt gewesen sein.
Die Frauen trugen mehrere Röcke übereinander, der oberste Rock soll allerdings aus rotem Futterstoff gewesen sein. Durch eine Wulst am Mieder waren die Röcke zusätzlich ein wenig aufgebauscht. Gern wurde ein Strohhut getragen. Er wurde »Schüffeihot« genannt, weil er in seiner Form einer Schaufel ähnelte.
Der Strohhut wurde manchmal durch eine schwarze Kappe mit weißem Rand ersetzt. Im 19. Jahrhundert wurde die Tracht dann aber stärker von der europäischen Mode beeinflusst, was man an der späteren Festkleidung kann. Außerdem kamen Baumwollstoffe in Mode und verdrängten das schwere Leinen. Geblieben sind nur noch der rote Rock, die schwarze Kappe und die Stickereien. Die Röcke waren nicht mehr aufgebauscht. Oft trugen die Tänzerinnen den sogenannten Kantenrock, das heißt, einen weiten Rock, in der Taille gefältelt und im unteren Drittel mit einer Borte oder einem farbig eingewebten Streifen versehen.
Die im Foto festgehaltene Tracht wurde von Frau Susanne Buschmann aus Steffenshagen im Jahre 2002 nach alten Vorlagen genäht. Diese stammen aus den 1920er Jahren. Eine Besonderheit war die sogenannte »Flandrische Haube«, wie sie in Hohenfelde genannt wurde. Der Hut wurde zur Erntezeit getragen, wie Frau Katzorreck und auch andere Hohenfelder bestätigen. Er war in ganz Mecklenburg verbreitet und trug die unterschiedlichsten Bezeichnungen, Flunkerhut, Fladderhut, Schiadderhut, Florentiner, um nur einige zu nennen. Er sollte gegen die Sonne und den Staub schützen, war aber sicher auch als modisches Zubehör geschätzt. Die Form erinnert ein bisschen an eine Biedermeier-Schute und so erklärt sich sicher seine überaus große Beliebtheit Zur Erntezeit trug man, wenn man zur Feldarbeit ging, Hemden und Kleider aus Leinen. Das Leinen stellte man aus Flachs selbst her. Im Denkmalhof Retschow, im Nachbarort, kann man die Technik dazu betrachten, Maschinen zum Flachsbrechen, zum Kämmen, sowie Gesponnenes usw. Auch die fertige Kleidung ist zu sehen. Am Anfang soll der Stoff etwas gekratzt haben, er wurde aber mit jedem Waschen angenehmer und übrigens auch weißer. Die Form der Hemden war schlicht und praktisch, der Zuschnitt wird gerade heute wieder als ziemlich hübsch und kleidsam empfunden.
20. Jahrhundert
Das zwanzigste Jahrhundert soll mit einer Blütezeit der Landwirtschaft begonnen haben, zumindest für den bäuerlichen Mittelstand. Wie schon vermerkt, waren die Erträge ab 1850 beträchtlich gestiegen, es konnte an Getreide das 9fache der Aussaat geerntet werden. Viele Bauern konnten ihren Hof durch Stallungen und Maschinen erweitern. Auch um 1900 wurde das Siedlungswerk der Regierung weitergeführt. So entstand zum Beispiel um 1905 das Radder’sche Gehöft in Ivendorf.
Die Einwohnerzahl in Hohenfelde stieg von 246 im Jahre 1850 auf 348 im Jahre 1901. Doch 1914 wurde die Entwicklung durch den ersten Weltkrieg unterbrochen. Darüber und über andere einschneidende Ereignisse im 20. Jahrhundert berichtet im folgenden wieder Ortschronist Wilhelm Radder.
Der l. Weltkrieg 1914-18
Im l. Weltkrieg mussten aus Hohenfelde 22 junge Menschen ihr Leben lassen, aus Neuhohenfelde waren es 6. Russische Kriegsgefangene waren bei den Bauern verteilt und mussten die landwirtschaftlichen Arbeiten machen. Lebensmittelkarten wurden eingeführt, und je länger der Krieg dauerte, umso kleiner wurden die Rationen, die es darauf gab.
Zu den Bauern, die auf den Schlachtfeldern des Krieges als Soldaten fielen, gehörte auch Heinrich Westendorf. Auf dem Foto ist er mit seiner Frau zu sehen. Beide hatten zwei Kinder. Als am 9.11. 1918 der Krieg durch den Sturz der Monarchie beendet wurde, da wurde auch einiges in den Verhältnissen der Landarbeiter geändert. Bis dahin waren die Knechte und Mägde jährlich l mal entlohnt worden, nun musste ein monatlicher Lohn gezahlt werden. Eine gesetzliche Kündigungszeit von 14 Tagen wurde eingeführt. Der Landarbeiter organisierte sich mehr und mehr. Aber die Löhne blieben immer noch sehr niedrig. Ein Pferdeknecht erhielt zum Beispielim Winter 30 Mark im Monat und im Sommer 40 Mark, dazu freie Kost und Unterkunft, dafür war sein Arbeitstag sehr lang. Er dauerte von morgens halb fünf Uhr bis abends halb sechs Uhr.
Die Inflation
Anfang der 20er Jahre begann die Geldentwertung. Die wirkte sich am schlimmsten für den Arbeiter aus. Wenn er seinen Lohn bekam, waren die Preise schon wieder derartig angestiegen, dass er nicht mal ein Brot dafür bekam. Welche astronomischen Summen hierbei auftraten, lässt sich am besten ersehen aus dem Gemeindebuch lt. Protokoll vom 21.1.1924. Hierin ist die Jahresabrechnung des Jahres 1923 aufgeführt und zwar
An Einnahmen 149.033.161.353.184, 62 Mark
An Ausgaben 137.003.601.174.152, 83 Mark
Im November 1923 brach dieser Papierberg, genannt Geld, dann jäh zusammen und es hieß plötzlich l Billion ist gleich l Rentenmark. Mit dem Ende der Inflation begann die Arbeitslosenzeit. Die beiden Hohenfelder Ziegeleien stellten die Produktion ein, ebenfalls die Ziegeleien in Althof und Stülow. Viele Hohenfelder Arbeiter hatten hier gearbeitet und wurden jetzt arbeitslos. Im Winter gab es überhaupt keine Arbeitsmöglichkeit, im Sommer nur Gelegenheitsarbeit. In Hohenfelde waren zeitweise bis zu
20 Arbeitslose. Die Arbeitslosenunterstützung betrug wöchentlich von 12 Mark bis 20 Mark je nach dem vorherigen dienst, das war natürlich zu wenig zum Leben und somit geriet der Arbeiter immer mehr in finanzielle Schwierigkeiten. Auch viele Bauern verschuldeten damals, die landwirtschaftlichen Produkte waren billig und die Steuern hoch. Der Arbeiter konnte sich kein Fleisch kaufen. Das ging so fort bis 1932.
Hohenfelde in den 30er Jahren
Im Frühjahr 1933 fingen die Ziegeleien wieder an zu produzieren, auch in der Forst wurden mehr Arbeiter eingestellt, aber die Löhne waren sehr niedrig.
Ich (Wilhelm Radder – d.R.) habe damals in der Ziegelei Althof wöchentlich zirka 30 Mark verdient. Im Winter habe ich als Forstarbeiter gearbeitet und verdiente im ganzen Monat 70 bis 80 Mark. Wilhelm Radder sieht die Entwicklung vor allem aus der Sicht der Ziegelei- und Forstarbeiter. Von Seiten der Bauern gibt es jedoch auch andere Aussagen über die Lebenslage der Menschen in Hohenfelde und Ivendorf. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Nationalsozialisten entsprechend ihrer »Blut- und Boden-Ideologie besonders den bäuerlichen Mittelstand förderten.
Bauer Günter Pentzin, Leiter des Denkmalhofes Retschow erzählte, dass in der Zeit von 1933 bis 1939 viele Bauern sich zu erträglichen Bedingungen Maschinen kaufen konnten, und dass ihnen die landwirtschaftlichen Produkte zu festen Preisen abgekauft wurden. Ähnliches berichten auch Christa und Herbert Jürss. Wer als bäuerlicher Betrieb die Weltwirtschaftskrise überstanden hatte, konnte durchaus zu einem gewissen Wohlstand kommen. Um für einen Krieg gerüstet zu sein, zielte die Politik der NS-Regierung darauf ab, Deutschland unabhängig von Lebensmittelimporten zu machen. Das garantierte den Bauern den Absatz ihrer Erzeugnisse. Während der Herrschaft der Nationalsozialisten wurde auch in Hohenfelde eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet, sie hatte 12 Mitglieder.
Der zweite Weltkrieg
Als 1939 der zweite Weltkrieg ausbrach, wurden wieder viele Hohenfelder, besonders junge Männer, zum Kriegsdienst einberufen. So erging es auch Erich Westendorf aus Hohenfelde. Er fiel im Winter 1945 als Soldat in Ostpreußen. Kurz vorher schrieb er nach Hause:
»Wir sind seit zehn Tagen in schweren Kämpfen mit den Russen. Gestern morgen um 7.00 Uhr habe ich auch zwei kleine Splitter abgekriegt. Durch den einen habe ich eine kleine Risswunde am rechten Augenlid, durch den anderen eine kleine Risswunde an der linken Kopfseite bekommen. Diejenigen, die schwerer verwundet sind, kommen von hier aus dem Lazarett in Braunsberg mit dem Schiff ins Reich. So gebe ich diesen Brief einem Kameraden mit, so dass ich hoffe, dass ihr bald Nachricht von mir erhaltet. Sonst geht es mir noch ganz gut, zwar sind wir hier in Ostpreußen in einer schlimmen Lage, aber das Schicksal, das uns der Vater im Himmel bestimmt hat, werden wir ertragen. Ich bete für Euch, betet ihr für mich. Ich möchte ja gerne meinen kleinen Jungen oder Mädel zu Gesicht bekommen. In kurzer Zeit wird es soweit sein, dass er das Licht der Welt erblickt. Wir wollen alle das beste hoffen, wir wollen das, was uns trifft, ertragen, ich wünsche Euch gute Gesundheit und alles Gute. Lebt wohl, auf Wiedersehen! Viele herzliche Grüße von Eurem Erich.«
Doch Erich Westendorf sollte seine Familie nicht wiedersehen und auch sein Kind nicht in die Arme schließen dürfen. Die genaue Zahl der Kriegsopfer in Hohenfelde ist nur noch schwer zu ermitteln. Unsere Nachforschungen ergaben, dass es mindestens 10 Tote und Kriegsversehrte zu beklagen gab. Während des Krieges waren in Hohenfelde und Ivendorf wieder polnische Kriegsgefangene und später auch russische Zwangsarbeiterinnen eingesetzt, die aus ihrer Heimat verschleppt worden waren.
Manche ausländische Arbeiter waren aber durch die Hofbesitzer in Hohenfelde wie zur Familie zugehörig behandelt worden. Der Vater von Albert Becker aus Ivendorf z.B. versorgte die polnischen und russischen Fremdarbeiter auf seinem Hof. Er hielt zu einem Polen weiter Kontakt, als dieser nach Rostock in die Neptunwerft gebracht wurde und brachte Lebensmittel dorthin. Die ehemaligen Zwangsarbeiter beschützten den Bauern und seine Familie wiederum nach 1945 vor den Übergriffen der Besatzungsmacht, wie Albert und Erika Becker aus Ivendorf zu berichten wissen.
Von Bombenangriffen blieb Hohenfelde weitgehend verschont. Es fielen einige Sprengbomben im Ivendorfer Forst und auf dem Acker in Hohenfelde-Ausbau, diese richteten aber keinen Schaden an. Aber die schweren Bombenangriffe auf Rostock zwischen dem 24. und 27. April 1942 sind den älteren Hohenfeldern nachhaltig in Erinnerung geblieben. Von den Hügeln um Hohenfelde aus konnte man den Feuerschein der brennenden Stadt sehen. Der Wind wehte Ascheteile und den Brandgeruch bis in die Gegend um Bad Doberan.
Im Herbst 1943 kam Waffen-SS nach Hohenfelde, sie brachten einige hundert Trakehner Pferde mit. Hier in Hohenfelde waren gute Voraussetzungen für die Aufzucht von Pferden vorhanden, weil die Hufen Nr. IV und XVI, beide angekauft von Bauer Ross aus Lambrechtshagen, in Koppeln gelegt waren… Auf dem Acker der Hufe Nr. V am Althöfer Weg waren einige Baracken aufgestellt für die Unterbringung der Mannschaften und für das Materiallager. Am l. Mai 1945, einen Tag vor dem Einmarsch der sowjetischen Armee, ließ man die Koppeln öffnen und einige hundert l und 2jährige Pferde wurden in die Freiheit gejagt, sie galoppierten den Retschower Landweg hoch und verschwanden in der Ivendorfer Forst.
Die Truppe setzte sich nach Westen ab, ohne Widerstand geleistet zu haben. Wie aus der Chronik zu ersehen ist, scheint sich die Tätigkeit der faschistischen Organisationen in Hohenfelde glücklicherweise auf das Züchten von Trakehnerpferden beschränkt zu haben. Auch eine Abteilung des Volkssturm wurde in den letzten Kriegswochen gebildet, und zwar aus mehreren über 50 jährigen Männern sowie einigen Jungen unter 16 Jahren, wie die alteingesessenen Hohenfelder und Ivendorfer zu berichten wissen. Der Trupp fand sich im April 45 auch weisungsgemäß in Bad Doberan ein. Doch bald übernahm der spätere Bürgermeister Wilhelm Langhoff das Kommando. Er sagt zu seinen Männern: »Holtjuch mal an mi«. Er führte seine Männer über Althof in den Hütter Wohld, ohne dass ein Schuss abgegeben werden musste. Nach ein paar Tagen tauchten die Männer dann auch wieder bei ihren Familien auf.
Wilhelm Langhoff wurde nach 1945 zum Bürgermeister gewählt. Seine Person war in Hohenfelde nicht ganz unumstritten, insbesondere wegen seiner manchmal etwas diktatorischen Art, sich durchzusetzen. Doch die schwere Nachkriegszeit erforderte sicher auch oft ein energisches Durchgreifen.
Im Winter 1945 setzte der Flüchtlingsstrom ein. Da die großen Städte zerbombt waren, mussten die Kleinstädte und Dörfer besonders viele Flüchtlinge aufnehmen. Auch in Hohenfelde waren viele von ihnen untergekommen . Die Einwohnerzahl stieg dadurch fast auf das Doppelte. In jedem Haus wohnten Menschen auf engstem Raum. Auch die Gaststube »Zur Dorfeiche« von Familie Wascher (heute Katzorreck) war mit vielen Flüchtlingen belegt. Am 2. Mai 1945 rückten sowjetische Truppen in Hohenfelde ein. Manche Hohenfelder sprechen allerdings davon, dass es erst am 4. Mai gewesen sein soll. Die Soldaten kamen auf Panje-Wagen. Ihre Ziehharmonikas sollen schon von weitem zu hören gewesen sein. Zu Kampfhandlungen kam es nicht, alle Einwohner hatten weiße Fahnen gehisst. Es gab allerdings leider Übergriffe von Seiten der Roten Armee. Der Büdner Schumacher und seine Tochter wurden erschossen, weil Schumacher sich mit einer Heugabel gegen die Soldaten zur Wehr setzen wollte.
Vermutlich hatten die Rotarmisten seine Tochter bedroht. Natürlich ahnten die Hohenfelder, dass auch der russischen Bevölkerung im Krieg schweres Leid durch Deutsche zugefügt worden war. Aber das Ausmaß der Plünderungen und Vergewaltigungen verursachte bei manchen Hohenfeldem ein lebenslanges seelisches Trauma.
Den Hohenfeldem erschien es, als ob die Kommandanten einige Tage die Plünderungen zuließen, danach jedoch umso strenger auf die Einhaltung von Ruhe und Ordnung achteten. Bei Wilhelm Radder können wir über die Vorfälle im Zusammenhang mit den Besatzungssoldaten nichts lesen. Er wird über die Dinge sicher einiges gewusst haben, hätte es aber zu DDR- Zeiten sicher nicht zu Papier bringen können. Er notiert über den weiteren Verlauf der Ereignisse: »Der Ortsgruppenleiter der NSDAP, der Hohenfelde nicht verlassen hatte, wurde von der Besatzungsmacht verhaftet, er soll nach Neubrandenburg gebracht worden sein, er ist nicht wieder zurückgekehrt. Der Bürgermeister Hans Ross, Hufe Nr. VIII wurde seines Amtes enthoben, ihm ist aber weiter nichts geschehen. Es wurde ein Gemeindeausschuss gebildet, der vorläufig die Geschäfte der Gemeindeverwaltung übernahm, es waren der Bauer Heinrich Ehlers, der Waldarbeiter Wilhelm Radder, der Umsiedler Fritz Wessolowski und der Jungbauer Hubert Riebe. Bürgermeister wurde – wie schon erwähnt – Wilhelm Langhoff.
Hohenfelde nach 1945
Eine erste Besprechung über die Bodenreform wurde im Hause von Wilhelm Radder durchgeführt. An Grund und Boden für die Landvergabe stand vor allem ein Teil des Gutes von Glashagen (ehemals Domäne – herzogliches Gut), etwa 40 ha, zur Verfügung und außerdem die beiden Hufen IV und XVI, auf denen die SS die Trakehnerpferde geweidet hatte. Die 40 Hektar vom Gut Glashagen wurden an die Umsiedler Wessolowski, Trunschke und Bronkal sowie an den Häusler Dahlmann verteilt. Die Büdnereien in Neu-Hohenfelde, die alle unter 5 ha hatten, sowie die Büdnereien von Hohenfelde-Ausbau wurden vergrößert durch die Aufteilung des Gemeinde-Ackers und der schon erwähnten Hufen IV und XVI, wobei ein Austausch der Flächen vorgenommen wurde, damit die Bauern ihren Acker möglichst in der Nähe ihrer Häuser hatten. Bei der Bodenreform wurden auch Einwohner von Hohenfelde berücksichtigt, die keine Bauern waren, die aber einen kleinen Acker, sogenanntes Kompetenzland (etwa 200 Ruten) besaßen. Dieses konnten sie im Zuge der Bodenreform käuflich erwerben.
Das Bodenreformland war vererbbares Eigentum der Bauern, aber die Bauern durften es nicht verkaufen oder verpachten. Somit war die Nutzung eingeschränkt. Wer seinen Hof aufgab, musste das Land an den Bodenreformfonds zurückgeben. Zum Abschluss der Bodenreform dominierten in Hohenfelde Bauernwirtschaften mit 9-20 Hektar. In Ivendorf besaßen die Altbauern bis 50 Hektar. Ivendorf wurde 1952 nach Hohenfelde eingemeindet.
Die Entwicklung der Landwirtschaft
»Von 1945-1951 wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe noch einzeln bewirtschaftet. Die Ackerbestellung musste mit Pferden bewältigt werden, diese waren aber nicht in genügender Anzahl vorhanden, und in erster Linie waren es die Umsiedler, die wesentliche Schwierigkeiten bei der Ackerbestellung hatten. Mit gegenseitiger Hilfe wurde auch das geschafft, wobei es oft nicht ohne diktatorische Maßnahmen des damaligen Bürgermeisters Langhoff abging. Besonders in der Erntezeit bestand Mangel an Arbeitskräften, es musste am Tage eingefahren werden, nachts wurde gedroschen und dann das Getreide abgeliefert. Große Landmaschinen waren nicht vorhanden.
So wurden die ersten Maschinen-Ausleih-Stationen (MAS) gegründet, damit war den Bauern die Möglichkeit gegeben, wenigstens die schweren Arbeiten, wie Tiefpflügen usw., mit dem Traktor ausführen zu lassen. Mecklenburg stand nach dem Krieg vor großen Problemen. Durch Krieg und Besetzung fehlte es an allem, vor allem an Vieh, Saatgut, Maschinen und Düngemitteln. Deshalb kam die Bestellung der Felder nur langsam in Gang. Die Getreideernte mit dem Dreschkasten war besonders bei großer Sommerhitze sehr anstrengend. Insbesondere den Umsiedlern konnte nur begrenzt Vieh zugeteilt werden. Nur jeder vierte bekam ein Pferd, jeder sechste eine Kuh und jeder zehnte ein Schwein.Hinzu kam, dass für die Umsiedler noch keine Wohnhäuser, Ställe oder Maschinen zur Verfügung standen.
Hohenfelde und Ivendorf mussten darüber hinaus auch Reparationen leisten Kriegsentschädigungen), hauptsächlich in Form von Langholz, das im Ivendorfer Forst geschlagen und dann in Markgrafenheide bei Rostock abgeliefert werden musste, wie Albert Becker berichtete.
Man darf auch nicht vergessen, dass viele Neubauern noch keine Erfahrungen beim Führen eines landwirtschaftlichen Hofes hatten. Einige mussten auch aufgeben.
So wechselten zum Beispiel auf der Hufe, die früher Hochzeit 1947 – der Umsiedler Heinz Wessolowski heiratet die Bauerstochter Ursula Westendorf Bauern Schumacher, der durch die Besatzungsmacht ums Leben gekommen war, gehört hatte, mehrmals den Besitzer. Dennoch wurden 229 ehemalige Umsiedler in Hohenfelde heimisch und erhielten eine neue Existenzgrundlage. Großen Anteil daran hatte die Dorfgemeinschaft, die die Neubauern unterstützte. Schwierig war für die Bauern der Umgang mit dem Ablieferungssoll.
Die SMAD (Sowjetische Militäradministration) erließ am 29.Juli 1945 die Teilablieferungspflicht. Für jedes Dorf wurde ein Anbauplan erarbeitet und festgelegt, wie viel jeder Bauer oder Büdner an landwirtschaftlichen Produkten abzuliefern hatte. Was darüber hinaus produziert wurde, konnte der Bauer als »freie Spitzen« privat verkaufen. Wenn also jemand beispielsweise schon im Oktober sein Jahressoll erfüllt hatte, konnte er für den Rest des Jahres auf eigene Rechnung verkaufen. Doch während den Umsiedlern und Kleinbauern das Erreichen von freien Spitzen möglichst leicht gemacht wurde, waren die Großbauern erheblich benachteiligt, so berichteten Bauern aus Hohenfelde und Ivendorf.
Die Großbauern mussten ein um 30 % höheres Ablieferungssoll entrichten. Außerdem verschärfte sich schon in dieser Zeit der ideologische Druck auf die Großbauern. Es war nicht verwunderlich, dass sich mehrere Bauern dem nicht mehr aussetzen wollten und in den Westen Deutschlands abwanderten. Wer das Ablieferungssoll nicht erfüllte, musste damit rechnen, vor Gericht gestellt und verurteilt zu werden. So erging es den Bauern Jürss, Splettstößer und Radder. Da die Nichterfüllung des Solls als Sabotage und Spekulation ausgelegt wurde, wurden die Bauern zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Es spielte keine Rolle, dass manche Bauern aus objektiven Gründen vielleicht das Soll nicht erbringen konnten, etwa wegen Missernten und dergleichen. Die Bauern Jürss, Radder und Splettstößer wurden also verhaftet, aber wenige Wochen später, nach dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953 mussten sie wieder freigelassen werden.
Hohenfelde in den fünfziger Jahren
Nach den schweren Nachkriegsjahren normalisierte sich allmählich das wirtschaftliche Leben. Bis Mitte der 50er Jahre hatte die Landwirtschaft das Vorkriegsniveau wieder erreicht. Auch die Viehbestände waren wieder nachgewachsen. Die 50er Jahre waren auch eine Zeit, in der traditionelles bäuerliches Brauchtum wieder auflebte.
In Hohenfelde feierte man wieder Maifest und Erntefest. Besonders ist den Einwohnern das Schmücken der Erntekronen, in das alle Generationen einbezogen waren, in Erinnerung geblieben. 1953 schufen sich die Bauern in Hohenfelde ein eigenes Kulturhaus. Sie trugen dafür Spendengelder und Material zusammen und errichteten das Gebäude (heute Gaststätte »Helgoland«) in vielen unbezahlten Arbeitsstunden. 1952 wurde von einigen Siedlern die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Typ I gegründet. Bei der LPG Typ I wurde der Boden gemeinschaftlich bearbeitet, jedoch die Viehbestände blieben individuelles Eigentum der Bauern.
Wenige Monate später wurde diese dann in eine LPG Typ III umgewandelt. Bei dem Typ III wurden das Land und die Viehbestände vergesellschaftet. 1955 traten weitere Bauern in die LPG ein. Nach dem Statut der LPG hatten die Bauern darüber hinaus die Möglichkeit, eine persönliche Hauswirtschaft (etwa 2 Morgen Land und Nutztiere im eigenen Haushalt) zu betreiben und deren Erzeugnisse privat zu verkaufen. Die Bauern hofften, dass sie im Verband mit anderen Produzenten ökonomisch stärker sein würden und auf größeren Flächen effektiver wirtschaften könnten.
Es gab allerdings für die Bauern zur LPG praktisch keine Alternative. Nicht alle Bauern wollten in die LPG eintreten. Wilhelm Radder schreibt von schweren Auseinandersetzungen. Aber insbesondere die Großbauern mussten erkennen, dass die Regierung die Zusammenlegung mit allen Mitteln durchzusetzen entschlossen war. So wurde Hohenfelde-Ivendorf 1960 vollgenossenschaftlich. Die ersten Jahre in der LPG in Hohenfelde waren schwer, durch die Zusammenlegung der Flächen gab es Probleme mit den Fruchtfolgen, die Erträge waren niedrig, demzufolge auch die Bezahlung. Doch die Bauern kämpften dagegen an und eigneten sich landwirtschaftliche und betriebswirtschaftliche Kenntnisse an.
Die LPG-Vorsitzenden Wolf Roeb und Franz Jatsch absolvierten ein Studium zum Diplom-Landwirt. Franz Jatsch begann seine Laufbahn als LPG- Vorsitzender im Jahre 1957. Abgesehen von einer Unterbrechung zwischen 1960 bis 1965 rührte er die LPG erfolgreich bis zu deren Auflösung 1990. Erwin Hexel absolvierte ein Studium zum staatlich geprüften Landwirt. Wilhelm Radder führt alle Bauern auf, die bis 1970 einen Meisterbrief erwarben:
Ewald Krauleidis, Meister für Landmaschinentechnik – Jürgen Stube, Schmiedemeister – Basil Doll, Feldbaumeister – Horst Splettstößer, Feldbaumeister – Harald Weeber, Feldbaumeister, Fritz Gehrmann, Melkermeister – Werner Rotzoll, Meister der Tierzucht – Albrecht Bronkal, Meister der Rinderzucht – Erika Bronkal und Eberhard Bronkal, beide Meister der Rinderzucht.
Weiter schreibt Wilhelm Radder, dass zunächst 80 % und schließlich bis 1970 alle LPG Bauern einen Facharbeiterbrief erwarben. Trotzdem war die wirtschaftliche Lage der LPG zunächst instabil. Wilhelm Radder schreibt über die Jahre von 1953 bis 1963, dass es große Schwierigkeiten gegeben hat und keiner mehr an eine Steigerung der Produktion glaubte.
Mit dem LPG-Gesetz, das die Volkskammer der DDR am 3. Juni 1959 beschloss, wurde die LPG als landwirtschaftlicher Großbetrieb definiert, in dem die bisher selbständigen bäuerlichen Einzelbetriebe aufgehen sollten. Das bedeutete praktisch die Trennung des Bauern von seinem privaten Besitz an Grund und Boden. Er konnte sein Land – nach einem Beschluss vom 25. April 1960 – damals auch nicht mehr zurückfordern, falls er aus der LPG austreten wollte.
Erntekindergarten
Dennoch empfanden viele Siedler aus unterschiedlichsten Gründen den Eintritt in die LPG auch als Erleichterung, insbesondere viele Frauen auf dem Lande. Sie erhielten nun ein festes Gehalt und ab 1968 konnten die Bauern bezahlten Urlaub nehmen. 1961 wurde ein Erntekindergarten gegründet, der ab 1965 zu einer festen Einrichtung wurde. Viele Neubauern und Umsiedler konnten in den 50er Jahren mit notwendigstem Wohnraum versorgt werden. Dabei wurden sie von der Dorfgemeinschaft und der LPG tatkräftig unterstützt.
Hohenfelde in den 60er Jahren
Die 60 er Jahre waren gekennzeichnet durch großen Aufbauwillen und Fortschrittsoptimismus, nicht nur in der DDR, sondern auch in allen anderen europäischen Ländern. Es wurde zwar in vielen Bereichen noch wenig verdient, aber die Mechanisierung der Industrie und Landwirtschaft erleichterte die schwere körperliche Arbeit erheblich und veränderte das Bild der Städte und Dörfer. Die chemische Industrie produzierte Plaste-Geschirr, Perlonstrümpfe und andere bis dahin nie da gewesene Produkte. In die Haushalte zogen Waschmaschinen, Kühlschränke und Fernseher ein.
Ab 1965 ging es auch mit der LPG in Hohenfelde stetig aufwärts. Der Wert der Arbeitsleistung stieg ständig an. Lag er 1960 noch bei 3 DM, so betrug er 1965 bereits 7 Mark. Eine wichtige Rolle bei der allmählichen Verbesserung des Lebens auf dem Lande spielte auch der Erwerb neuer Technik. Wie Wilhelm Radder schrieb, kostete es anfangs Überwindung, sich mit dem Neuen vertraut zu machen. So standen zum Beispiel die Melkmaschinen jahrelang ungenutzt. Erst 1965 wurden sie in Betrieb genommen. Später konnte man sich die Milchwirtschaft ohne Melkmaschinen gar nicht mehr vorstellen.
Zur Leistungssteigerung in der LPG trugen bei:
- Eine bessere Bodenbearbeitung
– Der planmäßige Aufbau der Tierbestände
– Leistungsprämien als materieller Anreiz; So wurde für einen gelieferten A-Bullen 30 Mark gezahlt, und für einen B-Bullen 20 Mark
– Der systematische Aufbau und die Erweiterung von Ställen und Maschinenstützpunkten.
In Hohenfelde wurden zu jener Zeit einiges zur Verbesserung der Lebensqualität getan. So wurde 1966 eine moderne Kaufhalle eröffnet. Dieser Bau kostete damals Kaufhalle / Konsum 65000 Mark. 1973/74 wurde sie noch einmal erweitert. Dann gab es dort auch Schreib- und Industriewaren.
Auch auf kulturellem Gebiet tat sich vieles. 1965 wurde der Hohenfelder Volkschor gegründet. Zunächst fanden sich 14 sangesfreudige Hohenfelder zusammen. Später stieg die Zahl auf 40 Mitglieder.
1963 ist ein Sportplatz gebaut worden. Sehr aktiv war bereits in den 60er Jahren eine Radsportgruppe.
Die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren eine Periode, in der sich der Ost-West-Konflikt zuspitzte. Die atomare Bedrohung stieg durch das Wettrüsten, aber es fällt in jene Zeit auf internationalem Gebiet auch die KSZE-Konferenz in Helsinki, das SALT I- Abkommen über die Begrenzung der Nuklearwaffen und die Ostverträge mit der BRD, die im weiteren Verlauf für eine Entspannung der Beziehungen in Europa sorgen sollten. Das alltägliche Leben scheint von solchen Ereignissen wenig beeinflusst zu werden. Aber sie bilden den Hintergrund für politische und wirtschaftliche Entscheidungen und haben letztlich auch Auswirkungen auf das kulturelle Klima und das Lebensgefühl der Menschen. Das zeigte sich in den70erJahren ganz besonders. In Hohenfelde verbesserten sich in jenen Jahren die Lebensverhältnisse.
Die Einkünfte der LPG-Bauern stiegen an. Mehrere Bauern konnten mit Hilfe der LPG ein Eigenheim errichten, so die Familien Peter Bronkal (1971/72), Familie Stübe (Anfang 1973), Franz Lettow (1974/75) und E. Roßmann (1975/76). Im öffentlichen Bereich entstanden durch z.T. unentgeltliche Arbeitsstunden der Einwohner:
- Eine Weinstube als Anbau am Kulturhaus, zusätzlich eine moderne Küche
– Ein Schwanenteich wurde gestaltet aus dem einstigen »Kuhflunk« einer ehemaligen Viehtränke.
Er erhielt eine gärtnerisch gestaltete Umgebung
Von 1973-1976 wurde ein Wasserleitungsnetz geschaffen, das Ortsteile Hohenfeldes mit Wasser versorgte und die alten Hofpumpen ablöste.Wohnungen wurden neu gebaut und modernisiert. Viele Dorfbewohner erhielten ein Bad. Auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei entstanden der Kindergarten und das Gemeindebüro. Die Ausflugsgaststätte am Quellental wurde restauriert und renoviert.
Dies alles trug dazu bei, die Lebensqualität in Hohenfelde zu verbessern. Das erklärte Ziel der DDR war damals die Überwindung der Unterschiede zwischen Stadt und Land. Aus den Presseberichten der damaligen Zeit ist eine durchaus berechtigte Zufriedenheit und der Stolz auf das Erreichte zu erkennen, zumal viele der kommunalen Einrichtungen in freiwilligen und unbezahlten Aufbaustunden entstanden waren. Natürlich spürten aber auch die Hohenfelder Einwohner bestimmte Probleme, die sich in der Gesamtentwicklung der DDR abzeichneten, zum Beispiel die Mangelwirtschaft an Waren des täglichen Bedarfs, die die Entwicklung der DDR von Anfang an begleitet hatte.
Die Beschaffung von Material oder auch von Konsumgütern erforderte manchmal sehr viel Einfallsreichtum, woran sich die Einwohner von Hohenfelde und Ivendorf noch sehr gut erinnern können.
Die 70er Jahre waren in der Landwirtschaft der Beginn des Übergangs der LPG en zu landwirtschaftlichen Großkombinaten. So wurde 1973 die KAP. Die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion »Conventer Niederung« Melkerbrigade gegründet, der auch Hohenfelde angehörte Mit diesem Kombinat wurden mehrere Dörfer zu einer Produktionseinheit zusammengeschlossen. Nur die Tierproduktion verblieb bei der LPG »Neue Zeit« in Hohenfelde.
Im Bereich der Tierproduktion führte die LPG einen erfolgreichen Kampf gegen Tierseuchen, die die Viehherden von Zeit zu Zeit heimsuchen und die natürlich auch um Hohenfelde keinen Bogen machten. Es gelang, die Ställe vollständig zu desinfizieren und gesunde Tiere einzustellen. Die Trennung von Pflanzen und Tierproduktion allerdings war eine große Veränderung für die Dorfbevölkerung. Es kam zu innerbetrieblichen Problemen, schrieb Lucie Weeber, die Tochter von Wilhelm Radder, die nach dessen Tod 1975 die Chronik Hohenfeldes weiterführte. Weiter führte sie aus: »Kollektive werden getrennt, für viele verlagerte sich der Arbeitsplatz außerhalb des Ortes. Die Gemüter sind erregt und gespalten, sogar die Erntefeste des Dorfes fallen weg, obwohl man sich am Anfang von Seiten der LPG sehr darum bemühte«. Es zeigten sich für die Bauern aber auch Vorzüge der Großraumwirtschaft. Beim Einsatz der Landmaschinen verringerten sich die Stillstandszeiten, die Kombines mussten nicht mehr umständlich von einem Acker zum anderen umgesetzt werden. Das Trockenwerk übernahm die zeitraubende Tätigkeit des Heuwendens. Neue Pflanzensorten wurden entwickelt und es verbesserten sich dadurch die Erträge.
Durch diese Veränderungen war es den Bauern in den 70er und 80er Jahren möglich, auch mitten in der Hauptsaison mit ihren Familien Urlaub zu machen,
was früher undenkbar gewesen war. Die vorliegende Jubiläumsschrift kann in der gebotenen Kürze die ganze Kompliziertheit des Kollektivierungsprozesses der Landwirtschaft natürlich nur andeuten. Wie zu erfahren war, hat der Vorstand ehemaligen LPG und insbesondere der damalige Vorsitzende Franz Jatsch eine Arbeit zur Geschichte der LPG in Auftrag gegeben.
Wenn auch Erntefeste, wie Lucie Weeber schrieb, ab 1973 wegfielen, wahrscheinlich deswegen, weil es ja durch die Trennung von Tier- und Pflanzenproduktion keine gemeinsame Ernte im erkömmlichen Sinne mehr gab, so fanden sich dafür aber weiterhin viele andere Feiern. Die Hohenfelder liebten das Zusammensein und schätzten das Gemeinschaftserlebnis. Sie erinnern sich noch heute gern an Festlichkeiten und Ausflüge. Manch heitere Episode wird erzählt.
Wie Astrid Schütz und Bergitta Dahlmann berichten, empfanden es die Hohenfelder als besonders schön, dass bei Hohenfelder Chor in den 70ern Alt und Jung versammelt waren. Anlässe, zu denen die Einwohner Hohenfeldes in geselliger Runde zusammenkamen, waren z.B. der Maientanz, die regelmäßigen Dorffeste, das Heufest, die Frauentagsfeier und auch die staatlichen Feiertage. Diese waren oft mit Auszeichnungen verbunden. Anschließend ließen die Hohenfelder und Ivendorfer den Tag meist mit einem fröhlichem Beisammensein und einer Tanzveranstaltung ausklingen. Sehr viel Wert wurde in Hohenfelde nach wie vor auf das kulturelle Leben gelegt. Die Jugend erhielt in jenen Jahren einen Raum in der ehemaligen Schule für Tanzveranstaltungen und Diskothek, für Skatnachmittage und anderes.
Der erste Jugendclubleiter wurde 1977 Erhard Volp. Der Volkschor entwickelte sich von anfangs 14 Mitgliedern zum Dorfensemble »Conventer Niederung« mit insgesamt 40 Sängern. Er wurde bis 1977 von Jürgen Schultz aus Bad Doberan geführt. Nach dessen plötzlichem Tod übernahm der Musiklehrer Hans Kray aus Rerik die Leitung. Er rief auch eine Instrumentalgruppe und eine Jugendtanzgruppe ins Leben.
Wie man sieht, waren die 70er Jahre eine ereignisreiche Zeit für Hohenfelde. Viel dazu beigetragen hatte auch der damalige Bürgermeister Heinz Zielinski (Amtszeit von 1963 bis 1974). Er betrachtete seine Funktion als Berufung. Viele Maßnahmen zur baulichen Gestaltung und Dorfverschönerung (z.B. Schwanenteich, Weinstube am Kulturhaus u.a.) gehen auf seine Initiative zurück. Er und seine Familie haben einen festen Platz in der Dorfgeschichte, auch wenn ihn viele gar nicht mehr persönlich gekannt haben.
Die 80er Jahre
In den achtziger Jahren erlebte Hohenfelde vor allem einen Aufschwung des kulturellen Lebens.
Der Dorfclub, der zeitweise bis zu 14 Mitglieder hatte, bereitete Veranstaltungen und auch die beliebten Dorffeste im Sommer vor. Da wurde alles selbst organisiert:
Das Lagerfeuer für die Kinder, die Tombola, der Schiesstand, das Sportfest, das Essen aus der Gulaschkanone. Die Leiterin des Dorfclubs, Astrid Schütz backte Waffeln für die Kinder. Bergitta Dahlmann, Astrid Schütz, und andere Mitglieder des Dorfclubs ließen sich das ganze Jahr über interessante Veranstaltungen einfallen. In Erinnerung sind den Hohenfeldem dabei vor allem der Besuch der Störtebeker-Aufführung, die plattdeutschen Abende und die Ausflüge zum Gestüt Redefin anlässlich der Hengstparade. Die Hohenfelder und Ivendorfer waren zudem von jeher sehr sportbegeistert. Eine Frauengymnastikgruppe, eine Volleyballmannschaft, eine Schießsport-AG, eine Sektion des Anglerverbandes – alles das gab es in Hohenfelde und manche nteressengemeinschaften (wie zu Beispiel Volleyball) existieren auch heute noch. Viele Teenager waren stolze Besitzer eines Motorrades. Die Jugendlichen errichteten selbst – mit Unterstützung der Gemeinde und der LPG einen Bungalow als Jugendclub.
Eine tragende Säule des Kulturlebens war nach wie vor der Volkschor Hohenfelde. Er nannte sich jetzt »Dorfensemble Conventer Niederung«. Es waren viele Sänger aus der Umgebung, z.B. aus Hanstorf, Anna-Luisenhof hinzugekommen. Wie schon erwähnt, war der Chor auch durch eine Tanzgruppe und ein Instrumentalensemble (5 Musiker) erweitert worden. Das Ensemble trat nun bereits in großen Sälen und vor sehr viel mehr Publikum auf. Hans Kray, Lehrer und Musiker aus Leidenschaft, leitete das Dorfensemble und verstand es, die Mitglieder zu beachtlichen Leistungen anzuspornen. Leider reicht der Platz in dieser Festschrift nicht aus, um die vielfältigen Auftritte, Erlebnisse und Erfolge anschaulich zu machen. Das Repertoire des Chores umfasst vor allem mecklenburgische Folkore, maritimes Liedgut, deutsche Volkslieder und kleine Werke großer Meister, wie z.B. von Beethoven, Mozart und Verdi. Das Dorfensemble erfuhr in den 80er Jahren großzügige
Förderung. Aber auch die Hohenfelder selbst trugen viel bei zu materiellen Ausstattung des Chores. Elfriede Jürss, die leider schon verstorben ist, schneiderte die Kostüme der Kindertanzgruppe. Frau Ilse Hakendahl entwarf wunderschöne Stickereien. Als Gründungsmitglied des Chores ist heute noch Ursula Preuß im Chor aktiv. Aber auch Ingrid Kruth, Rosi Krauleidis, Erika Hexel und Lucie Weeber, die die Chor-Chronik führt, sind bereits seit Jahren mit Begeisterung bei den Auftritten und Proben dabei.
Zur wirtschaftlichen Entwicklung ist zu sagen, dass die 80er Jahre im Zeichen der Intensivierung der Landwirtschaft standen. Man sprach vom »Agrar-Industrie-Komplex«.1979 war die KAP »Conventer Niederung« in ein Volkseigenes Gut (VEG) umgewandelt worden. An der Arbeit änderte sich dadurch nichts, aber der Gewinn aus der Pflanzenproduktion wurde direkt an den Staat abgeführt. Landwirtschaftsbetriebe nahmen jedes Jahr aufs neue den Kampf um die Planerfüllung und damit Sicherung der Lebensmittelversorgung auf. Gleichzeitig wurden Agrarprodukte exportiert. Die Effektivierung der Landwirtschaft schien daher ein Mittel zur Ertragssteigerung zu sein.
Doch geschah dies manchmal auch etwas zum Nachteil der Landschaft, wie Lucie Weeber schreibt. So wurden z.B. natürliche Feldgrenzen, wie Hecken und Büsche gerodet und mit der Raupe glattgeschoben. Es gehörten mittlerweile 13 Dörfer zur VEG. Die Bauern wurden nun mit Bussen an ihren Arbeitsort gefahren. Der Bauer ist wie kein anderer mit seinem Grund und Boden verbunden. Insofern waren diese räumlichen Entfernungen problematisch.
Manche Bauern in Hohenfelde äußerten damals, sie hätten keine Lust, bis zum 65. Lebensjahr an der Dorfgrenze von Hanstorf zu stehen. Selbst Funktionäre der Bezirksleitungen der SED Rostock und Neubrandenburg forderten, dass der Bauer wieder Gelegenheit haben müsse, in Sichtweite seines Kirchturms arbeiten zu können. Doch die Erträge in der VEG entwickelten sich stabil und damit auch der Verdienst der Bauern. In der Amtszeit des Bürgermeisters Herbert Preuß und im usammenwirken mit der LPG wurde in den 80er Jahren viel für die Verbesserung des Lebensstandards getan. So erfahren wir z.B. aus einem Rechenschaftsbericht über die Wahlperiode 1979-1984, dass jede kinderreiche Familie jährlich zusätzlich 500 Mark erhielt, was für damalige Verhältnisse eine recht große Summe war.
Mit der LPG-Technik viele Instandsetzungsmaßnahmen und Renovierungen im öffentlichen Bereich durchgeführt. Wichtig war für die Hohenfelder vor allem der Bau von Eigenheimen. Mehrere Familien konnten auch in den Achtzigern ein eigenes Haus beziehen Die LPG-eigene Maurerbrigade unterstützte die Dorf- Bildhaueratelier Günter Brockbewohner bei der Errichtung der Häuser aber auch bei der Renovierung vorhandener Wohnungen, beim Einbau von Bädern, Auswechseln von Fenstern usw. Die Einwohner mussten solche Dienstleistungen natürlich auch privat bezahlen, aber es war insgesamt billiger, als wenn eine gewerbliche Firma beauftragt worden wäre.
Zur Maurer-Brigade gehörten: Eberhard Wachholz als Leiter, Norbert Leist, Winfried Führmann, Gerald Westburg und bis in die achtziger Jahre Walter Dahlmann. Für Holzarbeiten waren zuständig: Günter Dembowski, Helmut Weeber, Wilfried Katzorreck, und Walter Birnbaum. Von 33 volkseigenen Wohneinheiten in Hohenfelde waren nur 7 ohne Bad. Die Eigenheime hatten in der Regel ein Bad. Von solch einem Komfort konnte damals mancher Stadtbewohner – insbesondere in den Altstädten – nur träumen.
Nicht umsonst weisen Forscher daraufhin, dass die Landwirtschaft der produktivste Teil der DDR-Wirtschaft gewesen ist. Aber die Landwirtschaft war natürlich auch weniger von Importen und von Konjunkturschwankungen auf dem Weltmarkt abhängig als andere Bereiche. Das Leistungsprinzip konnte in keinem anderen Wirtschaftzweig so konsequent verwirklicht werden wie in der Landwirtschaft. Löhne wurden weitgehend aus eigenem Aufkommen gezahlt. Es wurde verteilt, was erarbeitet wurde. Die Hohenfelder und Ivendorf er Bauern erfüllten mit der ihnen eigenen eharrlichkeit und ihrem Fleiß die staatlichen Planauflagen und verbesserten ihren Lebensstandard.
Besonderen Anteil hatten daran auch der langjährige LPG-Vorsitzende Franz Jatsch und seine Mitarbeiter. Zu diesen gehörten die langjährige HauptbuchhalterinGisela Block, die Wirtschaftsleiter Walter Roeb, Albert Becker, Werner Rotzoll und Erwin Hexel. Klug steuerten sie die LPG durch die Wirren der Planwirtschaft.
Die 90er Jahre – 2002
Ab 1990 stieg die Einwohnerzahl von Hohenfelde sprunghaft von ehemals 400 auf über 700 an. Immer mehr Städter entschlossen sich, in der lieblichen Endmoränenlandschaft unweit von Rostock und Bad Doberan ein Haus zu bauen. Die Ostsee, die Kühlung, das Glashäger Quellental, das Naturschutzgebiet des Hütter Wohld, der Conventer See – all das ist nur wenige Kilometer entfernt und bietet reizvolle Ziele für Wanderer, Radler, Angler und andere Naturfreunde.
Dabei gab es zu Beginn der 1990er Jahre zunächst eine Ungewissheit, wie es in der Entwicklung des Ortes weitergehen sollte.
Nach der Wende und dem Beitritt der DDR zur BRD hätte die Möglichkeit bestanden, die LPG als Agrarbetrieb weiterzuführen. Doch die Mitglieder entschieden sich in einer Vollversammlung für die Auflösung der LPG und die Aufteilung der Ländereien. Aus dem Vermögen der Genossenschaft konnten den Bauern Abfindungssummen gezahlt werden, denn die LPG hatte mit einem guten wirtschaftlichen Ergebnis ihre Tätigkeit abgeschlossen. Viele Bauern verpachteten nun ihr Land, das sie aus der LPG zurückerhalten hatten. Viele nutzten darüber hinaus die recht günstigen Vorruhestandsregelungen und schieden aus dem Arbeitsleben aus. Einige suchten Arbeit in den umliegenden Betrieben. Manche erhielten ABM-Stellen. Fünf Bauern erwarben Land durch Ankauf oder Pachtung dazu und führten ihre Wirtschaft als bäuerliche Produzenten weiter. Sie verfügen jeweils über landwirtschaftliche Nutzflächen von ca. 150 ha. Dadurch wird die bäuerliche Tradition des Ortes weitergeführt und so Positives aus der Vergangenheit bewahrt.
Erfreulich ist auch die Neuansiedelung von Gewerbe- und Handwerksbetrieben in Hohenfelde und Ivendorf, so z.B. die Baubetriebe Hartmut Hunger und Eberhard Wachholz, der Dachdecker- und Klempnerbetrieb Alois Becker, Straßen- und Tiefbau Bernd Schimming, die Bau- und Möbeltischlerei Frido Schmidtke, der Kfz-Betrieb Matthias Zelck und viele andere.
Zum Territorium Hohenfelde gehört auch das neue Kreiskrankenhaus Bad Doberan. Für die Infrastruktur spricht, dass es in Hohenfelde eine Kaufhalle, ein Friseurgeschäft und ein Beauty-Shop gibt. Insbesondere die Kaufhalle konnte ihre Existenz auch in schwierigen Zeiten nach der Wende sichern, als viele Läden auf den Dörfern schließen mussten.
Bereits 1990 war der Gemeinderat aufgefordert, Bebauungspläne für neue Eigenheimsiedlungen zu erstellen. So entstanden insgesamt 5 B-Plane. Es sind seitdem 5 neue Siedlungen entstanden: Die Siedlung am Pappelweg, am Torfmoor, an der Kruth’schen Wiese, an der Diettert’schen Wiese und schließlich zur Zeit die Siedlung am Schwanenteich. Die drei seit 1990 regierenden Bürgermeister Sabine Neumann, Franz Jatsch und Karlheinz Siewert haben viel Arbeit und Geschick aufgewendet, um diese neuen Wohngebiete harmonisch in das Dorfbild einzufügen.
Durch den Zuwachs an Einwohnern sind Hohenfelde und Ivendorf in den letzten Jahren zu einer Heimat für viele Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft geworden. Deshalb sehen es Bürgermeister, Gemeinderat, der Pastor des Ortes, die Volkssolidarität, und viele andere Institutionen als ihre Aufgabe an, das Leben weiterhin angenehm zu gestalten, zugleich aber das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu festigen und an künftige Generationen weiterzugeben.
Hohenfelde in Stichworten
Elektrifizierung
Das Schulhaus in Hohenfelde bekam 1922 elektrisches Licht. Vielen Bürgern waren die Überlandleitungen unheimlich. So hieß es in Hohenfelde: »de Hexenpöst möt all wedder wech, dann gift dat ok wedder Arbeit«. (Es war ja die Zeit der Wirtschaftskrise). Doch der Siegeszug der Technik ließ sich nicht aufhalten. Anfang der dreißiger Jahre hatten in Hohenfelde alle Haushalte elektrisches Licht. Neu-Hohenfelde wurde allerdings erst nach dem zweiten Weltkrieg, 1946/47 angeschlossen, und Ivendorf 1948. Davor waren noch Petroleumlampen im Einsatz.
Anekdoten in Hohenfelde
Von Albert Linke ist folgende Anekdote überliefert: Er fuhr abends auf der Chaussee von Bad Doberan nach Schwaan mit seinem Pferdewagen. Da wurde er von einem Polizisten angehalten, der ihn darauf aufmerksam machte, dass er kein Licht an seinem Wagen hatte. Darauf sagte Reinke zu dem Polizisten:
»Ik bruk kein Licht, ik heff doch ‘n Schimmel dorbi !« Das schien dem Polizisten einzuleuchten, denn er ließ ihn – wie es hieß – ohne Strafzettel ziehen.
Eine andere Anekdote ist die von der gestohlenen Großmutter.
1903 pachtete der Stellmachermeister Hermann Beyer das Grundstück des Christian Stade. In dem Pachtvertrag war die Bedingung enthalten, dass Beyer die alte Großmutter Stade in Kost und Pflege behalten musste; sollte die alte Frau aber zu ihren Kindern wollen, die in Kröpelin wohnten, dann musste Frau Beyer Pflegegeld zahlen. Da die alte Frau es bei Beyers sehr gut hatte, wollte sie in Hohenfelde bleiben. Ihre Kinder wollten sie zu sich nach Kröpelin holen, damit sie das Pflegegeld bekamen. Da die Großmutter nicht freiwillig mit ihnen ging, passten sie einen Tag ab, an dem Beyers nicht zu Hause war und entführten die alte Frau nach Kröpelin. Da sie aber bei ihren Kindern in Kröpelin nicht bleiben wollte, holte Beyer sie noch einmal zurück. Sie wurde dann aber noch einmal entführt und hat sich darauf das Leben genommen. Das ist die Geschichte von der gestohlenen Großmutter.
Das Quellental
Die Büdnerei Nr. l, im Quellental gelegen, gehört seit langer Zeit zu Hohenfelde. Früher wurde die Gegend »Weinkeller« genannt, weil hier die Mönche angeblich Wein gelagert haben. Am 15. 2. 1908 verkaufte laut Vertrag der Gutsbesitzer Hans von Blücher den »Weinkeller«, das heißt das Quellental mit der dort befindlichen Mineralquelle sowie die Büdnerei Nr. l, an den Betrieb »Mineralquelle Glashagen GmbH« in Doberan, vertreten durch Geschäftsführer Albert Wolf, Berlin. Von dieser Firma wurde dann in der Folgezeit das Quellwasser nach Doberan geleitet und dort fabrikmäßig zu Tafelwasser verarbeitet. Laut Wilhelm Radders Chronik soll die Büdnerei Nr. l am 18. November von einem Vorbesitzer an eine Firma Edm. Winckert in Metz (heute Frankreich) verkauft worden sein. Dafür findet sich aber im Archiv der Glashäger AG kein Anhaltspunkt. Die Büdnerei wurde Ende der zwanziger Jahre gepachtet von Carl Tessmann. Bis 1945 bewirtschaftete dieser dann in der Büdnerei die beliebte Ausflugsgaststätte. Nach 1945 wurde die Büdnerei zunächst von Umsiedlern bewohnt, dann zog Wilhelm Oldenburg in das Haus. Er schenkte auch gelegentlich an Wanderer ein Bier aus, wie Reporter Jochen Müller zu berichten weiß. Auf Initiative des verdienstvollen Hohenfelder Bürgermeisters Franz Zielinski wurde 1971/72 die inzwischen etwas verfallenen Büdnerei wieder zu einer Ausflugsgaststätte ausgebaut. Viele Hohenfelder halfen dabei mit. Das Ehepaar Joachim und Renate Schlieff übernahm den Betrieb und kaufte das Haus 1990. Seit 1993 leitet deren Sohn Marc die Gaststätte.
Die Gegend um das Quellental ist seit vielen Jahrzehnten Naturschutzgebiet. Bereits der bekannte Rostocker Gelehrte Prof. Eugen Geinitz erkannte den wissenschaftlichen Wert des Bachtales. Hier sind viele seltene Pflanzenarten zu sehen und ein wertvoller alter Baumbestand. Buschwindröschen, Scharbockskraut, Waldveilchen, Waldbingelkraut, Waldgoldstern Leberblümchen und den um Doberan selten gewordene Aronstab kann man hier antreffen. Hier nisten der Zaunkönig, die Gebirgsstelze, Kolkrabe, Waldlaubsänger und Mäusebussard. Kurz nach dem Beginn der Erschließung und Nutzung der Glashäger Quellen 1906/08 wurde auch das Brunnenhaus gebaut, im Stil des Neoklassizismus in Form eines griechischen Tempels mit dekorativem Dreiecksgiebel und zwei in den Eingang eingestellten Säulen. Die Hohenfelder leisteten in vielen Stunden Arbeiten zur Erhaltung des Tempels, so zum Beispiel wurde das Dach neu gedeckt und der Giebel restauriert. Regelmäßig wurden die Wege, Bepflanzungen und die Brücke instandgehalten.
Wasserversorgung
Bis 1964 wurde das Wasser noch aus Teichen und Pumpen entnommen. Eine Dorfpumpe befand sich unweit des Dorfteiches und eine Pumpe besaß u.a. die Familie Katzorreck. In den 50er Jahren wurde dann durch die LPG der große Kuhstall gebaut. Dazu war ein Wasseranschluss notwendig. So wurde ein Brunnenhaus unweit des Gehöfts von Bauer Westendorf (Hufe 11) gebaut. Als erfreulicher Nebeneffekt erhielten einige Hohenfelder Einwohner Anschluss an dieses Wassernetz.
Eine komplette Wasserleitung erhielt Hohenfelde 1964. Doch Neu-Hohenfelde und ohenfelde/Ausbau und Ivendorf hatten immer noch kein Wasser aus der Leitung. Hier wurde noch Wasser aus dem Torfmoor, aus Opiollas Teich oder in Neu-Hohenfelde aus dem Katzen-Soll geholt. Chronistin Lucie Weeber schreibt: »Ich kann mich noch an mehrere harte Winter erinnern, wo alles verweht und zugefroren war. Da mussten wir Kinder beim Wassertransport mit dem Tragholz (»de Dracht«) helfen, und jeden Tag war das Eisloch neu zugefroren und der Weg verweht. Für die Wasserentnahme aus dem Torfmoor mussten wir beim Büdner Jürss umsonst Kartoffeln sammeln.« 1973-1979 wurde dann in mehreren Stufen der Wasseranschluss für die anderen Ortsteile geschaffen. Im Jahre 1991 schließlich hat die Firma »Glashäger AG« zusätzlich drei neue Brunnen gebohrt. Das Wasser aus diesen Brunnen gelangt in die »Glashäger Fabrik« und wird zu Mineralwasser verarbeitet.
Kindergarten
1963 wurde in Hohenfelde zum ersten Mal ein Erntekindergarten eingerichtet und zwar auf dem Gehöft des Ziegeleiarbeiters Wilhelm Röhrdanz am Althöfer Weg. Er hatte einen Teil des Hauses dafür zur Verfügung gestellt. Der Kindergarten wurde dann 1965 eine ständige Einrichtung. Die LPG und die Gemeinde hatten später ein Gebäude an der Ziegeleischeune zum Kindergarten umgebaut. Dort wurden die Kinder viele Jahre betreut. 1990 gelang es, ein neues Kindergartengebäude am Schwanenteich mit Krippenplätzen fertig zu stellen. Doch kurze Zeit später war das Bestehen des Kindergartens in Frage gestellt. Die Kommunen konnten kleinere Dorfkindergärten nicht mehr finanzieren und wollten sie abgeben. Doch die Hohenfelder wollten sich damit nicht abfinden. Unter Mitwirkung der damaligen Bürgermeisterin Sabine Neumann gründeten insbesondere die Großelter der Kinder einen Verein »Kindergarten e.V.«, der schließlich die weitere Existenz der Einrichtung ermöglichte. Heute besuchen 28 Kindergarten- und 12 Krippenkinder die Tagesstätte. Leiterin ist Frau Edith Dostal. (In 08/2007 übernimmt Frau Gerlinde Hexel dieFunktion – Anm. d. R.)
Die Ziegeleien
Die älteste Ziegelei befand sich am Dorfeingang – von Bad Doberan aus gesehen auf der linken Seite, dort wo heute das Doberaner Krankenhaus steht. Sie gehörte der Familie Jürss und wurde bereits im 17.Jahrhundert – etwa 1785 – von deren Vorfahren errichtet. Dort wurden noch handgestrichene Ziegel gefertigt. Eine zweite Ziegelei gab es im Dorf auf dem Gehöft Nr. IV. Sie war 1889 von dem Althöfer Ziegelmeister Völcker, der aber bald bankrott gemacht haben soll. Danach übernahm Andreas Westendorf die Ziegelei. Die Ziegelei wurde später zu einem Maschinenstützpunkt der LPG ausgebaut. Heute (bis 2005 Anm. d. R.) befindet sich darin eine Bauhandelsfirma und das ehemalige LPG-Büro. Ziegelei-Besitzer Westendorf besaß auf der rechten Seite der Chaussee, also mitten im Dorf noch ein Wohnhaus, Ställe und eine Scheune, ein stabiler Ziegelbau vom Anfang des 20. Jahrhunderts, die Westendorf zur Lagerung von Feldfrüchten nutzte. Sie steht heute noch und wird gegenwärtig zum Gemeindezentrum ausgebaut (Fertigstellung 2004, Anm. d. IR.). Sie wird im Sprachgebrauch der Hohenfelder immer noch »Ziegeleischeune« genannt.
Gaststätten
In früheren Zeiten fanden sich die Bauern und Büdner im Räucherkaten von Peter Hameister abends ein, um ein Bier zu trinken. Für viele Dorfbewohner ein geheimnisvoller Ort, wo sich nur erwachsene Männer aufhalten durften. Dann gab es in Fulgenkoppel (heute zu Retschow gehörig) noch den »Norweger«, um den sich ebenfalls Sagen und Geschichten rankten. Aber die meisten Hohenfelder werden sich an die Gastwirtschaft »Zur Eiche« am Dorfplatz erinnern. Sie war mit der Schmiede verbunden, und der Schmied war zugleich der »Kräuger« (Krüger). Die Schmiede und die Gastwirtschaft wurden 1915 von den Brüdern Otto und Wilhelm Wascher gekauft. Die Vorfahren der Waschers sollen aus Frankreich stammen. Legendär war auch das Wirtshaus »Blockhus« (nach dem Namen des Besitzers) in Ivendorf, das aber im Volksmund nur die »Rote Flöte« genannt wurde. Es bestand etwa bis 1980. Bis zu 90 Personen sollen sich manchmal in der Gaststube gedrängt haben, erzählt Albert Becker. Die Luft soll geschwängert gewesen sein vom Qualm der Petroleum und Karbidlampen. Denn elektrisches Licht bekam Ivendorf erst 1948. Die Männer hatten vom Karbid stets schwarze Pfropfen in der Nase. Das Haus steht heute noch, es ist die Schwaaner Chaussee Nr. 2. Heute ist es zu Wohnzwecken umgebaut. Im Jahre 1952/53 wurde im Zuge des »Nationalen Aufbauwerkes« das Kulturhaus erbaut (heute Gaststätte »Helgoland«). Die Einwohner Hohenfelde errichteten es in vielen Aufbaustunden. Zunächst war es nur als Kultursaal geplant. Später kam ein
Gaststuben-Vorbau dazu und eine Wohnung für den Gaststätteninhaber und Anfang 1970 eine Weinstube und eine komplette Küche. Zunächst betreute die Familie Wascher und dann die Tochter, Frau Katzorreck, den Gaststättenbetrieb. Später übernahm das Ehepaar Peter und Elli Trost. Seit 1990 trägt das Restaurant den Namen »Helgoland«. Inhaberin war Frau Diana Müller. Nach einem Besitzerwechsel öffnete der Betrieb unter Aufsicht von Frido Schmidtke als „Clubgaststätte Helgoland” und danach unter neuer Geschäftsführung unter “Landgasthaus Helgoland”. (Anm. d. IR.)
Feuerwehr
Das Gründungsdatum für die Feuerwehr von Hohenfelde lässt sich nicht mehr feststellen. Ältere Hohenfelder behaupten, dass es um 1871 gewesen ist. Da zu diesem Zeitpunkt auch in anderen umliegenden Gemeinden die Feuerwehr gegründet wurde scheint dies wahrscheinlich zu sein. Früher musste bei Gewitter immer schon ein Pferdegespann angeschirrt sein, für den Fall, dass ein Brand ausbrach. Die Wasserspritze wurde auf einem Anhänger transportiert, der von einem Pferdegespann und später von einem LKW gezogen wurde. Die freiwillige Feuerwehr hat heute ca. 40 Mitglieder, 20 davon sind Jugendliche, die eine eigene Abteilung Jugendfeuerwehr bilden. Am 12. 06. 1999 erhielt die Feuerwehr ein modernes Gebäude und am 14. 07. 2001 zwei ebenfalls moderne insatzfahrzeuge. Die Feuerwehr hat sich in den letzten Jahren sehr verdient gemacht im vorbeugenden Brandschutz und darüber hinaus auch bei der Organisation von Dorffesten und anderen kulturellen eranstaltungen.
Jagdwesen
In frühen Zeiten war die Jagd die wesentlichste Form der Nahrungsmittelbeschaffung. Später, im Feudalismus war sie das Privileg Weniger, meist gekrönter Häupter, Adliger oder Funktionsträger. Erst in der Neuzeit wurde die Jagd demokratischer und für andere Bevölkerungsschichten möglich. Im Jahre 1962 wurde eine Jagdgesellschaft Bad Doberan gebildet. Grundlage dafür war das Jagdgesetz der DDR, das im selben Jahr verabschiedet wurde. 123 Mitglieder der Jagdgesellschaft sorgten in der Zeit bis 1990 für eine ordnungsgemäße Hege des Wildbestandes. i Nach der Wende gilt im Jagdwesen das Landesjagdgesetz, das 1992 bzw. 2000 beschlossen wurde. Auf dieser Basis bildeten mehrere Bauern und andere Landbesitzer von Ivendorf und Hohenfelde eine Jagdgenossenschaft. Vorsitzender ist seit 2002 der Landwirt Richard Peper. Doch in der Jagdgenossenschaft können auch diejenigen mitwirken, die keine Eigentümer von Grund und Boden sind. Sie erwerben einen Begehungsschein. Im Vorstand der Jagdgesellschaft arbeiten Rudolf Riebe, Jürgen Kruth, Wilfried Katzorreck und Hans-Jürgen Allwardt. Hans-Jürgen Allwardt organisiert auch seit 1997 das Jagdhornbläsertreffen, das 2002 schon zum sechsten Mal stattgefunden hat und jedes Jahr zahlreiche Besucher im reizvollen Quellental empfängt.
Wappen
Im März 2002 wurde der Gemeinde Hohenfelde ihr Wappen übergeben. Im Zusammenwirken mit dem Gemeindevertreter Jens Preuß hatte der Schweriner Heraldiker Karl-Heinz Steinbruch die grafische Gestaltung des Wappens übernommen. Jens Preuß hatte die Idee, das Kastanienblatt als Hauptmotiv zu wählen. Denn Kastanien säumen die Hauptstraße des Dorfes. Außerdem erinnert die Schlageinteilung der Felder und Gehöfte an die Gliederung des Kastanienblattes. Die Wege führen strahlenförmig auf den Dorfmittelpunkt zu, ähnlich wie die Blattadern des Kastanienblattes. Der angedeutete Hügel im unteren Wappenfeld nimmt Bezug auf den Dorfnamen »Hohenfelde«. Die Farbe Gelb symbolisiert den Raps, der als Kulturpflanze eine wichtige Rolle in Hohenfelde spielt. Die Gemeinde hat sich damit ein Wappen gegeben, das die Verbundenheit des Dorfes mit seiner natürlichen Umgebung zum Ausdruck bringt und diese als bewahrenswertes Gut ins Bewusstsein rückt.
Literaturverzeichnis
1) Mecklenburgisches Urkundenbuch (MUB) I, S. 122
2) Teltschik, Karin, Chronik der Bauernhöfe von Rethwisch-Börgerende, Wilhelmsfeld, 1986
3) Krause, Ludwig; Fundchronik, Orte um Rostock, Stadtarchiv Rostock
4) Mager, Friedrich, Geschichte des Bauerntums und der Bodenkultur im Lande Mecklenburg, Berlin (Ost) 1955
5) Wiehert, Sven, Das Zisterzienserkloster Doberan im Mittelalter, Berlin 2000
6) Ebenda
7) Barnewitz, Hans, Amt Doberan, Dissertation, Rostock, 1926
Mager, Friedrich, a.a.O.
9) Barnewitz, Hans, a.a.O.
10) Teltschik, Karin, a.a.O.
11) Landeshauptarchiv, Schwerin, Amt Doberan, Nr.2.22-10/7,2898
12) Karge.Wolf/Münch, Ernst/Schmied, Hartmut, Die Geschichte Mecklenburgs, Rostock 1992
13) Krause, Ludwig, a.a.O.
14) Radder, Wilhelm, Chronik der Gemeinde von Hohenfelde
15) Mager, Friedrich, a.a.O.
16) Bamewitz, Hans, a.a.O.
17) Buchsteiner, Ilona, Bodenreform und Agrarwirtschaft der DDR, in: »Aufarbeitung und Versöhnung«, Schwerin 1996
18) Radder, Wilhelm, a.a.O.
19) Kuntsche, Siegfried, Agrarwirtschaftlicher und sozialer Wandel durch Bodenreform und LPG-Bildung, in: Aufarbeitung und Versöhnung V, Zur Arbeit der Enquete-Kommission »Leben in der DDR, Leben nach 1989 – Aufarbeitung und Versöhnung«, Schwerin, 1996
20) Gabler, Diethelm, Entwicklungsabschnitte der Landwirtschaft in der ehemaligen DDR, Gießen 1995
21) Ebenda
Nachwort
Liebe Hohenfelder!
Viele Monate lang konnte ich mit ihrer Hilfe Sachzeugen aus der Historie zusammentragen die Entwicklung Hohenfeldes nachzeichnen. Es war eine Arbeit, die mir viel Freude gemacht hat. Doch damit ist die Erforschung der Geschichte des Ortes noch lange nicht abgeschlossen. Zum Beispiel die Herausbildung der einzelnen Gehöfte, das Werden und Wachsen von Handwerk und Gewerbe und auch nicht zu vergessen: die Ur- und Frühgeschichte, das sind nur einige Beispiele für das, was noch gründlicher entdeckt und weiter dargestellt werden kann. Zu Recht sagte einst Thomas Mann: »Tief ist der Brunnen der Vergangenheit« Der Gemeinderat und der Bürgermeister bitten Sie deshalb: Sammeln Sie weiter Fotos und Erinnerungen, dann wird es sicher in nicht allzu ferner Zeit wieder eine Festschrift oder Chronik über Hohenfelde geben. Steffi Pfeffer
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Urheberin: Steffi Pfeffer, Rostock (Historikerin)
Digitalisierung und redaktionelle Überarbeitung (Anm. d. IR): Martin Dostal, Mai 2005
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