OSTSEE-ZEITUNG.DE Wochenendausgabe, 11. Oktober 2008 | Titelseite Bad Doberan
Viele Kinder, allerhand Gewerbe, Kultur und eine 831 Jahre alte Geschichte. Das ist Hohenfelde, dicht bei Doberan gelegen.
Im Kreis gebaut. Ein großer Stein im Dorf-Zentrum trägt die Zahl der Ersterwähnung: 1177. Als Ringdorf in der wendischen Siedlungszeit erbaut, erhielt Hohenfelde zunächst den Namen Putecha. Erst mittelalterliches Klosterdorf, später ein Bauerndorf. Ursprünglich lagen alle Höfe, die Schmiede und zwei Häuslereien im Dorfring. Ziegeleien und Bauernstellen wurden im 19. Jahrhundert errichtet. Neuhohenfelde entstand um 1820 als Büdnereisiedlung. Kinderreich ist Hohenfelde heute. Die Kita „Teichfrösche“ am Rande des Dorfes „quillt über“ vor Kinderlachen. „Die Kita ist sehr beliebt“, so Erika Hexel. Ab 1968 trug ihr Vater Wilhelm Radder Historisches von Hohenfelde zusammen. Erika Hexel verwaltet den Nachlass, der von ihrer Schwester weitergeführt wurde. Der Hohenfelder Chor ist seit der Gründung 1965 gern gesehener Gast auf Festivitäten. Auch Erika Hexel singt dort seit vielen Jahren mit. Die 29 Mitglieder sind eine harmonische Gemeinschaft. „Sie ist immer sehr hilfsbereit“, so Erika Hexel. Gemeint ist Frisörmeisterin Ingrid Kruth, ebenfalls ein Chormitglied. In dieser Woche kamen gut 40 Gratulanten zu ihrem 15. Geschäftsjubiläum. „Hier herrscht eine familiäre Atmosphäre“, zeigt sich Erika Hexel begeistert. Angefangen hat die Frisörmeisterin allein. Mittlerweile beschäftigt die flotte 58-Jährige noch sechs weitere Frisörinnen. „Flexibilität ist mir wichtig. Ich möchte alle Mitarbeiterinnen behalten können“, sagt die Chefin. Der Lebensmittelladen nebenan musste nach vielen Versuchen von verschiedenen Pächtern schließen. Dafür treffen sich die Hohenfelder gerne im Backshop an der Schwaaner Chaussee. Die Hauptstraße ist übrigens schon 1882 gebaut worden. Den „Backshop Hohenfelde“ führt Eveline Hunger seit etwa zwei Jahren mit zwei Angestellten. In dem Geschäft gibt es neben Bäckereiwaren auch leckeren Imbiss und einige Grundnahrungsmittel wie Mehl und Zucker. Auf der gleichen Straßenseite reihen sich Firmen wie die Glaserei „Hermann“, der Motorrad-Shop „Toxic-Bikes“, HSB-Bau und „Schimming Straßen-und Tiefbaufirma“ aneinander. Auch die Freiwillige Feuerwehr besitzt an dieser Straßenseite ihr Domizil. Interessant auch, dass entlang dieser Trasse Anfang des 19. Jahrhunderts viele Häuser gebaut wurden. Lustig und traurig zugleich ist die Hohenfelder Story der entführten Großmutter: Eine ehemalige Stellmacherei wurde 1903 an Stellmachermeister Herrmann Beyer verpachtet. Der Vertrag sah vor, die dort ansässige ältere Dame zu übernehmen und zu versorgen. Das sahen jedoch deren Kinder in Kröpelin nicht gerne, denn so ging ihnen das Versorgungsgeld „flöten“. Sie entführten kurzerhand die Großmutter. Beyer holte sie zurück, denn die Oma wollte bei ihm bleiben. Die Kinder wiederholen ihre Tat. Die Großmutter nahm sich, angesichts dieses Irrsinns, das Leben. Die alte Schule, gebaut 1881, gibt es schon lange nicht mehr. Dafür steht die Friedenseiche, gepflanzt 1871 vom Schulzen, imposant auf dem Dorfplatz. „Helgoland“ und „Quellental“ heißen die beiden Gaststätten in Hohenfelde. Nicht nur dort wird gefeiert. Gerne auch im umgebauten Stall, in dem noch zur DDR-Zeit getrocknete Futter-Kartoffelschalen lagerten. Heute ein Schmuckstück und Hort für Familienfeiern, Treff der Volkssolidarität und Ort vieler kultureller Angebote. Bürgermeister Karlheinz Siewert kümmert sich gut um seine etwa 860 Hohenfelder, wird erzählt. Peter Betke wohnt gegenüber der Scheune. Pflanzte den Wein ans Haus. Der 52-Jährige arbeitet seit neun Jahren für die Gemeinde. Lebt schon seit 28 Jahre im Dorf und kam einst der Liebe wegen nach Hohenfelde. Der saubere, gepflegte Ort hätte nun genug Neubaugebiete, ist nicht nur seine Meinung. Fast wächst Hohenfelde mit dem Krankenhaus „Am Rande der Stadt“ zusammen. Wäre schade um die Idylle. Hohenfelde – gewachsen aus einem Ring – mit einem Baum des Friedens in seiner Mitte.
SABINE HÜGELLAND
Link: Zum Artikel in der Ostsee-Zeitung
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