KITA |
Sonntag - 24.02.2008 -
13:41:42 Uhr
Dörfliche Einrichtungen in der Regel kostenintensiver |
OSTSEE-ZEITUNG.DE Freitag, 2. November 2001 |
Das Land hat seine Hausaufgaben nicht gemacht, den Regelkostensatz für Kita und Hort falsch berechnet. Eltern befürchten jetzt, dass auf sie höhere Beiträge zukommen werden.
Bad Doberan (OZ) Das Oberverwaltungsgericht in Greifswald fällte sein Urteil: Die vom Land vorgegebenen Kostensätze für Krippe, Kindergarten und Hort wurden für nichtig erklärt. Eine Korrektur für 1998 ist nötig. So sind Nachzahlungen zu erwarten von Land, Kommune plus Kreis und eventuell den Eltern. Die Regelkosten für 2002 sollen laut Landessozialministerium noch im November festgelegt werden. Wahrscheinlich werden sie höher ausfallen. Alle müssten tiefer in die Tasche greifen.
Gabi Baum aus Bad Doberan, Mutter dreier Kinder, ist sauer über diese Nachricht. Schon jetzt zahlt sie für einen Halbtagsplatz pro Monat 212,40 Mark. Hinzu käme noch einmal das Essengeld, das bei 65 Mark liegt. Sie will jetzt nach den beiden Erziehungsjahren wieder arbeiten gehen und fragt sich: Wofür? Für den Kindergarten und andere Gebühren? „Wenn alles noch teurer wird, denken bestimmt einige Mütter daran, ihr Kind aus der Einrichtung zu nehmen. Dann sterben auch Kitas“, meint sie. Daniela Lau aus der Münsterstadt ist ebenfalls entrüstet. Sie bringt ihren dreieinhalbjährigen Matteo täglich in die AWO-Kita auf dem Kammerhof. „Nur weil jemand im Ministerium sich verrechnet hat, sollen wir bluten. Das finde ich ungerecht. Derjenige müsste doch zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt sie.
Klaus Schoppmeyer, Bürgermeister in der Gemeinde Retschow, hält es für „unverantwortlich“, den Eltern stets höhere Kosten aufzubürden. „Ich habe den Eindruck, einige Leute wollen die Kitas bewusst tot machen.“ Er für seinen Teil will sich in Anwesenheit der Kämmerin die realen Bewirtschaftungskosten für die kommunale Kita „Feldmäuse“ anschauen. Wenn man zurecht komme, bleibe alles beim alten, sagt er. Auch Hohenfeldes Bürgermeister Karlheinz Siewert hält nichts von einer Pauschalisierung, sondern meint, man müsse von Fall zu Fall prüfen. In seiner Gemeinde fungiert eine Elterninitiative als Träger der „Teichfrösche“. „Wir müssen den Kindergarten gar erweitern“, weiß er.
Günther Höfer, Leiter vom Ordnungs- und Sozialamt von Doberan-Land, betont, dass „Schwerin seine Hausaufgaben nicht gemacht hat“. In der Vergangenheit mussten die Gemeinden meist zubuttern, weil der Satz nicht stimmig war. Teilweise 100 bis 200 Mark pro Krippenkind und Monat.
„Dörfliche Einrichtungen mit einer geringeren Auslastung sind in der Regel teurer. „So sorgt eine Betreuerin z. B. in der Krippe für sechs Steppkes, kommt ein Siebter hinzu, muss eine zweite Kraft her. Habe ich zu kleine Gruppenräume kann ich nicht 18 Kindergartenkinder mit einer Erzieherin–so hier der Schlüssel–in einen Raum ferchen. In der Regel müssen wir mit Personalüberhang fahren. Anders ist das nicht möglich.“
ANETT JONUSCHAT
Link: Zum Artikel in der Ostsee-Zeitung
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