Die südliche Ortsumgehung um Bad Doberan.

M i t    W i l l k ü r   u n d   S t a r r s i n n   z u m   U n s i n n.

 

Worum geht es?

 

Im Rahmen der Angliederung der DDR an die BRD wurden zahlreiche Infrastrukturprojekte beschlossen. Dazu zählte in Mecklenburg-Vorpommern z.B. der Bau der Bundesautobahn A20.

In jedem Jahr gibt es einen Bundesverkehrswegsplan (BVWP), der vom Bundesverkehrsministerium herausgegeben wird. Seit Jahren gehört dazu auch die Ortsumgehung Bad Doberans.

 

Als Grund wird die Entlastung der Ortsdurchfahrt Bad Doberan angeführt. Die B105 verbindet direkt und über Zubringer die Städte Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald und Stettin.

Sie galt als viel befahren und man rechnete mit einem Verkehrsaufkommen von über 6000 Fahrzeugen innerhalb von 24 Stunden im Jahr 2015. Als diese Berechnungen vorgenommen wurden,

gab es die A20 noch nicht in ihrer vollendeten Länge. Die B105 war tatsächlich die einzige Direktverbindung und eine Alternative zur A20.

 

In den letzten Jahren wurde dann bekannt, dass es noch immer Planungen zur Realisierung der Umgehungsstraße gibt.

Die Gemeinden laufen Sturm gegen dieses Projekt, eine Bürgerinitiative sammelte über 2000 Unterschriften und beantragte eine öffentliche Petition und sogar quer durch alle Parteien im Landkreis

Bad Doberan herrscht Einigkeit darüber, dass dieses Projekt reine Geldverschwendung ist. Zuletzt kamen klare Worte aus Schwerin, dass dieses Projekt seinen Nutzen verfehlt und man dagegen ist.

 

Die Planer interessiert das alles herzlich wenig. Sie planen taub und emsig weiter, als gäbe es den Bürger gar nicht. Geld vom Bund steht bereit und dann hat auch ein Landkreis keine Chance.

Der Bund sieht sich die Sache nicht an und schiebt einfach das angeforderte Geld hinüber, damit es dann sprichwörtlich in den Sand unserer Landschaft gesetzt werden kann.

 

Schauen wir uns diese Landschaft einmal genauer an.

Es handelt sich hier um ein Endmoränengebiet, welches in der letzten Eiszeit entstanden ist. Sanfte Hügel mit für diese Region ungewöhnlicher Höhe und tief eingeschnittene Urstromtäler

durchziehen das Land zwischen Ostsee und Mecklenburgischer Seenplatte. Die Wiesen sind saftig, die Wälder uralt und durchzogen mit Mooren und Mineralquellen. Das Wasser ist hier

so rein, dass es für die Herstellung von Erfrischungsgetränken benutzt wird, welche in ganz Deutschland Absatz finden. Auf den Feldern werden Weizen, Gerste, Raps, Roggen, Rüben und

Hafer angebaut. In den Ställen stehen die besten Rinderrassen Deutschlands und auch die Pferdezucht hat eine lange Tradition.

 

Slawenstämme lebten hier und hatten ihre heiligen Stätten in dieser Region. Der Tempelberg erinnert daran und mit den Hügelgräbern im Quellholz gibt es noch heute sichtbare Zeichen

der slawischen Besiedlung. Mit der Völkerwanderung kamen Westfalen mit in das Land und hinterließen auch heute noch sichtbare Spuren.

 

Vor über 1000 Jahren siedelten sich hier Mönche aus dem niedersächsischen Amelungsborn an und gründeten hier ihr erstes Kloster. In Althof hat die Christianisierung Mecklenburgs

seinen wahren Ursprung. Die kleine Kapelle in Althof ersetzte die kleine Holzkirche des Ortes. Sie ist eigentlich das Mutterkloster aller Kirchen Mecklenburgs. Offiziell kommt jedoch dem

Bad Doberaner Münster diese Ehre zu Teil. Einstige Kirchwege und frühe Handelswege sind noch heute erhalten. Auch Pilgerpfade, wie der Jakobsweg führen durch diese Region.

In Althof befindet sich das erste profane Gebäude Mecklenburgs. Die erste Ziegelei Mecklenburgs hatte hier ihren Standort. In Glashagen wird seit 100 Jahren Mineralwasser gefördert

und die Zisterziensermönche bauten hier sogar Wein an den Hängen des Quellentales zwischen Glashagen und Hohenfelde an. Napoleons Truppen durchzogen dieses Land und erlebten

hier eine schwere Niederlage. Hier ist die Landschaft urig, hier sind die Bäume alt und die Menschen von einem ganz besonderen Schlag. Hier reihen sich Landschaftsschutzgebiete,

Naturschutzgebiete und Trinkwasserschutzreservate aneinander. Eine maßvolle Bebauung und der Verzicht auf Industrie machen diese Landschaft zu einem Ort der Erholung und

Gesundheit. Das Moorbad am Bad Doberaner Ortsausgang und das privat finanzierte Krankenhaus Bad Doberan sind die besten Belege für ein funktionierendes Heilklima.

 

Die Dörfer südlich Bad Doberans profitieren von ihrer Nähe zur Kreisstadt Bad Doberan. Sie sind beliebte Wohnstätten all jener, die in Bad Doberan arbeiten und sie sind ein

wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Einzelhandel und die Dienstleistungsbetriebe der Kreisstadt. Neben dem Tourismus ist das Umland die wichtigste Geldquelle Bad Doberans.

 

Diese Geldquelle droht jetzt zu versiegen und die Landschaft soll zerschnitten und "vergewaltigt" werden. Sehen Sie selbst:

 

 

Der rote Strich zeigt die geplante Umgehungsstraße um Bad Doberan. Er stellt eine ungefähre Linie dar. Auf dem Originalplan sieht man nur Straßen und weiße Flächen. Hier sieht man jedoch, dass die Straße keineswegs durch die Pampa läuft, sondern durch besiedelte Gebiete. Sie wird an der Straße nach Bartenshagen-Parkentin (oben rechts) abgezweigt und in Reddelich (unten links) wieder angeknüpft.

 

Schauen wir uns das einmal näher und Stück für Stück an:

 

 

Im ersten Abschnitt gilt es, die Straße direkt an einem Wald zu bauen. Da man mit Sicherheit keinen Bogen um den Wald herum machen wird, müssen Bäume sterben. Ein Bach und eine Straße werden

überwunden und irgendwie muss man zwischen einen Bahnhof und einer Schweinemastanlage hindurch. Im Norden schneidet die Trasse damit ein Wohngebiet Bad Doberans und setzt Bad Doberan eine

südliche Wachstumsgrenze. Hier wird keiner mehr bauen. Dabei sehnt sich die Stadt so sehr nach Häuslebauern.

 

 

Im nächsten Abschnitt muss ein langes Tal überwunden werden. Hier wird eine Brückenkonstruktion nötig werden. Wenn man hier nicht auf der Grenze zweier Landwirtschaftsflächen balanciert, wird die

Fläche eines Landwirtes zerschnitten oder er muss einen Teil davon ganz hergeben. Auch hier müssen Bäume sterben und mit ihnen auch Hecken, welche dicht besiedelt mit heimischen Tieren sind.

Auch hier setzt man dem Wachstum der Gemeinden künstliche Grenzen. Dann hätte Hohenfelde genauso gut 1990 hier ein Gewerbegebiet ausschreiben können und vielleicht noch Nutzen durch die

Gewerbesteuern einfahren können. Für Hohenfelde bedeutet dieser Abschnitt eine Zerschneidung des Dorfes, Lärm, Gestank und Umweltzerstörung. Schlimmstenfalls wird die Umgehung hier auch

noch mit dem Autobahnzubringer verknüpft und bringt ein großes Kreuzungsbauwerk mit sich, das bis an die Bauernstellen heran reicht.

 

 

Im nächsten Abschnitt werden wieder Bauernstellen flankiert und die Straße wird südlich um Stülow und nördlich um Glashagen herum gelegt. Der Wert der Grundstücke in beiden Gemeinden droht enorm

zu sinken, denn statt Ruhe in herrlicher Landschaft wird hier nun der Lärm einer Bundesstraße zu genießen sein. Einer Bundesstraße, die vorher noch 7 Kilometer entfernt und damit nicht wahrnehmbar war.

Hier wird die Bundesstraße nun entweder in Form einer riesigen Brücke oder in Form einer gut einsehbaren Berg-und-Tal-Straße daher kommen. Es gilt ein langes und tiefes Tal mit Wasserläufen zu überwinden.

 

 

Bis Reddelich werden dann wieder Hecken und Grundstücke zerschnitten. Für die Bauern bedeutet das, entweder eine Bundesstraße überqueren oder einen Umweg fahren zu müssen.

 

 

Probleme:

 

Es gibt einige grundsätzliche Probleme bei der Trassenführung. DIese stelle ich hier zusammen:

 

 

Das Bild zeigt die Trassenführung von Bartenshagen nach Hohenfelde. Hier passiert die Trasse Althof. Das Dorf ist ein Ortsteil Bad Doberans. Wenn man also Bad Doberan umgehen will, müsste man

auch Althof umgehen. Davon ist in den Plänen aber nichts zu sehen. Hier muss die Bundesstraße in Form einer Brücke daher kommen, auf die man dann von Althof und Bad Doberan aus herauf blickt.

Auf jeden Fall wird die Trasse direkt ein Wohngebiet streifen und damit zur Lärm- und Schmutzbelästigung werden. Schlimmstenfalls sind hier Abrissarbeiten und Umsiedlungen nötig. Aber mal ehrlich:

Wer wird hier noch wohnen wollen, wenn eine Bundesstraße den Ort durchzieht, in dem man bisher ruhig und beschaulich leben konnte?

 

 

Hier erreicht die Bundesstraße Hohenfelde. Die Landstraße ist bereits ein Fahrdamm, der über der Landschaft rechts von ihm liegt. Man muss also ein Tal überwinden und dann noch

einmal nach oben ziehen, um eine Straße zu überwinden. Danach geht es dann entweder in Schwindel erregender Höhe weiter oder steil wieder nach unten, denn nun folgt ein tiefes Tal.

Auch ist es offensichtlich, dass die Trasse nur hier entlang passt. Oben haben wir zwei Bauernstellen, das Krankenhaus Bad Doberan und die Hügelgräber im Quellholz und unten haben

wir dann eine Bauernstelle und gleich das Dorf Hohenfelde. Wer hier nach der Wende baute tat dies, weil es sich hier um ein ruhiges, straßenarmes und am Dorfrand gelegenes Baugebiet

handelte. Mit unverbaubaren Blick über Wiesen und Felder zum Quellental. In Zukunft mit Blick auf eine Bundesstraßen-Brücke, hinter der das Quellental verschwindet.

 

Eine vielleicht nötige Ampelanlage wird den Autobahnzubringer unterbrechen und für Staus durch Hohenfelde sorgen. Besonders, da die Touristen direkt nach Bad Doberan wollen und nicht

begreifen werden, warum es nun nach rechts und links und geradeaus nach Bad Doberan geht. Ein Autofahrer nimmt in dieser Situation immer die Mitte und vereitelt damit die Umgehung.

 

 

Nach Hohenfelde muss dann Bademühle dran glauben. Der Flecken gehört zu Stülow und damit zu Retschow und fand schon vor 200 Jahren Erwähnung in den Schriften des großherzoglichen Bademeisters

und Leibarztes Dr. Vogel. Bademühle war nämlich ein Ausflugsort der feinen Gesellschaft in Bad Doberan, wenn diese sonntags wanderte oder ausritt. Das Dörfchen besteht aus ein paar Bauernstellen aber

das Land ist ziemlich zusammen hängend. Das wird sich ändern und da auch hier wieder Straßen im Wege sind, wird sich hier wieder eine Brücke auftun, wenn man nicht die Straßen einfach sperren will.

 

 

Im letzten Abschnitt geht es dann nach Reddelich. Wie man sieht, würde hier eine Anbindung so nicht funktionieren.

 

Oder eher so?

 

Die Hindernisse in Althof, die nicht funktionierende Anbindung in Reddelich - vielleicht sieht am Ende das Ganze so aus, wie der blaue Strich es zeigt. Oder so wie der gelbe.

 

 

 

 

Noch ein Problem.

 

Die Hohenfelder sind die nächsten Anwohner Bad Doberans im Süden. Sie haben mit der L10 einen direkten Zugang zur Kreisstadt. In weniger als 10 Minuten und gerade einmal 7 Kilometern sind sie

am Alexandrinenplatz und können bei LIDL oder ALDI an der B105 oder bei NETTO und den vielen Einzelhändlern in der Stadt einkaufen. Auch das EKZ an der B105 in Richtung Rostock ist ein beliebtes

Ziel der Hohenfelder. Durchschnittlich fährt der Hohenfelder - wenn überhaupt - einmal im Monat nach Sievershagen bei Rostock in den Ostseepark oder gar in ein Geschäft in Rostock. Und er verbindet das

möglichst mit anderen Besorgungen und Terminen. Das vorrangige Ziel der Hohenfelder, Ivendorfer, Hanstorfer, Reinshäger, Retschower, Stülower, Althöfer, Glashagener, Badenmühlener und vieler anderer

Landbewohner ist Bad Doberan. Sie müssen hier zu den Ämtern, viele von ihnen arbeiten hier oder haben Kinder in den Schulen Bad Doberans und dann erledigen sie auch ihre Einkäufe hier.

Es gibt viele Studien verschiedener Städte, denen eine Umgehungsstraße nicht geschadet hat. Aber es gibt auch genauso viele Städte, denen sie eben doch geschadet hat.

Außerdem gibt es für Bad Doberan gar keine Studie, sondern "nur" das schlechte Gefühl der Bad Doberaner Gewerbetreibenden, dass eine Umgehung ihnen schaden wird.

 

Es gibt keine Antwort auf die Frage was nun mit dieser Direktverbindung nach Bad Doberan geschehen wird.

Lässt man sie offen, wird die Umgehung von Süden her nicht genutzt. Der ganze Autobahnzubringer-Verkehr liefe also weiterhin über den Bad Doberaner Alexandrinenplatz.

Schließt man ihn, müssen die Krankenwagen des KBD und die Buslinien einen großen Umweg fahren. Die schnelle medizinische Versorgung der Bad Doberaner wäre so nicht mehr gegeben.

Die Busfahrzeiten würden sich verändern, sodass die Busse noch früher fahren oder der Unterrichtsbeginn an den Schulen verschoben werden müssten. Die Logistik der Glashäger würde sich

um einige Kilometer verlängern, was sich letztlich auf die Umsätze auswirken kann.

 

Auch wäre die Fahrt über Reddelich der kürzere Weg. Der Zugang über die Kröpeliner Straße nach Bad Doberan ist der Kritikpunkt der Planer. Wegen diesem Nadelöhr wollen sie die Umgehung bauen.

Die Umgehung nun hat zur Folge, dass alle Landbewohner zwischen Schwan und Bad Doberan bei einer Sperrung des direkten Weges den alternativen kürzeren Weg über Reddelich fahren werden.

Sie gelangen dann in größeren Massen als zuvor von Reddelich aus nach Bad Doberan und bilden an der Ampel lange Staus. Schon jetzt ist es sehr schwierig, von der Kreisstraße oder von den beiden

städtischen Straßen Dr.-Leber-Straße und Lindenstraße auf die B105 zu gelangen. Das könnte in Zukunft unmöglich werden und die Stadt dazu zwingen, die Straßen stadteinwärts zu Einbahnstraßen

zu machen und damit den Verkehr durch die Stadt zu leiten. Wer Bad Doberan kennt weiß, dass dies ein sinnloses Unterfangen ist, das viele Straßenschäden, Unfälle, Beschwerden und Staus nach

sich zieht. Der Verkehr müsste über das Nadelöhr "Bergstraße" in das Nadelöhr "Am Hörn" geleitet und an der unübersichtlichsten Stelle auf den Alexandrinenplatz gezogen werden. Für Bad Doberan

bedeutet die Umgehung also zusätzliche Kosten und nachhaltige Lasten. Die man eigentlich mit der Umgehung zu vermeiden versucht. Die Umgehung ist also eine Problemverschiebung zu Lasten

Bad Doberans aber niemals eine Problemlösung.

 

Das ist der Weg der Hohenfelder nach Bad Doberan:

Vom Dorfzentrum zum Stadtzentrum sind es 3,32 km, die bei grünen Ampeln in 4 Minuten zurück gelegt werden.

 

In Zukunft wäre der Weg über Reddelich gut 12 Kilometer lang und würde 15 Minuten bei grünen Ampeln dauern.

Wobei man dann das völlig misslungene Bad Doberaner Kreuzungsbauwerk von seiner dümmsten Seite anfährt.

 

Über Bartenshagen wären es sogar gut 15 Kilometer in 20 Minuten bei grünen Ampeln.

Und dann wäre man kurz vor dem Ostseepark und hätte gar keinen Grund mehr, nach Bad Doberan zu fahren.

 

Zu den Ampeln sei gesagt, dass es bis Bad Doberan nur 2 Ampeln gibt, von der nur eine bis 22:00 Uhr dauerhaft in Betrieb ist.

Mit der Umgehung werden es dann evtl. 2 neue Ampeln auf der Umgehung und dann 3 städtische Ampeln. Aus eins mach 5.

Über Reddelich wären es noch zwei Ampeln aber ein Mehr-Verkehr in der Kröpeliner Straße hat zur Folge, dass die beiden

städtischen Straßen (Lindenstraße, Dr.-Leber-Straße) gar nicht mehr verlassen werden können.

 

 

 

Das Projekt soll allein in der Fertigstellung 21,8 Millionen Euro kosten. Damals galten noch 16% Mehrwertsteuer. Die Höhe der Erhaltungskosten für die vorhandenen Straßen ist noch gar nicht beziffert.

Es müssen Straßen mit Brücken überbaut werden oder Straßen über die Bundesstraße übergeführt werden. Es müssen Schienen gequert, Leitungen verlegt, Bäume gefällt und neu gepflanzt, Böden

trocken gelegt und Baustraßen errichtet werden. Es kommen Ampelanlagen hinzu, bestehende Straßen müssen teilweise nach dem Bau der Umgehung neu asphaltiert und gekennzeichnet werden.

Die gerade erst 2006 und 2007 vollsanierten Straßen werden wieder beschädigt. Radwege müssen gekreuzt werden und Brücken unzugänglich gehalten. Bäume müssen wieder rausgerissen und

woanders neu eingesetzt werden. Leitplanken werden wieder entfernt und neue sind zu setzen. Felder werden ausgehöhlt und Oberlandleitungen müssen durch Erdleitungen ersetzt werden.

 

Die Kosten dafür dürften mal wieder an der 100-Millionen-Grenzekratzen. Zahlen wird der Steuerzahler und im wirtschaftlich dann sterbenden Bad Doberan bleiben Straßen unsaniert, die zum Teil

noch reine Landwege mit tiefen Löchern und zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr gepflasterte Pisten sind. Auch für die Sanierung der Straßen in und zwischen den Dörfern fließt kein Geld, ganz

zu schweigen von Infrastrukturprojekten, sozialen Hilfen, Umweltprojekten oder Projekten für Jugendliche und Senioren. Aber Millionen für eine Straße, die keiner will und niemand wirklich braucht -

das ist möglich in dem unseren Lande.

 

21 Hektar Landschaftsschutzgebiet fallen der 10-Kilometer-Trasse zum Opfer und 465 Hektar derselben werden durch die Trasse tangiert, also grenzen an eine Lärm- und Schmutzquelle.

Ein unglücklicher Unfall auf dieser Strecke kann das Trinkwasser einer ganzen Region und den wichtigsten Betrieb der Stadt ruinieren. Die Gefahr von Wald- und Flurbränden steigt mit

der Trassierung einer Fläche, wo Wald und Felder aneinander grenzen. Ein Feldbrand bei Hohenfelde kann verheerende Auswirkungen haben und wo Autos fahren, erhöht sich nun einmal

das Brandrisiko. Nicht umsonst war es in dieser Region immer mal wieder verboten, bestimmte Wälder zu betreten und Feld- und Waldwege zu befahren.

 

 

Nur meckern?

 

Verlangen wir zu viel, wenn wir unsere Region mit seiner besonderen Landschaft schützen wollen? Verlangen all jene zu viel, die sich gegen die Zerstörung ihrer Heimat zur Wehr setzen?

Wir haben lange still zugehört und Fragen gestellt. Fragen, die unbeantwortet blieben. Wir haben etwas gegen Mauschelei und Geheimniskrämerei. Wir wissen noch immer nicht, wo genau

die Trasse lang führen und wie sie bestehende Infrastruktur kreuzen soll. Wir wissen nicht, welche Wege wir nach Fertigstellung nutzen müssten, um nach Bad Doberan zu gelangen.

Wir wissen nicht, wie viel wir als Steuerzahler letztlich wirklich bezahlen müssen und niemand kann uns den Nutzen dieses Projekts veranschaulichen. Für uns hat er keinen Nutzen

und für die Bad Doberaner erschließt sich der Nutzen auch nicht. Bad Doberan lebt von denen, die Bad Doberan betreten. Auch von denen, die nur mal kurz anhalten, um zu tanken

oder schnell etwas zu essen oder den Proviant aufzufüllen. Und von denen, die sich dabei denken "Schickes Örtchen - beim nächsten Mal fahren wir direkt hier her."

 

Bad Doberan lebt nicht von Vorbeifahrenden. Zwar hat der Durchgangsverkehr Nachteile für Bad Doberan, die sich in Staus, Straßenschäden und Lärmbelästigung niederschlagen.

Aber das ist nicht erst seit gestern so und hat niemand davon abgehalten, sein Haus an der B 105 schick zu sanieren oder gar neue Häuser, Werkstätten oder Gewerbegebiete zu

errichten und besiedeln. Bad Doberan ohne Durchgangsverkehr ist der sichere Tod für mindestens eine der beiden Tankstellen. Bad Doberan ohne Durchgangsverkehr schlägt sich

in den Umsätzen der beiden Gewerbegebiete direkt an der B105 nieder. Bad Doberan ohne Durchgangsverkehr ist ein Bad Doberan, das selbst der Bürger aus der nahen Umgebung

eher meiden könnte, wenn er eh schon fast nach Rostock muss, um nach Bad Doberan zu gelangen. Bad Doberan steht und fällt mit denen, die die Stadt erleben. Und eine Umgehung

reduziert die Zahl derer, die sie erleben können. Möchte Bad Doberan wirklich umfahren - umgangen - werden? Hat das jemals jemand die Bad Doberaner gefragt?

Wir sind Deutschland. Und wann kommt die Demokratie?

 

Wir haben Alternativen. Eine nördliche Umgehung zum Beispiel. Die ist fast schon vorhanden. Man gelangt von der B105 in Richtung Heiligendamm auf einen Kreisel, der Bad Doberan

mit Heiligendamm, Kühlungsborn und Rerik und Steffenshagen und Reddelich verbindet. Eine Weiterführung dieses schon vorhandenen Bauwerkes würde eine Anbindung an die B105

problemlos ermöglichen und nicht 10 Kilometer lang sein. Es würde keine Täler überqueren, keine Berge zerfräsen und keine Wälder zerschneiden. Und es würde sogar den anderen

Ostseebädern einen Nutzen bringen. Das aber will niemand hören, denn die B105n steht nun einmal im Bundesverkehrswegeplan. Seit vielen Jahren. Und sie muss ungeachtet der

veränderten Tatsachen für viele Millionen Euro gebaut werden. Die Meinung der Bürger und Bürgerinnen, der Gemeinden, Verwaltungen, Parteien und Betroffenen zählt dabei nicht.

 

Aber man sollte sich vor Augen führen, dass auch dies eine Umgehung Bad Doberans mit all seinen Folgen ist. Die A20 befindet sich in ca. 20 km Entfernung zu Bad Doberan.

In Zeiten von Navigationssystemen gelangt man auf dem schnellsten Weg immer über die A20 nach Bad Doberan. Die B105 wird nur in die Navigation hinein genommen, wenn

man in einen Ort will, der auch an der B105 liegt. Man darf auch nicht vergessen, dass Bad Doberan für die Mehrzahl der B105-Nutzer zwischen Rostock und Kröpelin ja schon

das Ziel ist. Die Leute wollen nur nach Bad Doberan. Alle anderen gehören einfach zum Durchgangsverkehr einer Stadt.

 

Die B105 ist als Rostocker Straße gut ausgebaut, breit genug und mit beidseitigen Fußgänger- und Radwegen versehen. Würde man dies in der Kröpeliner Straße weiterführen

und würde man den ungeschickten Verkehrsknoten Alexandrinenplatz entflechten, dann wäre die Ortsdurchfahrt auch eine funktionierende Angelegenheit. Vor dem alten Moorbad

wäre genug Platz, um in Richtung Kröpelin den Autobahnzubringer umzulegen, wenn es denn sein muss. Auch nach Rostock wäre dies unter Wegnahme des Parkplatzes möglich.

 

Aber noch immer muss darauf verwiesen werden, dass die B105 nur problematisch ist, weil auf ihr viele Lkw fahren. Würde man die Ortsdurchfahrt für den Lkw-Verkehr sperren und

nur Anlieger durchlassen, wie es im innerstädtischen Bereich (Beethovenstraße) bereits der Fall ist, dann würde sich der Transportverkehr auf die A20 verlagern. Mit der Autobahnmaut

aber wird diese Alternative zunichte gemacht. Ein Teil des Lastverkehrs muss die B105 benutzen und für diese ist Bad Doberan das Ziel und nicht die Durchfahrt, wenn die Durchfahrt

verboten werden würde. Ein Lkw, der von Rostock nach Lübeck will, kann die A20 benutzen. Will er nach Wismar, kann er die A20 benutzen. Auch nach Neubukow und Kröpelin

gelangt er über die A20. Selbst wenn er nach Hohenfelde will, kann er die A20 benutzen. Es gibt absolut keinen Grund (außer einer Autobahnmaut), die A20 nicht zu benutzen.

Auch wenn er nach Bad Doberan will, kann er dies über die A20 realisieren. Die L10 nennt sich nicht umsonst "Autobahnzubringer". Dies ist die Direktverbindung Bad Doberans

mit der Autobahn. Dort Sperren zu errichten, wäre nicht nur falsch, sondern dumm.

 

Im Prinzip ist es so, dass die Gemeinden an der L10 unter dem hohen Verkehrsaufkommen leiden und man diese entlasten müsste, indem man die B105 eher weiter ausbaut

und in Bad Doberan besser an die städtischen Straßen anbindet. Im Prinzip brauchen wir eine bis zu vierspurige B105, die durch Bad Doberan hindurch geht. Oder eine nördliche

Umgehung, die Lkws nutzen müssen und Pkws nutzen können.

 

Die sinnvollste Variante wäre aber, die A20 für Lkw attraktiv zu machen und Bad Doberan für Lkw zu sperren. Das ginge ganz ohne neue Straßen. Und wenn man dann noch Geld

verplempern muss, baut man eben eine Nordtangente für Lkw.

 

 

Die Alternative zeigt eine Nordumgehung. Man gelangt weiterhin über die B105 alias Rostocker Straße nach Bad Doberan und auch das Gewerbegebiet, die Tankstellen und das EKZ

liegen weiterhin an der B105. Dort gibt es kaum Wohnhäuser und Gewerbe lebt ja nun einmal von Kunden, die in Autos daher kommen. Die Abbiegung nach Norden existiert bereits und

bis Vorder Bollhagen sind alle Straßen schon vorhanden und müssten nur noch einmal auf die DIN-Norm angepasst werden. Statt des Kreisels würde sich anbieten, die Mollischienen

mit einer Brücke zu überqueren. Das wäre zugleich eine interessante Attraktion. Hinter der Rennbahn zieht man die Straße dann einfach geradeaus auf die B105. Mit etwas Geschick

würde man weder Bäume fällen müssen, noch Grundstücke zerschneiden. Es gibt Normen, wie scharf Kurven sein dürfen, sodass der gelbe Strich natürlich nur ein ungefähres Maß darstellt.

 

 

Hilflos?

 

Ja - wir sind hilflos. Über 2000 Unterschriften haben nichts gebracht. Wir werden vornehmlich ignoriert. Man beantwortet unsere Fragen nicht, reagiert nicht auf unsere Kritik, setzt sich

nicht mit uns an einen Tisch und speist uns mit uralten Statistiken ab. Eine Chance haben wir sowieso nicht, denn die B105n ist nicht Sache irgend eines Amtes oder einer Landesbehörde,

sondern Sache des Bundes. Der sitz in Berlin und Berlin ist weit und da hört uns keiner. Wir kommen ja eh nicht und protestieren vor dem Bundestag und unsere Mandatsträger kann man

ja getrost ignorieren. Wir sind schließlich Mecklenburger und die muss man nicht fragen. Bei der A20 nicht, bei Lubmin nicht und auch so nicht. Die B105n ist nur ein Beispiel von Willkür.

Mehr Beispiele liefern Schwarzbücher.

 

Zumindest gibt es aber eine Bürgerinitiative für unsere Landschaft und gegen die Umgehungsstraße. Mit unserer Unterstützung kann diese vielleicht noch etwas erreichen.

 

http://www.gruene-doberan.de/Buergeriniative-fuer-den-Erhalt-des-Bad-Doberaner-Umlandes.2174.0.html

 

Und nicht zuletzt bleiben uns dann noch Briefe an die Verantwortlichen, Leserbriefe in den Zeitungen und evtl. auch Klagen gegen das Projekt.

Nutzen Sie als Informationsquelle bitte die Seiten der Bürgerinitiative.

 

 

 

Hier gibt es in Kürze noch einige Fotomontagen.

 

 

Impressum:

Martin Dostal, Dammchaussee 4, 18209 Bad Doberan,

Die Bilder stammen von Google Earth. Das Copyright liegt bei Google.

Der Text stammt von Martin Dostal als Privatperson und spiegelt seine

Meinung und einen Teil der öffentlichen Meinung wider. Die Meinung

muss nicht vollständig mit der der Gemeinde Hohenfelde oder der

Hohenfelder Bürger übereinstimmen. Wenn Sie mich mit Informationen

unterstützen können und möchten, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail.